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Bibliotheken stehen für Meinungs- und Informationsfreiheit

Positionspapier zum Umgang der Bibliotheken mit umstrittenen Werken

Pressemitteilung, 29.04.2016

Der Landesverband Niedersachsen im Deutschen Bibliotheksverband und die weiteren Verbände unter dem Dach von Bibliothek & Information Deutschland (BID) setzen sich in einem Positionspapier für Meinungsvielfalt und Informationsfreiheit in Bibliotheken ein. Sie befürworten insbesondere die Bereitstellung von gesellschaftlich und politisch kontrovers diskutierten Werken in ihren Mitgliedsbibliotheken, die einen politisch, weltanschaulich und religiös ausgewogenen Bestand und ein vielfältiges Spektrum an Meinungen gewährleisten.

Zum Hintergrund: Aktuell erscheinen immer wieder Literatur- und Sachbuchtitel auf dem deutschen Buchmarkt, die kontroverse gesellschaftliche und politische Debatten auslösen sowie ethische oder juristische Fragen aufwerfen. Zudem ist am 31. Dezember 2015, 70 Jahre nach Adolf Hitlers Todesjahr, das Urheberrecht an seinem Werk ‚Mein Kampf‘ erloschen, so dass dieses ab sofort wieder publiziert werden darf. Mitgliedsbibliotheken berichten, dass zunehmend einzelne Bürgerinnen und Bürger, aber auch Vertreter von Politik und Verwaltung versuchen, Einfluss auf das Medienangebot von Bibliotheken zu nehmen, indem sie das Entfernen von Titeln aus dem Bestand fordern oder Verbote aussprechen, für die keine rechtliche Grundlage besteht. Die bibliothekarischen Verbände zeigen sich besorgt über diese Entwicklung, die zur Einschränkung der Informations- und Meinungsfreiheit führen kann.

„Die Kernaufgabe von Bibliotheken besteht darin, freien Zugang zu Informationen und ein breites Spektrum an Wissen und Meinungen anzubieten, auch wenn diese für einzelne Personen oder gesellschaftliche Gruppen inakzeptabel erscheinen“, betont Frank Priebe, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen im Deutschen Bibliotheksverband. „Wir lehnen eine Zensur von Inhalten aus politischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen ab“, so Priebe weiter.

Im Einklang mit den Grundrechten unterstreichen die bibliothekarischen Verbände in dem Positionspapier die herausgehobene Bedeutung von Bibliotheken bei der Herstellung von Meinungsvielfalt, Meinungsbildung und dem freien Zugang zu Informationen.

Bibliotheken bieten ein umfassendes und ausgewogenes Informationsangebot an, das Sachverhalte aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und ein vielfältiges Spektrum an Meinungen zulässt. Ein umfassendes Informationsangebot schließt auch kontrovers diskutierte Titel ein. Bibliotheken stellen Medien bereit, die relevant sind für einen vielschichtigen gesellschaftlichen Diskurs.

Die bibliothekarischen Verbände setzen sich ausdrücklich dafür ein, dass als rechtskonform eingestufte Werke allen Bürgerinnen und Bürgern in Bibliotheken zur Verfügung stehen. In einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft, die auf aktiver Teilnahme an politischen Prozessen beruht, stehen informierte Bürgerinnen und Bürger im Mittelpunkt. „Wir fordern unsere Mitgliedsbibliotheken sowie Politik und Gesellschaft dazu auf, die Diskussion über gesellschaftlich und politisch umstrittene Werke zu ermöglichen und zu führen“, ermuntert Frank Priebe, „So stärken wir die Meinungsvielfalt und damit letztlich auch die demokratischen Strukturen“.

Der lvn hat die Positionierung zum bibliothekarischen Umgang mit umstrittenen Werken im März 2016 initiiert. Der Deutsche Bibliotheksverband, der Berufsverband Information Bibliothek, der Verein Deutscher Bibliothekare, die ekz.bibliotheksservice GmbH und das Goethe-Institut unter dem Dach Bibliothek und Information Deutschland (BID) haben sich dieser Positionierung angeschlossen. Die Position wurde von den Vorständen des lvn und  von BID im April 2016 verabschiedet.

Das vollständige Positionspapier finden Sie unter: www.bibliotheksverband.de/landesverbaende/niedersachsen/positionen.html

 

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Über den Landesverband Niedersachsen im Deutschen Bibliotheksverband e.V.

Der Landesverband Niedersachsen im Deutschen Bibliotheksverband e.V. ist der Interessensverband niedersächsischer Bibliotheken. Er repräsentiert öffentliche, wissenschaftliche und kirchliche Bibliotheken sowie Schul- und Privatbibliotheken. Der lvn setzt sich dafür ein, die Rolle der Bibliotheken in Gesellschaft und Politik zu stärken und macht die Bedeutung der Bibliotheken in Kultur, Bildung und Wissenschaft sowie ihre wichtige Funktion für eine demokratische Gesellschaft sichtbar. Der Landesverband formuliert bibliothekspolitische Forderungen, nimmt sich grundsätzlicher Sachfragen an und bezieht Position zu aktuellen Entwicklungen. Die Vernetzung der Bibliotheken in Niedersachsen ist dem Verband ein besonderes Anliegen.

www.bibliotheksverband.de/niedersachsen

 

Kontakt

Wiebke Dalhoff
Landesverband Niedersachsen im Deutschen Bibliotheksverband e.V.
c/o Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
Waterloostraße 8
30169 Hannover
lvn.dbv@gwlb.de
www.bibliotheksverband.de/niedersachsen