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Ein gelebtes Beispiel für Demokratie

Bibliothekspreis der VGH-Stiftung für die Gefangenen-Bibliothek Bremen

Pressemitteilung, 12.09.2016

Die Gefangenen-Bibliothek Bremen wird mit dem Bibliothekspreis der VGH-Stiftung
2016 ausgezeichnet.

Die Jury des Bibliotheks-Preises würdigt mit der Preisvergabe den Modell-Charakter der Einrichtung: Sie ist deutschlandweit die einzige reguläre Zweigstelle einer Stadtbibliothek hinter Gefängnismauern. Damit wird die Bremer Stadtbibliothek in vorbildhafter Weise  ihrergesetzlich definierten Aufgabe gerecht, der Bevölkerung einen ungehinderten Zugang z uInformationen und Teilhabe zu gewährleisten. Dass dies auch für den inhaftierten Teil der Bevölkerung gilt, wird ausdrücklich in Art. 28 der Europäischen Strafvollzugsgrundsätze bestätigt.

Die Bremer Strafgefangenen können aus 8.000 Medieneinheiten in einem Freihandbereich wählen, hinzu kommt der ungehinderte Zugang zum Verbund der Bremer Bibliotheken. Die Jury zeigte sich insbesondere von der Nutzungsintensität der JVA-Bibliothek beeindruckt: Bei 450 Haftplätzen verzeichnet sie jährlich an die 10.000 Besuche. Aus Sicht der Jury beweist dies eindrucksvoll, welche bildungspolitischen Potentiale in Bremen genutzt werden. Mit der Preisvergabe ist daher die Hoffnung verbunden, dass das Bremer Beispiel auch andernorts Aufmerksamkeit erfährt.

Dazu Henning Bleyl, Kulturredakteur der taz nord und Mitglied der Jury für den
Bibliothekspreis der VGH-Stiftung: „Gefängnis-Bibliotheken sind aus meiner Sicht als
‚Stiefkinder des öffentlichen Bibliothekswesens‘ zu bezeichnen – obwohl sie sich einer
Klientel widmen, für die das Lesen in einem sonst nirgendwo anzutreffenden Maß über all jene Qualitäten verfügt, die ihm immer zugeschrieben werden: Lesen als
Selbstermächtigung. Lesen als Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit. Lesen als Flucht aus dem Alltag. Wenn Haftanstalten ‚geistige Freiräume‘ beherbergen sollen, dann erfüllt die Gefängnisbibliothek diesen Anspruch in besonderem Maß.“

Die Jury lobte darüber hinaus die vorbildliche Zusammenarbeit von Justiz- und
Kulturressort, die das Bremer Modell ermöglicht. Während das Kulturessort als Träger der Stadtbibliothek die Kosten für Fachpersonal und professionelle Bibliotheksstrukturen übernimmt, ist Justiz für Sach- und Anschaffungskosten zuständig. Auf diese Weise werden auch innerhalb des JVA qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. Neben den hauptamtlichen Kräften arbeiten in der Anstalts-Bibliothek drei Gefangene mit, ein weiterer aus dem U-Haft-Bereich.

Der Bibliothekspreis wird von der VGH-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Niedersachsen e.V. im Deutschen Bibliotheksverband e.V. jährlich vergeben. Der Preisträger wird auf Jury-Vorschlag benannt. Ausgezeichnet werden Spitzenleistungen in unterschiedlichen Bereichen der Bibliotheksarbeit. Damit soll die Bedeutung von Bibliotheken für die Gesellschaft hervorgehoben werden. Der Bibliothekspreis der VGHStiftung ist mit 5.000 Euro dotiert, mit ihm sollen Projekte der Bibliothek unterstütztwerden. Im Jahr 2015 wurde die Stadtbibliothek Osnabrück für ihr überzeugendes Konzept der Integration von Zuwanderern ausgezeichnet.

Jurymitglieder 2016
Günter Bassen, Geschäftsführer der Büchereizentrale Niedersachsen
Henning Bleyl, Journalist, taz nord
Felicitas Hundhausen, Direktorin der Universitätsbibliothek Osnabrück
Ellen van der Loos, Landesverband Niedersachsen e.V. im Deutschen Bibliotheksverband
Dr. Sabine Schormann, Stiftungsdirektorin der VGH-Stiftung