Pressemitteilung des dbv vom 21.04.2026
Die vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend eingesetzte unabhängige Expertenkommission hat gestern eine Bestandsaufnahme zum Kinder- und Jugendmedienschutz in der digitalen Welt vorgelegt. Auf dieser Grundlage wird die Kommission bis Ende Juni 2026 konkrete Handlungsempfehlungen erarbeiten. Der Deutsche Bibliotheksverband begrüßt die umfassende Analyse, die deutlich macht, dass Regulierung ohne zusätzliche Maßnahmen zur Bildung und Prävention nicht zu einem wirksamen Schutz führt.
Ein zentrales Ergebnis der Bestandsaufnahme ist, dass es vielfältige Angebote der Medienbildung auf kommunaler, Landes- und Bundesebene gibt, diese jedoch stärker einem föderalen Flickenteppich als einem konsistenten Rahmen gleichen, in dem die unterschiedlichen Akteure abgestimmt zusammenwirken. Einheitliche Qualitätsstandards fehlen, Unterstützungsstrukturen für Eltern und Fachkräfte sind zersplittert, und die Medienbildung in der frühen Kindheit wird bislang nicht systematisch genug berücksichtigt.
Um Kinder und Jugendliche effektiv vor den Risiken der Digitalisierung zu schützen, bedarf es systematischer Medienbildung, die alle erreicht. Mit bundesweit über 8.000 Standorten sind Bibliotheken bereits heute zentrale Akteure der Medienbildung und als Partner von Kitas und Schulen wichtiger Teil der Bildungsinfrastruktur. Allein 2024 haben die Öffentlichen Bibliotheken mehr als 200.000 Veranstaltungen im Bereich der Lese- und Medienkompetenzförderung angeboten. Gerade für Jugendliche sind Bibliotheken wichtige Anlaufstellen. Denn hier treffen sie auf ausgebildete Fachkräfte, die sie in allen Fragen der Mediennutzung begleiten und mit Rat und Tat zur Seite stehen: Mit Gaming-Angeboten und anderen medienpädagogischen Formaten fördern sie den kritischen Umgang mit digitalen Inhalten und stärken die Kompetenz zur Erkennung von Desinformation.
Dazu erklärt Kathrin Hartmann, Stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. (dbv): „Die Bestandsaufnahme zeigt, dass Kinder und Jugendliche in unterschiedlicher Weise Risiken ausgesetzt sind. Was wir daher brauchen, ist eine altersgerechte positive Medienerziehung von Beginn an, die Leseförderung und digitale Bildung zusammendenkt und Kinder und Jugendliche befähigt, Medien kritisch und kreativ zu nutzen. Denn eine reflektierte Nutzung von digitalen Medien setzt nachweislich eine hohe Lesekompetenz voraus. Dafür braucht es abgestimmte Konzepte sowie niedrigschwellige Lernorte, die vor Ort wirken und allen kostenfrei offenstehen. Bibliotheken sind hier zentrale Partner: Sie sichern Qualität, bieten Orientierung und schaffen Angebote für Eltern, Kinder, Jugendliche, Kitas und Schulen.“
In Bezug auf die konkreten Handlungsempfehlungen und die daraus folgenden politischen Maßnahmen ergänzt Kathrin Hartmann: „Neben Fragen der rechtlichen Rahmenbedingungen und der effektiven Regulierung der Plattformen müssen wir dringend eine Debatte über Qualität, Zugänglichkeit und Vernetzung medienpädagogischer Angebote führen mit dem erklärten Ziel, die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Bibliotheken müssen hier zwingend von der Politik mitgedacht werden.“
Mehr Informationen über die zahlreichen medienpädagogischen Angebote von Bibliotheken auf: https://netzwerk-bibliothek.de/de.
Pressekontakt
Deutscher Bibliotheksverband e.V. (dbv)
Kristin Bäßler
Leitung Kommunikation / Pressesprecherin
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