Pressemitteilung des dbv-Landesverbandes Berlin vom 13.05.2026
Als Vorstand des Berliner Landesverbands im Deutschen Bibliotheksverband (dbv) weisen wir mit Nachdruck darauf hin, dass die Zukunft der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) nicht länger vertagt werden darf.
Die ZLB ist unverzichtbar für die Berliner Stadtgesellschaft
Mit rund 1,2 Millionen Besuchen pro Jahr ist die ZLB eine der meistgenutzten Kultureinrichtungen der Hauptstadt. Sie ist ein Ort, an dem Menschen aller Generationen und Hintergründe zusammenkommen: Lernende, Familien, Zugewanderte, Seniorinnen,
Schülerinnen, Studierende, Kreative, Arbeitssuchende. Die ZLB ist ein sozialer Ankerpunkt
Sie ist niedrigschwellig, offen, kostenfrei und für viele Berliner*innen ein unverzichtbarer Zugang zu Bildung, Information und digitaler Teilhabe.
Die ZLB - ein zentrales Element des Berliner Bibliothekssystems
Die ZLB ist nicht nur eine Bibliothek unter vielen. Sie ist das Rückgrat des gesamten Berliner Bibliothekssystems und ein zentraler Baustein des Verbunds Öffentlicher Bibliotheken Berlins (VÖBB). Sie stellt Medien, digitale Angebote, Expertise und Infrastruktur bereit, die weit über die eigenen Häuser hinauswirken. Ohne eine starke ZLB wäre der VÖBB nicht das leistungsfähige, vernetzte und moderne Bibliothekssystem, das Berlin heute auszeichnet.
Die ZLB ist damit ein systemrelevanter Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge der Metropole Berlin.
Der Zustand der Gebäude ist unhaltbar
Die beiden Standorte — die Amerika-Gedenkbibliothek in Kreuzberg und die Berliner Stadtbibliothek in Mitte — sind überlastet, baulich marode und für eine Metropole und Hauptstadt wie Berlin längst unzureichend. Havarien gefährden den Bestand der
Landesbibliothek, Sammlungen zu und aus Berlin stehen buchstäblich auf dem Spiel. Die jahrzehntelange Teilung der ZLB in Ost und West ist ein Anachronismus, der spätestens seit dem Mauerfall keinen Sinn mehr ergibt. Der Medienbestand der Stadt gehört an einen zentralen Ort — und vor allem in ein funktionierendes Gebäude.
Die Chance am Alexanderplatz darf Berlin nicht verstreichen lassen
Am Alexanderplatz 9 bietet sich aktuell eine konkrete, realisierbare und nachhaltige Lösung für die seit Jahrzehnten ungelöste Standortfrage. Eine moderne Zentralbibliothek könnte dort zu einem offenen Lern-, Kultur- und Begegnungsort im Herzen der Stadt werden — ein sicherer Raum für Kinder und Jugendliche, ein Ort für digitale Bildung, ein kulturelles Zentrum für alle Berliner*innen. Internationale Beispiele wie Oslo, Birmingham oder Amsterdam zeigen eindrucksvoll, wie eine große öffentliche Bibliothek Stadtentwicklung positiv prägen und verändern kann.
125 Jahre ZLB – und noch immer kein gemeinsames Dach
Die Zentralbibliothek Berlins feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Jubiläum. Seit ihrer Gründung wird über einen geeigneten Standort diskutiert. Von gescheiterten Neubauplänen Anfang des 20. Jahrhunderts über Anläufe am Tempelhofer Feld, am Blücherplatz und an der Friedrichstraße — die Suche nach einem gemeinsamen Dach ist bis heute nicht abgeschlossen. Jetzt steht Berlin vor einer Entscheidung, die diese provisorische Situation endlich beenden könnte.
Wir fordern den Berliner Senat und die Koalition auf, jetzt zu handeln
Als Berliner Landesverband des dbv appellieren wir eindringlich an den Senat:
- Treffen Sie jetzt eine verbindliche Entscheidung für einen zentralen Standort der ZLB am Alexanderplatz.
- Beenden Sie die jahrzehntelange Hängepartie und sichern Sie der ZLB ein modernes, zukunftsfähiges Gebäude.
- Stärken Sie damit das gesamte Berliner Bibliothekssystem und den VÖBB nachhaltig.
Eine Metropole wie Berlin braucht eine starke, zentrale öffentliche Bibliothek, die die Stadt zusammenbringt. Die ZLB ist ein kultureller Schatz — und sie verdient endlich ein Zuhause, das ihrer Bedeutung gerecht wird.
Für den Berliner Landesverband des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv)
Der Vorstand
Regina Kittler
Vorsitzende des Landesverbandes Berlin im DBV e.V.