Stellungnahme des Deutschen Bibliotheksverbandes zu den Handlungsempfehlungen der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ vom 25. Juni 2026
Die vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend eingesetzte unabhängige Kommission hat am 24. Juni 2026 ihre Handlungsempfehlungen zum Kinder- und Jugendmedienschutz in der digitalen Welt vorgelegt. Die Kommission macht in ihren Handlungsempfehlungen deutlich, dass wirksamer Schutz nur durch Information, Beratung, Weiterbildung und Begleitung möglich ist. Die Förderung von Medienkompetenz in allen Lebensphasen muss ein entscheidender Baustein einer Gesamtstrategie für Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt sein. Der Bericht kann hier abgerufen werden.
Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv) begrüßt, dass die Kommission die Rechte und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen für ein sicheres Aufwachsen in der digitalen Welt in den Mittelpunkt ihrer Empfehlungen stellt und die gesamtgesellschaftliche Verantwortung hierfür betont. Die Trias Schutz, Befähigung und Teilhabe ist daher der richtige Ausgangspunkt für eine nationale Gesamtstrategie. Dazu gehört auch, die Plattformbetreiber in die Pflicht zu nehmen und altersspezifische Schutzvorgaben rechtlich zu verankern.
Der dbv unterstreicht, dass es hierfür ergänzend zu den formalen Bildungsinstitutionen außerschulische Bildungspartner wie Bibliotheken bedarf, die mit altersgerechten Angeboten zur Medienbildung vor Ort informelles Lernen in allen Lebensphasen unterstützen. Hier übernehmen Bibliotheken zentrale Aufgaben und unterstützen Kinder und Jugendliche, ihre Familien sowie Erzieher*innen und Lehrer*innen.
Partner von Schulen und Kitas
Mit bundesweit über 8.000 Standorten sind Bibliotheken bereits heute zentrale Akteure der Medienbildung und als Partner von Kitas und Schulen wichtiger Teil der Bildungsinfrastruktur. Auch in der Ganztagsbetreuung ermöglichen Bibliotheken verlässliche medienpädagogische Angebote. Allein 2025 haben die Öffentlichen Bibliotheken mehr als 215.000 Veranstaltungen im Bereich der Lese- und Medienkompetenzförderung angeboten.
Elternbegleitung
Bibliotheken stärken nicht nur Kinder, sondern auch Eltern. Mit ihren Zahlreichen Standorten sind sie bundesweit im Sozialraum verankert und so zentrale Anlaufstellen für Familien in allen Fragen der Medienbildung und Informationsversorgung. Sie bieten niedrigschwellige Beratungen und geben Orientierung, damit Familien die Mediennutzung ihrer Kinder kompetent, sicher und altersgerecht begleiten können.
Teilhabe für Kinder und Jugendliche
Gerade auch für Jugendliche sind Bibliotheken wichtige Anlaufstellen. Hier treffen sie auf ausgebildete Fachkräfte, die sie in allen Fragen der Mediennutzung begleiten und mit Rat und Tat zur Seite stehen: Mit Gaming-Angeboten und anderen medienpädagogischen Formaten fördern Bibliotheken den kritischen Umgang mit digitalen Inhalten, vermitteln Recherchefähigkeiten und stärken die Kompetenz zur Erkennung von Desinformation. Mit Makerspace-Angeboten und Workshops zu Coding, Robotik, KI und der Erstellung von Podcasts und Videos befähigen Bibliotheken Kinder und Jugendliche in der aktiven Gestaltung eigener Medieninhalte und vermitteln wichtige Kenntnisse im Umgang mit Technik und Medien.
Lesekompetenzförderung
Lesekompetenz ist die zentrale Grundlage für eine souveräne Mediennutzung und der Beschaffung gesicherter Informationen. Bibliotheken fördern mit Vorleseaktionen ab dem Kleinkindalter bereits Vorläuferkompetenzen des Lesens und unterstützen den weiteren Leselernprozess mit der Bereitstellung von Lesemedien und vielfältigen Aktionen wie Leseclubs, Book-Slams oder der Veranstaltung von Lesungen.
Der dbv fordert daher im Rahmen einer nationalen Gesamtstrategie die systematische Einbindung und Förderung von Bibliotheken für:
- eine altersgerechte positive Medienerziehung von Beginn an, die Leseförderung und digitale Medienbildung zusammendenkt und Kinder und Jugendliche befähigt, Medien kritisch und kreativ zu nutzen,
- niedrigschwellige Informations- und Beratungsangebote für Eltern, wie Medienerziehung und Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt gelingen können,
- eine systematische Verbindung von Leseförderung und Medienbildung: Dafür braucht es abgestimmte Konzepte sowie niedrigschwellige Lernorte, die vor Ort wirken und allen kostenfrei offenstehen,
- zeitgemäße Schulbibliotheken mit geschultem Fachpersonal, einem vielfältigen Medienbestand und leistungsfähiger Technikausstattung, die zu einer optimalen Lernumgebung beitragen und durch die Zusammenarbeit von Lehrkräften und bibliothekarischem Fachpersonal die Umsetzung von individuellen Lernprogrammen in allen Schulfächern ermöglichen. Gerade Schüler*innen mit erhöhtem Förderbedarf und fehlenden familiären Ressourcen sind auf gut ausgestattete Schulbibliotheken angewiesen.
Neben Fragen der rechtlichen Rahmenbedingungen und der effektiven Regulierung der Plattformen braucht es darüber hinaus dringend eine Debatte über Qualität, Zugänglichkeit und Vernetzung medienpädagogischer Angebote mit dem erklärten Ziel, die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Bibliotheken müssen hier zwingend von der Politik mitgedacht werden.
Um Kinder und Jugendliche effektiv vor den Risiken der Digitalisierung zu schützen, bedarf es systematischer Medienbildung, die alle erreicht.
Kontakt
Dr. Holger Krimmer, Bundesgeschäftsführer
Tel.: +49 (0)30 644 98 99-10
E-Mail: dbv@bibliotheksverband.de