dbv-Newsletter International Ausgabe Nr. 61

2010 / 03

Editorial

Mehr als 100 internationale Bibliothekarinnen und Bibliothekare nahmen am diesjährigen Bibliothekskongress in Leipzig als Referenten, Besucher, Gäste der Verbände oder Aussteller teil. Ein Drittel von ihnen konnte über BI-International gefördert werden, der ständigen Kommission der BID für den internationalen Fachaustausch, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Als Rückblick auf den Kongress mit dem Gastland Spanien empfehlen wir u. a. die persönlichen Eindrücke in der Biblioblogosphäre: http://bibliothekarisch.de/blog/2010/03/25/der-bibliothekskongress-2010-in-der-biblioblogosphaere/
Nicht nur die spanischen Gäste und ihre Präsentationen kamen in Leipzig gut an, auch die Vorführung interessanter und witziger Bibliotheksfilme aus dem In- und Ausland, zusammengestellt von der Bibliotheksportal-Redaktion. Wer sich die Image- und Werbefilme, u.a. aus Kanada, Spanien und den USA, noch einmal anschauen möchte, findet die entsprechenden Links unter: www.bibliotheksportal.de/index.php
Nun aber erst einmal ab in die Osterpause - die Redaktion des dbv-Newsletter-International wünscht erholsame Tage und ertragreiche Ergebnisse bei der internationalen Ostereiersuche!
Sie können den Newsletter gern an Interessierte weiterleiten. Wir freuen uns über Ihre Anregungen oder Kommentare - und das ist kein Aprilscherz: klauser@bibliotheksverband.de

1. WSIS: Wissensgesellschaften

Anfang März fand in Paris ein Expertentreffen statt zum Thema ‚Knowledge Societies: The way forward’, das von der UNESCO einberufen wurde. Ziel der internationalen Zusammenkunft war die Weiterentwicklung der UNESCO-Strategie zum Aufbau von umfassenden Wissensgesellschaften. Diese Initiative hatte mit dem ersten Weltinformationsgipfel 2003 in Genf begonnen und 2005 zum UNESCO-Weltreport ‚Towards Knowledge Societies’ geführt. Seitdem setzt sich die UNESCO aktiv für die Förderung des Aufbaus einer pluralistischen, gleichberechtigten und offenen Wissensgesellschaft ein. Dies spiegelt sich in der Strategie 2008 – 2013 wider. Entsprechend der technologischen und sozialen Entwicklungen wurde das Konzept der Wissensgesellschaft jetzt in Paris aktualisiert und folgende drei Hauptziele festgelegt: 1. die Umsetzung des Konzepts der Wissensgesellschaft, 2. die Entwicklung von Werkzeugen zur Quantifizierung und Qualifizierung des Konzepts der Wissensgesellschaft und 3. die Identifizierung konkreter Maßnahmen, die die UNESCO auf nationaler Ebene vorschlagen kann. Der Bericht dieses Expertentreffens wird demnächst auf der Website der UNESCO veröffentlicht. Die UNESCO hat zudem eine Publikation herausgebracht, die die Weiterführung des Weltgipfels zur Informationsgesellschaft vorstellt. Die Broschüre ist kostenlos online in Englisch und Französisch abrufbar: http://portal.unesco.org/ci/en/ev.php-URL_ID=29626&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html
http://portal.unesco.org

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2. IFLA: Gesundheitsinformationen online von FAIFE

FAIFE, der ‚Ausschuss für den freien Zugang zu Informationen und Meinungsfreiheit’, hat Lernmaterialien für Workshops entwickelt, die Bibliotheken in die Lage versetzen sollen, den freien Zugang von Informationen zum Gesundheitswesen zu vermitteln. Die Materialien wurden von FAIFE in Zusammenarbeit mit der Sektion Gesundheit und Biowissenschaften der IFLA, Partnerships in Health Information (Phi), der ostafrikanischen Sektion der AHILA (The Association for Health Information and Libraries in Africa) und weiteren Partnern entwickelt. Die Inhalte, die als Powerpoint-Folien und im PDF-Format online zur Verfügung stehen, bilden ein Modul verschiedener Workshops im Rahmen des Projekts ‚Building Strong Library Associations’ (BSLA) der IFLA.
http://www.ifla.org/publications/learning-materials-for-workshops-on-public-access-to-health-information-through-librari 

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3. Copyright for Librarians

‚Copyright for Librarians‘ lautet der Titel eines Online Open Curriculums zum Urheberrecht, das vom Harvard’s Berkman Center for Internet & Society und eIFL.net erstellt wurde. Es zielt darauf ab, Bibliothekare über das Urheberrecht im Allgemeinen und die internationalen Rahmenbedingungen zu informieren sowie bestimmte Aspekte herauszustellen, die für Bibliotheken insbesondere in Entwicklungsländern von Bedeutung sind. Es besteht aus neun Modulen auf fünf verschiedenen Niveaus. Die Module können als Selbstlernkurs angewendet bzw. als Materialgrundlage für ein Fernstudium oder für die traditionelle Unterrichtsvermittlung eingesetzt werden.
http://cyber.law.harvard.edu/copyrightforlibrarians/

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4. EU: Testbed für Experimente in digitaler Langzeitarchivierung

Seit Kurzem ist ein Testbed für Bibliotheken öffentlich zugänglich, das Experimente in digitaler Langzeitarchivierung in einer strukturierten Umgebung ermöglicht. In der Web-Applikation 'Planets Testbed' können Bibliotheken in einem leicht verständlichen Workflow in sechs Schritten Experimente u.a. zu Migration und Emulation mit vorhandenen, kommentierten Daten (Testbed Corpus) oder mit ihren eigenen Daten durchführen. Das Planets-Projekt ist ein länderübergreifendes, EU-gefördertes Projekt, an dem zahlreiche europäische Bibliotheken mitwirken: http://www.planets-project.eu
Planets Testbed: http://testbed.planets-project.eu/testbed/

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5. EU: 'Europa fördert Kultur'

Die EU bietet über 40 Förderprogramme an, die auch für die Umsetzung kultureller Vorhaben und Projekte im Bibliotheksbereich nutzbar sind – von der Förderung von Kooperationsprojekten und Veranstaltungen über Auslandsaufenthalte bis hin zu Bildungsmaßnahmen. Einen guten Überblick darüber vermittelt die seit 2004 bestehende Website 'Europa fördert Kultur'. Dieses deutsch-österreichische Portal der Kulturpolitischen Gesellschaft wurde kürzlich neu gestaltet, der Servicebereich ausgebaut, neue Programme aufgenommen und die Seiten mit einem verbesserten Leitsystem ausgestattet. Für alle diejenigen Bibliotheken, die auf der Suche nach alternativen Fördermitteln sind, lohnt sich ein Klick: http://www.europa-foerdert-kultur.info/

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6. EU: Umsetzung von Open Access europaweit

2010 startete ein groß angelegtes europäisches Projekt, OpenAIRE, das die Umsetzung von Open Access europaweit fördern soll. 'Open Access Infrastructure for Research in Europe', OpenAIRE, wird von 38 Projektpartnern – u.a. auch zahlreichen Bibliotheken – aus 27 europäischen Ländern getragen und von der SUB Göttingen wissenschaftlich koordiniert. Um Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre wissenschaftlichen Publikationen in einem institutionellen oder fachlichen Open-Access-Repository im Volltext weltweit frei zugänglich zu machen, soll im Rahmen von OpenAIRE ein europaweiter Informationsdienst (European Open Access Helpdesk System) aufgebaut, ein OpenAIRE-Portal errichtet und eine E-Infrastruktur für Repositoriennetzwerke geschaffen werden. Ein Netzwerk von Nationalen Kontaktstellen in allen EU-Staaten und Norwegen ist geplant. Die nationale Kontaktstelle in Deutschland hat die Bibliothek der Universität Konstanz übernommen (Ansprechpartnerin: Anja Oberländer; anja.oberlaender@uni-konstanz.de). Die Projektpartner werden eng mit der Europäischen Kommission, dem European Research Council und weiteren Akteuren, wie z.B. SPARC Europe, LIBER und EUA, zusammenarbeiten.
Projektwebsite: http://www.openaire.eu    

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7. Japan: Verlage fordern neues Urheberrecht

In Japan haben sich 21 Verlage zusammengeschlossen, um mit gemeinsamer Stimme das Copyright-Gesetz für Bücher mit der japanischen Regierung neu zu verhandeln. Die Verlage fürchten Verluste im Zusammenhang mit dem Vormarsch von E-Books. Der Zusammenschluss der Verlage war eine Reaktion auf ein Gerücht, dass Amazon den Verkauf einer japanischen Version des Kindles, ein Lesegerät für E-Books, vorbereite und auch japanische Literatur und Zeitschriften als E-books vertreiben werde. Das japanische Urheberrecht sieht vor, dass Autoren selbst entscheiden können, wer die elektronische Version ihres Werks vertreiben kann, auch wenn sie bei einem anderen Verlag unter Vertrag stehen. Falls der japanische Kindle sich erfolgreich durchsetzt, würden die Autoren hiermit mehr Geld verdienen als mit ihren Buchveröffentlichungen. Die Verlage fürchten, dass die Autoren dann ihre Verträge kündigen könnten, um ausschließlich digital zu veröffentlichen. http://thenextweb.com/asia/2010/01/18/publishers-afraid-left-kindle-profits-form-group/#more-1092

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8. USA: Sozialarbeiterin für Obdachlose

Die Stadtbibliothek in San Francisco hat als erste Bibliothek in den USA eine Sozialarbeiterin als Vollzeitkraft eingestellt, die sich um Hunderte von Obdachlosen kümmert, die regelmäßig den Tag in der Bibliothek verbringen. Die Bibliothek befindet sich in einem Gebiet, wo es zahlreiche Notunterkünfte und Armenküchen gibt und viele Obdachlose zusammenkommen. In Philadelphia und San Francisco haben die Bibliotheken Obdachlose als Toilettenpersonal eingestellt, die andere Obdachlose auf andere Hilfseinrichtungen verweisen sollen, wenn diese die Bibliothekswaschräume zum Duschen nutzen möchten. In Portland versuchen die Bibliotheken, durch Strafen der Sache Herr zu werden: ein Tag Bibliotheksverbot fürs Rasieren, drei Jahre für eine Schlägerei. Da die Städte die Sozialprogramme zusammenstreichen, suchen diejenigen, die nirgendwo mehr hinkönnen, zunehmend Zuflucht in Öffentlichen Bibliotheken. Mehr denn je haben Bibliotheken mit Menschen zu tun, die psychische Probleme haben oder einfach Essen und ein Obdach benötigen. Andere Bibliotheken lassen ihre Mitarbeiter von Therapeuten im Umgang mit schwierigen Besuchern, die psychisch gestört oder drogenabhängig sind, schulen.
http://www.epochtimes.de/articles/2010/02/24/549943.html

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9. Russland: Förderung deutsch-russischer Projekte im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien

Bis zum 31. Dezember 2010 können beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Finanzmittel für Anbahnungsprojekte im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zwischen deutschen Bibliotheken und weiteren Akteuren sowie Kooperationspartnern aus Russland beantragt werden. Die geförderten Aktivitäten (u.a. Workshops, Expertenaustausch, Machbarkeitsstudien) sollen der Vorbereitung größerer IKT-Wissenschafts- und Forschungsvorhaben und insbesondere der Vorbereitung von umfangreicheren Antragstellungen innerhalb der Förderprogramme der EU oder des BMBF dienen.
Weitere Informationen und Antragsformulare unter: http://www.bmbf.de/foerderungen/14228.php

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10. Grossbritannien: Bibliotheks- und Informationsmanifest veröffentlicht

Pünktlich zu den bevorstehenden Wahlen in Grossbritannien hat der britische Bibliotheksverband CILIP (Chartered Institute of Library and Information Professionals) ein Bibliotheks- und Informationsmanifest vorgelegt. Es trägt den Titel ‚Six priorities for the next government‘ und zielt darauf ab, die neue Regierung darauf zu verpflichten, die Qualität von Bibliotheken und Informationsangeboten zu sichern. Sechs Prioritäten für das Handeln der Regierung werden in dem Manifest festgeschrieben, sie verweisen auf die Hauptthemen der nationalen politischen Betätigungsfelder: 1. die gesetzliche Verankerung von Schulbibliotheken, 2. der Schutz und Berücksichtigung der Rechte der Nutzer in der Diskussion um das Urheberrecht, 3. die Etablierung einer erfolgreichen Wissensgesellschaft, 4. die Bewahrung des digitalen Kulturerbe Großbritanniens, 5. die Finanzierung und Bereitstellung von Gesundheitsinformationen sowie 6. die Entwicklung einer Reihe von Rechtsansprüchen für Bibliotheken für die Nutzer Öffentlicher Bibliotheken. Das Manifest kann online eingesehen werden, auch ein Video über das Manifest ist abrufbar: www.cilip.org.uk/manifesto

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11. Schweden: Fortschrittsberichte LIS

Der schwedische Bibliotheksverband hat eine Expertengruppe für Forschung und Entwicklung benannt. Aufgabe dieser Gruppe ist es, wichtige Forschungsberichte und Studien im Bereich Library and Information Science (LIS) zu identifizieren, laufende Erhebungen zu begleiten, neue Forschungsfelder auszumachen und den Austausch zwischen den Akteuren zu intensivieren. Ende des Jahres wird von der Expertengruppe ein Vorschlag für eine Forschungsstrategie erwartet. Die Gruppe bittet um Unterstützung und fragt nach dem Stand der Forschung im LIS-Bereich in verschiedenen Ländern und ist auch an dem in Deutschland sehr interessiert. Besonders interessante und aktuelle Forschungsvorhaben und Themen sollen in ihre Überlegungen mit auf genommen werden. Rückmeldungen aus Deutschland erbittet Christina Tovoté, Stockholm University Library: christina.toyote@sub.su.se
http://www.sub.su.se

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Impressum

Dieser kostenlos zu abonnierende Newsletter wurde erstellt vom
Kompetenznetzwerk für Bibliotheken (KNB) / Internationale Kooperation im Deutschen Bibliotheksverband e.V. und in der Staatsbibliothek zu Berlin - PK.
Ziele der internationalen Kooperation des Kompetenznetzwerks sind, Innovationen im Bibliothekswesen durch internationalen Wissenstransfer zu fördern und die Interessensvertretung der Bibliotheken im globalen Kontext zu unterstützen.

Deutscher Bibliotheksverband e.V.
Kompetenznetzwerk für Bibliotheken - Internationale Kooperation
Hella Klauser und Birgit Stumm
Strasse des 17. Juni 114
10623 Berlin
klauser@bibliotheksverband.de
Birgit.Stumm@sbb.spk-berlin.de
http://www.bibliotheksportal.de/hauptmenue/wir-ueber-uns/kompetenznetzwerk/

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