Bürgerschaftliches Engagement in Bibliotheken
Ein Handbuch für das Ehrenamts-Management. Stand: Mai 2011

Vorwort der Vorsitzenden

Bürgerschaftliches Engagement gewinnt in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Auch das Selbstverständnis bürgerschaftlich Engagierter hat sich im letzten Jahrzehnt deutlich gewandelt. In Bibliotheken nimmt der Einsatz bürgerschaftlich Engagierter ebenfalls zu.

Die besonderen Eigenschaften von ehrenamtlich Tätigen liegen u.a. darin, dass sie vielfältige Fähigkeiten und den Blick von außen mitbringen. Bürgerschaftlich Engagierte stellen großzügig ein Zeitbudget zur Verfügung. Daher müssen die Anforderungen den jeweiligen persönlichen Qualifikationen und Vorkenntnissen sowie dem eingebrachten Zeitbudget entsprechen. Entscheidend für Erfolg und Akzeptanz der ehrenamtlichen Tätigkeit in Öffentlichen Bibliotheken ist die stetige Aus- und Fortbildung sowie die Nutzung der Dienstleistungen von Fachstellen und zentralen Einrichtungen.

Ein verantwortungsbewusster Einsatz ehrenamtlicher Kräfte bedeutet keine Verdrängung des Hauptamtes. Denn bürgerschaftliches Engagement benötigt die Begleitung und Unterstützung durch Hauptamtliche, um eine angemessene professionelle Bibliotheksarbeit zu ermöglichen. Der Einsatz von ehrenamtlich Tätigen darf nicht zum Verlust von erreichten fachlich effektiven und betriebswirtschaftlich effizienten Standards führen.

Etliche Bibliotheksträger vertreten die Ansicht, der Einsatz von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei für den Träger kostenlos. Das ist ein Irrtum. Voraussetzung für eine effektive und qualifizierte Bibliotheksarbeit ist die stetige Aus- und Fortbildung der bürgerschaftlich engagierten Mitarbeitenden, und die erforderliche Koordination durch einen Ansprechpartner für ehrenamtlich Tätige. Dafür und für die Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen sind finanzielle Mittel im Etat des Büchereiträgers vorzusehen.

Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, lohnt sich ehrenamtliche Tätigkeit für alle Beteiligten. Bürgerschaftliches Engagement ergänzt, unterstützt oder trägt den Bibliotheksalltag. Eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema und die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen sind dazu aber unabdingbare Erfordernisse.

Der Vorstand des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. (dbv) hatte daher im November 2009 beschlossen, eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Deutschen Bibliotheksverbandes und der kirchlichen Bibliotheksverbände einzusetzen (ab der zweiten AG-Sitzung kam auch ein Vertreter des Berufsverbandes Information Bibliothek e.V. hinzu) [1], um das Positionspapier des dbv „Freiwillige – (k)eine Chance für Bibliotheken?“ von 1999 zu überarbeiten. Er reagierte damit auf die Weiterentwicklung einer engagementpolitischen Diskussion. Das gemeinsame Positionspapier „Bibliotheken und Bürgerschaftliches Engagement: Eine Standortbestimmung“ vom März 2011 ist das Ergebnis eines umfassenden Diskussionsprozesses.


[1] Mitglieder der Arbeitsgruppe Ehrenamt:

  1. Prof. Dr. Gabriele Beger, Direktorin der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Vorsitzende der AG und zu dieser Zeit Vorsitzende des dbv  (bis April 2010).
  2. Ralph Deifel, Landesfachstelle für das Bibliothekswesen in Würzburg und zu dieser Zeit Vorsitzender der Sektion 6 im dbv „Über- und regionale Institutionen des Bibliothekswesens und Landkreise ohne bibliothekarische Einrichtungen (Staatliche und kirchliche Fachstellen, Büchereiverbände)“. Seit April 2010 ist er Vorstandsmitglied im dbv.
  3. Claudia Lutz, Leiterin des Verbandes Ev. Büchereien in Kurhessen-Waldeck, Kassel und Mitglied im Vorstand bzw. Vorstandsvorsitzende von eliport e.V.
  4. Leoni Heister, zu dieser Zeit ehrenamtliche Büchereileiterin der KÖB Biebesheim (Bistum Mainz), kirchliche Büchereiassistentin und Mitglied im Beratungsgremium der Fachkonferenz des Borromäusverein, den sie in der AG vertrat; freie Referentin in der Ausbildung und aktiv im Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE).
  5. Harald Pilzer, Leiter der Stadtbibliothek Bielefeld, zu dieser Zeit Mitglied im Vorstand des Verbandes der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen e. V. (vbnw).
  6. Barbara Schleihagen, Geschäftsführerin des dbv und hauptamtliche Begleitung der AG ab Juni 2010.
  7. Dr. Rainer Sprengel, selbständig, Mitglied der Dienstleistungskommission des dbv, war u.a. Gutachter zur Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements für die Kultur für die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des XVI. Deutschen Bundestages.
  8. Brigitta Wühr, Projektkoordinatorin des dbv und hauptamtliche Begleitung der AG bis Juni 2010.
  9. Gerald Schleiwies, Leiter der Bücherei Frechen, wurde ab der zweiten Sitzung vom Berufsverband Information und Bibliothek (BIB) in die AG entsandt.

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