Bürgerschaftliches Engagement in Bibliotheken
Ein Handbuch für das Ehrenamts-Management. Stand: Mai 2011

6. Die Kooperation von hauptamtlich und ehrenamtlich Tätigen

    Ausschlaggebend für den Erfolg eines ehrenamtlichen Einsatzes ist das Verhältnis zu den Hauptamtlichen. Viele Probleme der ehrenamtlichen Tätigkeit haben hier ihre Wurzeln. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich von Beginn an mit der Problematik zu befassen und auf ein vertrauensvolles und kooperatives Verhältnis hinzuarbeiten.

    Es besteht eine Reihe von Vorurteilen und Ängsten, vor allem auf Seiten der Hauptamtlichen. Da sie aufgrund ihres Erfahrungsvorsprungs und ihrer stärkeren Präsenz in der Bibliothek die bestimmende Rolle im Verhältnis zu den ehrenamtlich Tätigen einnehmen, steht die Entkräftung ihrer Vorurteile und Ängste im Vordergrund. Ein gelungener ehrenamtlicher Einsatz ist ohne die Zerstreuung dieser Bedenken nicht realisierbar. Hauptaugenmerk gilt dabei der Angst vor dem Arbeitsplatzverlust. Aber auch Bedenken bezüglich eines Qualitätsverlusts und der Angst vor einem gesteigerten Konkurrenzdruck müssen berücksichtigt werden. Außerdem stellt sich den Hauptamtlichen die Frage, inwieweit sich der Einsatz für sie als eine höhere Arbeitsbelastung darstellt und wie diese von der Bibliotheksleitung berücksichtigt wird. Auf Seiten der ehrenamtlich Tätigen besteht die Befürchtung, von den Hauptamtlichen nicht ernst genommen und respektiert zu werden.

    Diesen Ängsten und Vorurteilen muss gezielt entgegen getreten werden. Dies gelingt, wenn Sie einige Grundsätze beachten:

    • Einbeziehung
      Schon in der Planungsphase sollten die Hauptamtlichen einbezogen werden. Die Entscheidung, welche Arbeitsfelder für den Einsatz in Frage kommen, bietet sich hier an. Die Hauptamtlichen können sich dabei auf ihre Arbeitserfahrung stützen, und durch den Publikumsverkehr sind sie darüber informiert, welche zusätzlichen Angebote den Kundenwünschen entsprechen. Durch die Mitsprache wird die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust oder unbekannter Konkurrenz entschärft.
    • Transparenz
      Die Intention, die hinter dem Einsatz steht, muss offen kommuniziert werden: Warum wollen wir mit ehrenamtlich Tätigen arbeiten, welcher Nutzen wird erwartet, welche Rolle wird den ehrenamtlich Tätigen in der Bibliothek zukommen? Dabei ist es wichtig, dass die Unterschiede zwischen ehrenamtlich und hauptamtlich Tätigen klar benannt werden. Für beide Seiten ist es frustrierend, wenn es in den Aufgabenbereichen keine Unterschiede gibt. Das gegenseitige Konkurrenzempfinden wird dadurch begünstigt. Vermeiden Sie dabei aber Einteilungen in Profis und Laien, sondern heben sie stattdessen die verschiedenen Stärken der beiden Gruppen hervor.
    • Kommunikation
      Der Schlüssel zur Überwindung von Vorurteilen ist die Kommunikation, das gegenseitige Kennen lernen. Deshalb sollte für den Austausch beider Gruppen genügend Zeit und Raum eingeräumt werden. Dies sollte intensiv in der Startphase erfolgen, aber auch regelmäßig in der Folgezeit. Da die ehrenamtlich Tätigen deutlich seltener anwesend sind und meistens nur wenige Stunden in der Woche arbeiten, ist eine Neuorientierung in der Informationspolitik nötig. Der Austausch der arbeitsrelevanten Informationen muss stärker organisiert werden.
    • Qualität
      Sorgen, dass durch den Einsatz der ehrenamtlich Tätigen ein Qualitätsverlust entstehen könne, müssen zerstreut werden. Zum einen bedarf es dafür einer Schulung der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen im Umgang mit den ehrenamtlich Tätigen. Zum anderen müssen die ehrenamtlich Tätigen auf ihren Einsatz vorbereitet werden. Um auftauchende Probleme oder Missverständnisse schnell identifizieren und auf sie reagieren zu können, braucht es eine kontinuierliche Evaluation der Zusammenarbeit. Als Teil der Informationspolitik müssen Probleme in der Zusammenarbeit regelmäßig erfasst werden. Um die fachliche Qualität der Bibliotheksarbeit zu gewährleisten, müssen den ehrenamtlich Tätigen die Grenzen ihrer Einsatzmöglichkeiten verdeutlicht werden.