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E-Books in Bibliotheken

Mit der Digitalisierung und den veränderten Lesegewohnheiten hat sich auch die Welt der Bibliotheken verändert: Bibliotheksnutzer*innen wollen auch elektronische Medien ausleihen können. Daher bieten Bibliotheken seit mehr als zehn Jahren auch E-Books, digitale Zeitungen und Zeitschriften, Hörbücher und Onlinekurse zur Ausleihe an. Da es jedoch eine rechtliche Lücke gibt, können Bibliotheken der Nachfrage nur bedingt nachkommen.

Der dbv fordert deshalb:

  • Die völlige rechtliche Gleichstellung des E-Books mit dem gedruckten Buch. Diese Gleichstellung ist in den letzten Jahren bei der Buchpreisbindung und der ermäßigten Mehrwertsteuer bereits vollzogen worden. Jetzt fehlt noch die Gleichstellung beim Verleih von E-Books mit gedruckten Büchern, um eine eindeutige gesetzlich geregelte Grundlage für faire Lizenzmodelle zu schaffen. Dafür ist eine Aktualisierung des Urheberrechts nötig.
  • Die Ausweitung der Bibliothekstantieme auf elektronische Werke, damit Autor*innen auch für die e-Ausleihe – wie bei gedruckten Büchern – entschädigt werden. Im Gegenzug dazu müssen die gleichen Nutzungsrechte für elektronische, wie für gedruckte Werke eingeräumt werden. 

Wie funktioniert die elektronische Ausleihe in der Praxis?

  • Verlage verhandeln für ihre E-Books mit - für Bibliotheken tätige - Firmen wie divibib GmbH („Onleihe“) oder Overdrive Inc. („Libby“) spezielle Bibliothekslizenzen zu unterschiedlichen Konditionen. Diese Firmen stellen auch die technischen Plattformen und den Support bereit. Bibliotheken schließen mit diesen Firmen Verträge über die von ihnen angebotenen Lizenzen ab. Sie wählen nach rein fachlichen Kriterien, welche Titel zu ihrem Bestand passen und für ihre jeweiligen Zielgruppen sinnvoll erscheinen.
  • Die Bibliotheksnutzer*innen können über eine App die von der Bibliothek lizensierten E-Books zeitlich befristet herunterladen und auf einem gängigen Endgerät lesen.
  • Das Verfahren ist wie beim gedruckten Buch: es gibt nur eine Ausleihe pro Person, feste Leihfristen und die e-Books die gerade verliehen sind, können erst dann vom nächsten genutzt werden, wenn sie „zurückgegeben“ wurden. Bibliotheken bieten also keine kommerzielle „Flatrate“, bei der man für eine bestimmte Summe unbegrenzt auf e-Books zugreifen könnte.

Wo ist das Problem für Bibliotheksnutzer*innen?

  • Das derzeitige Verfahren für den Verleih von E-Books ist folgendes: Für den Verleih von E-Books werden immer Lizenzen verhandelt. Eine gängige Lizenzbedingung  ist das sogenannte „Windowing“: neue E-Books werden den Firmen für die Bibliotheken erst nach einer Wartezeit von im allgemeinen einem Jahr angeboten.
  • Im Gegensatz zu gedruckten Büchern, sind E-Books für Bibliotheken aufgrund des ausgehandelten Lizenzen häufiger teurer als für Privatkäufer. Da die Medienetats der Öffentlichen Bibliotheken aber nicht steigern, können Bibliotheken viele Titel nicht zum Verleih anschaffen.

Wo ist das Problem für die Autor*innen und Verlage?

Im Gegensatz zu gedruckten Büchern werden von Bund und Ländern für die Ausleihe von E-Books keine Bibliothekstantieme gezahlt. Sie erhalten derzeit keine Entschädigung. Diese Entscheidung muss auf politischer Ebene getroffen werden, denn die gezahlte Summe der Bibliothekstantieme müsste entsprechend aufgestockt werden. Diese wird von Bund und Ländern gemeinsam entrichtet.


Mehr zum Hintergrund in den Stellungnahmen des dbv:

14.09.2020
Stellungnahme des dbv zu einer gesetzlichen Grundlage für elektronische Ausleihe in Öffentlichen Bibliotheken

02.12.2019
Stellungnahme des Deutschen Bibliotheksverbandes zur GfK-Studie zur „Onleihe“

15.03.2019
Bibliotheksverband fordert: Bibliothekstantieme auch für Ausleihe von E-Books

23.02.2017
Stellungnahme des Deutscher Bibliotheksverbands zum Verleih von E-Books durch Bibliotheken

19.10.2012
Stellungnahme des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V.: Gleichstellung von gedruckten Büchern und E-Books