dbv-Newsletter International Ausgabe Nr. 71

2011/ 03

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Editorial

Die schlimme Situation in Japan beschäftigt uns in dieser Ausgabe des dbv-Newsletter International ebenso wie die drohenden Bibliotheksschließungen in Grossbritannien. Wir freuen uns aber auch mit den Österreichischen Kollegen über die Möglichkeit, einen Masterplan für die Öffentlichen Bibliotheken zu erstellen. Wir staunen über die professionelle Lobbyarbeit der amerikanischen Bibliothekare und versäumen es nicht, dem Kurznachrichtendienst Twitter zum fünften Geburtstag zu gratulieren. Auf europäischer Ebene betrachten wir u.a. die Ostseeregion und stellen neue Projekte der Europeana vor. Ein Schmunzeln oder schallender Lacher ist jedem Leser garantiert, der den kurzen Videospot der finnischen Kollegen ansieht – unbedingt den Ton dazu einschalten!   
Sie können den Newsletter gern an Interessierte weiterleiten. Wir freuen uns über Ihre Anregungen oder Kommentare: klauser@bibliotheksverband.de

1. Japan: Auswirkungen der Katastophen

Auch wenn sich die Nachrichtenticker mit weiteren Hiobsbotschaften aus dem von Erdbeben, Tsunami und nuklearer Verseuchung gebeutelten Gebiet in Japan etwas beruhigen wollten, so ist von Entwarnung oder Entspannung weiterhin nicht die Rede. Auch die Kollegin R. Takahashi, die gleich zwei Tage nach der Katastrophe vom 11. März über Schäden in den Bibliotheken der Region wie heruntergefallene Bücher, zerstörte Fensterscheiben oder Mobiliar und unterbrochene Internetzugänge von Bibliotheken geschrieben hatte,  musste ihre Angaben zum Schlimmeren korrigieren. Dennoch haben einige Bibliotheken sofort damit begonnen, mit einer Zusammenstellung von Online-Informationen über das Erdbeben und seine Folgen zu helfen. Sie  haben ein „Collaborative Reference Database Project" ins Leben gerufen. Einige Verlage hoben Zugangsbeschränkungen zu lebensnotwendigen Informationen auf und haben sie als open access angeboten.
https://sites.google.com/site/201103eqinfojp/libraries-and-librarian---earthquake-201103-japan
http://www45.atwiki.jp/savelibrary/  (auf Japanisch)
http://www.cochrane.org/features/evidence-aid-resources-japanese-earthquake-and-tsunami

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2. GB: Kampf gegen Bibliotheksschließungen

Gegen die geplanten Bibliotheksschließungen zur Konsolidierung des britischen Staatshaushalts gab es in den letzten Wochen Protest von verschiedenen Seiten. In Somerset und Gloucestershire wurde ein Rechtsverfahren eingeleitet. Rechtsanwälte, die sich für das Gemeinwohl einsetzen (Public Interest Lawyers PIL), kündigten an, im Auftrag von Bibliotheksnutzern zu prüfen, ob die geplanten Schließungen im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen über Angebotspflichten der Kommunen stehen. Die Kanzleien argumentieren, dass die Gemeinderäte die Öffentlichkeit nicht ausreichend in die Pläne einbezogen hätten und die Bedürfnisse der Bevölkerung nicht berücksichtigt würden. Der Verband der Buchhändler unterstützt die Kampagne gegen Bibliotheksschließungen und hat sowohl ein Poster als auch einen online-Werkzeugkasten erarbeitet, um die Zusammenarbeit der Betroffenen gegenüber der Regierung zu erleichtern. Die Vorsitzende des Verbandes CILIP, Annie Mauger, zählte die Aktivitäten, Gespräche und Aktionen des Verbandes auf, die gegen die Schließungspläne von Bibliotheken unternommen wurden, nachdem verschiedene Akteure dem Verband eine zu abwartende Haltung vorgeworfen hatten. Mauger forderte in einem offenen Brief Kultusminister Ed Vaizey auf, öffentlich Stellung für den Erhalt der Bibliotheksangebote zu beziehen. Als neue Herausforderung ist nun eine Umfrage des Department of Communities and Local Government (DCLG) zu sehen, in der nach der Notwendigkeit von 1294 gesetzlich festgeschriebenen Aufgaben der Kommunen gefragt wird. Drei von diesen Aufgaben betreffen Öffentliche Bibliotheksaufgaben, die in einem  1964 verabschiedeten Gesetz verankert wurden. CILIP Präsident Brian Hall forderte alle Bibliotheksmitarbeiter und Nutzer auf, bis zum 25.April an der Umfrage teilzunehmen. http://www.bbc.co.uk/news/uk-england-wiltshire-12546601 http://www.cilip.org.uk/news-media/pages/news110314.aspx

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3. Österreich: Masterplan für Öffentliche Bibliotheken

In der Plenarsitzung des österreichischen Nationalrats am 31.März stimmten alle Parteien für einen Entschließungsantrag, der einen Masterplan zum Öffentlichen Bibliothekswesen vorsieht. Der Masterplan soll die Strukturen der Öffentlichen Bibliotheken analysieren, ihre Aufgaben definieren sowie Strategien und Empfehlungen für die Bibliotheksentwicklung formulieren. Er soll die Grundlage liefern für die flächendeckende  bundesweite Entwicklung der Öffentlichen Bibliotheken in Österreich unter Einbeziehung digitaler Bibliotheksangebote (E-books etc.)  Zahlreiche Nationalratsabgeordnete verwiesen während der Sitzung auf die große gesellschaftliche Bedeutung der Öffentlichen Bibliotheken. Die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur Schmied nahm den Entschließungsantrag gern an. Im Frühjahr 2012 wird der Nationalrat mit einem Zwischenbericht über die Entwicklungen am Masterplan informiert. http://www.bvoe.at/

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4. Finnland: Fernsehspot zur Leseförderung

Anlässlich seines 100. Geburtstags 2010 erstellte der Finnische Bibliotheksverband einen Fernseh-Spot zur frühkindlichen Leseförderung. Der kleine Film wurde mit der Silbermedaille seiner Kategorie im internationalen Epica –Wettbewerb ausgezeichnet – zu Recht, wie wir finden!
http://www.kirjastokaista.fi/video/9135/

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5. USA: Nationaler Bibliotheksgesetzgebungstag

Die Vorbereitungen zum nationalen Library Legislative Day (NLLD) 2011 haben begonnen. Am 9. und 10. Mai werden sich wie in jedem Jahr tausende Bibliothekare in Washington D.C. treffen. Sie betreiben gemeinsam Lobbyarbeit für Bibliotheken. Neue und bekannte Abgeordnete im Repräsentantenhaus und im Senat werden über aktuelle Entwicklungen in Bibliotheken informiert. Gleichzeitig nutzen die Bibliotheksvertreter diese Möglichkeit, Probleme darzulegen und Forderungen zu stellen. Der amerikanische Bibliotheksverband ALA organisiert den NLLD. Auf der Website sind Fotoeindrücke des NLLD von 2009 zu sehen. Das Plakat ‚Vote for Libraries‘ steht als Download (PDF) zur Verfügung. http://www.ala.org/ala/issuesadvocacy/advocacy/nlld/index.cfm

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6. F-D: Auf geht’s!

Die Robert Bosch Stiftung ruft zur Beteiligung an dem deutsch-französischen Ideenwettbewerb ‚on y va – auf geht’s‘ auf. Personen, die Lust und Interesse am ehrenamtlichen Engagement haben und mit Partnern des jeweils anderen Landes ein Projekt betreuen wollen, können bis zum 16. Mai 2011 bei der Stiftung für eine Förderung bis zu 5000 EUR eine Bewerbung für eine zündende Idee einreichen. Ideen gibt es in Bibliotheken und bei Bibliotheksnutzern jede Menge – also: auf geht’s! 
http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/10884.asp

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7. EU: Stärkung der Ostseeregion

Regionale Kooperation stärkt die Ostseeanrainer bei Herausforderungen wie Wettbewerbsfähigkeit in der Wissensgesellschaft oder dem demografischen Wandel. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). 29 Prozent der Bevölkerung der EU, 29 Prozent des BIP der EU und 30 Prozent der Binnenexporte in die EU kommen aus den Anrainerstaaten der Ostsee. Kurze Wege über das Wasser und die traditionellen Wirtschaftsverflechtungen der alten Hanse sorgen rings um das Binnenmeer in allen Bereichen für einen intensiven, grenzüberschreitenden Austausch. Aus der Weltwirtschaftskrise der vergangenen Jahre ging die Region gestärkt hervor. Ein besonderes Merkmal ist ihre soziale und politische Stabilität, flankiert von einem hohen Bildungsniveau, Unternehmertum, einer weltoffenen Kultur und einer ausgeprägten regionalen Identität. In einem ‚Ostsee-Netzwerk‘ des Netzwerks Europäische Bewegung Deutschland wirken Verbände, Unternehmen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen bei der Gestaltung dieses Raumes zusammen. Bereits 2009 identifizierte die EU die Ostsee als erste europäische Makroregion. Hinter Makroregion verbirgt sich ein politisches Konzept zur Stärkung der territorialen Integrität zur Stärkung der gesamten EU. In diesem Jahr soll die Donauregion als weitere Makroregion folgen.
Studie Ostseeraum: http://www.hwwi.org/publikationen/policy/publikationen-einzelansicht/zukunft-ostseeraum-potenziale-und-herausforderungen/6443.html 
Bild- und Statistikmaterial: http://www.europaeische-bewegung.de/aktivitaeten-projekte/ostsee-netzwerk/graphiken

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8. EU: Europeana: Projekte zum Ersten Weltkrieg

Anlässlich des einhundertsten Jahrestags des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs 2014 startete das Projekt ‚Erster Weltkrieg in Alltagsdokumenten‘. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die privaten Erinnerungen an die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts zu sichern und über die Europäische Digitale Bibliothek Europeana online zu stellen. Briefe, Postkarten, Fotos, Erinnerungsstücke und die mündlich überlieferten Geschichten aus der Zeit des Ersten Weltkrieges sollen digitalisiert und für jedermann zugänglich gemacht werden. Mit der Methode des "crowdsourcing" soll eine breite Beteiligung der Bevölkerung angeregt werden: Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit, private Erinnerungsstücke während eines Aktionstages in einer Partnerbibliothek vorbeizubringen. Dort werden sie begutachtet, digitalisiert und über Europeana einer breiten Öffentlichkeit und der Forschung zugänglich gemacht. Bis Mitte April 2011 finden die Aktionstage in den vier Städten Frankfurt am Main, Berlin, München und Stuttgart statt. Unabhängig von den Aktionstagen können sich Interessierte auf der Internetseite von Europeana registrieren und das online-Archiv selbständig mit digitalen Bildern und Informationen füllen. Nach dem Start in Deutschland wird die Aktion in weiteren europäischen Ländern fortgesetzt. Darüber hinaus beginnt am 1. Mai 2011 unter Federführung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz das Digitalisierungsprojekt „Europeana 1914 – 1918“, an dem Nationalbibliotheken aus acht Mitgliedsländern der EU beteiligt sind. Bis 2014 können 400 000 Dokumente aus deren Beständen über Europeana recherchiert werden.
http://version1.europeana.eu/c/document_library/get_file?uuid=60cb85d0-10db-475e-8efd-66fe60f25ceb&groupId=10128
http://staatsbibliothek-berlin.de/ueber-uns/projekte/europeana-1914-1918.html

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9. EU: Europäische Museen veröffentlichen Weißbuch

Die Beziehungen zwischen Museen und Kommunen wurden europaweit von der  European Policy Analysis Group (ENCATC) analysiert. Daraus wurde ein  Weißbuch mit dem Titel "Relationship between Museums and Municipalities in Europe" veröffentlicht. In dem Dokument wird die Bedeutung von Synergien von Museen und Kommunen betont und die Frage gestellt, wie Partnerschaften stärker genutzt werden können. Vorausgegangen war eine europaweite Umfrage. An dieser nahmen 200 Museen und 50 Kommunen teil. Das Projekt wurde von der EU im Rahmen des Kulturprogramms gefördert. 
http://www.ne-mo.org/index.php?id=85

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10. EU: Verwaiste Werke

Die Digitalisierung des europäischen Kulturgutes ist ein zentrales Anliegen der Europäischen Kommission. Jedoch droht für Werke des 20. Jahrhunderts, so Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und verantwortlich für die Digitale Agenda, ein „schwarzes Loch“. Auf der Abschlussveranstaltung für das Projekt ARROW, das eine zentrale Datei für verwaiste Werke aufbaute, unterstrich sie, dass unbekannte Rechteinhaber bei so genannten verwaisten Werken ein Problem eigener Art seien. Die Recherche ist schwierig, zeitintensiv und oft erfolglos. Doch um die Attraktivität des Angebotes der digitalen Bibliotheken wie Europeana zu erhöhen, drängt eine Lösung. Eine Verlängerung des Projekts ARROW als ARROW plus ist beschlossen und wird mit 17 EU Ländern betrieben, um die Rechteklärung für visuelle Materialien zu untersuchen. Die Vision, die Neelie Kroes vortrug, sieht vor, dass ARROW das offizielle Portal für die wichtigsten Informationen zur Klärung der Rechte in Europa werden wird - egal, ob ein Werk verwaist, vergriffen oder nicht mehr aufgelegt wird. Zudem erarbeitet die Kommission einen Vorschlag für eine EU-Richtlinie, die es ermöglicht, Werke unbekannter Rechteinhaber für Projekte wie Europeana zu digitalisierten, ohne als digitalisierende Institution Konsequenzen fürchten zu müssen.
http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=SPEECH/11/163&format=HTML&aged=0&language=EN&guiLanguage=en

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11. EU: Reform des Europäischen Patentrechts geplant

Trotz eines europäischen Patentamtes in München ist es bisher erforderlich, ein europäisches Patent von allen nationalen Patentämtern in der EU – und somit in allen jeweiligen Landessprachen – anerkennen zu lassen. Hohe Kosten für Übersetzungen und Organisation sind die Folge. Dieses soll sich nun ändern: Das neue geplante europäische Patentrecht sieht vor, Patente nur noch in den drei Sprachen Englisch, Französisch und Deutsch vorzuhalten. Eine endgültige Entscheidung ist noch vom Rat mit qualifizierter Mehrheit und dem Europäischen Parlament abzuwarten.
http://ec.europa.eu/internal_market/indprop/patent/index_de.htm

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12. EU: Besserer Zugang zum Netz für Behinderte

Ein Forscherteam aus Ungarn analysierte Angebote im Internet mit Blick auf die Bedürfnisse von Behinderten. Bereits 2001 ermittelte Eurostat eine Quote von 10 bis 14 Prozent der EU-Bevölkerung, die an einer Behinderung leidet. Um Bürgerinnen und Bürger mit Behinderungen den Zugang zu Nachrichten, gesellschaftlicher Partizipation und Information zu erleichtern, sind neue Technologien und Medien ein wichtiges Instrument. Damit ist die Bedeutung der Barrierefreiheit wie die Anordnung der Inhalte auf dem Monitor, der Einsatz geeigneter Datenstrukturen und die Anwendung von Metadaten gestiegen. Diese Elemente sind eine wesentliche Bedingung für einen universelleren Zugang zu den Inhalten. 
http://cordis.europa.eu/search/index.cfm?fuseaction=news.document&N_LANG=EN&N_RCN=33196&pid=2

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13. Twitter feiert 5. Geburtstag

Wahrscheinlich ahnte der Mitbegründer von Twitter, Jack Dorsey, nicht, dass Millionen Nutzer bald in den 140 vorgegebenen Zeichen ihre Meldungen senden würden, als er am 21. März 2006 als erste Meldung ‚inviting coworkers‘ eingab. Mittlerweile werden rund 140 Millionen Meldungen täglich weltweit verschickt. Höhepunkte der fünf Twitter-Jahre waren die Meldung des frisch gewählten US Präsidenten Obama im Jahre 2008, als er seinen Wahlsieg ‚herauszwitscherte: „We just made history“ und die Bedeutung von Twitter durch die zeitnahe direkte Information aus den verschiedenen Ländern während der aktuellen Aufstände und Revolutionen. „Das wichtigste von Twitter ist, dass es von Menschen gemacht wird“, betont Biz Stone, Mitbegründer von Twitter. „Wir wollten beweisen, dass wir ein weltweit nützliches, bedeutendes und aussagekräftiges Informations- und Kommunikationsnetzwerk sein können.“
Der internationale Bibliotheksverband IFLA bittet um die Mitwirkung bei einer Online-Umfrage, in der nach der Nutzung von sozialen Medien gefragt wird.
http://www.bbc.co.uk/news/technology-12805216
http://www.surveymonkey.com/IFLAsocialmedia

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Impressum

Dieser Newsletter ist ein kostenloser Service des Kompetenznetzwerks für Bibliotheken (KNB) / Internationale Kooperation im Deutschen Bibliotheksverband e.V. und in der Staatsbibliothek zu Berlin - PK.
Ziele der internationalen Kooperation des Kompetenznetzwerks sind, Innovationen im Bibliothekswesen durch internationalen Wissenstransfer zu fördern und die Interessensvertretung der Bibliotheken im globalen Kontext zu unterstützen.

Deutscher Bibliotheksverband e.V.
Kompetenznetzwerk für Bibliotheken - Internationale Kooperation
Hella Klauser und Gerhard Müller
Strasse des 17. Juni 114
10623 Berlin
klauser@bibliotheksverband.de
http://knb.bibliotheksverband.de/

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