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Mittwoch 26.10.11

Treffpunkt Bibliothek 2011 – Zur Lage der Bibliotheken in Thüringen

Pressemitteilung des LV Thüringen

Bereits zum vierten Mal starten Bibliotheken in ganz Deutschland in Kooperation mit dem Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv) eine einwöchige bundesweite Aktionswoche unter dem Motto "Treffpunkt Bibliothek - Information hat viele Gesichter".

In der Woche vom 24. - 31. Oktober 2011 präsentieren sich die Bibliotheken gemeinsam in der Öffentlichkeit als Partner für Medien- und Informationskompetenz sowie für Bildung und Weiterbildung: mit Lesungen, Ausstellungen, Workshops, Events, Bibliotheksnächten und vielen weiteren Aktionen und Vorstellungen von Serviceangeboten.

"Treffpunkt Bibliothek" wird in Thüringen vom Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Bildung und Kultur und von der Sparkassen – Kulturstiftung Hessen Thüringen großzügig unterstützt.

Bildungsauftrag
Im Thüringer Bibliotheksgesetz wird in Artikel 1, § 3 dazu festgestellt: „Bibliotheken sind Bildungseinrichtungen und als solche Partner für lebenslanges Lernen. Sie sind Orte der Wissenschaft, der Begegnung und der Kommunikation. Sie fördern Wissen und gesellschaftliche Integration und stärken die Lese-, Informations- und Medienkompetenz ihrer Nutzer durch geeignete Maßnahmen sowie durch die Zusammenarbeit mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen.“ Innovative Projekte und Maßnahmen zur Qualitätssicherung werden dazu in den Öffentlichen Bibliotheken im Rahmen der Bibliotheksentwicklungsplanung erarbeitet (Thüringer Bibliotheksgesetz, Artikel 1, § 5). In Thüringer Öffentlichen Bibliotheken wurden seit dem Jahr 2009 dazu sowohl individuelle Bibliotheksentwicklungskonzepte als auch in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Bildung und Kultur, dem Landesverband Thüringen im DBV und der Landesfachstelle für Öffentliche Bibliotheken ein Bibliotheksenwicklungsplan erarbeitet, der im Entwurf vorliegt , mit den kommunalen Spitzenverbänden abgestimmt wurde und in zentralen Punkten in das Kulturkonzept des Freistaats Thüringen einfließen wird.

Der Kommunikations- und Lernort Bibliothek – Chancen und Gefährdungen
Ihrem Selbstverständnis, ihrem Aufgabenspektrum und ihrem Auftrag nach sind Bibliotheken, in unter-schiedlich starker Ausprägung und Ausrichtung, Bildungseinrichtungen, Orte des selbständigen Ler-nens und Arbeitens und als solche von großer gesellschaftlicher Bedeutung für Bildung, Forschung, Kultur und Freizeit. Sie sind die am stärksten genutzten Kultur- und Bildungseinrichtungen im Freistaat Thüringen und nehmen eine einzigartige und unverzichtbare Brückenfunktion wahr. Steigende Nut-zungs- und Besucherzahlen belegen das nachdrücklich.

Treffpunkt Bibliothek in Thüringen – Veranstaltungen, Events, Ausstellungen und mehr
Die Aktionswoche wird in Thüringen von mehr als 200 Bibliotheken aller Sparten getragen. Mit einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm demonstrieren Bibliotheken einmal konzentriert in diesem Zeit-raum ihr Leistungsspektrum und ihren Service bei der Vermittlung von Wissen und Information, von Angeboten zur Leseförderung, zum Erwerb von Medien- und Informationskompetenz. Derzeit sind ca. 170 Veranstaltungen im zentralen Veranstaltungskalender gelistet.

 

Bibliotheken im Wandel – Bibliotheken unter Druck
Bibliotheken sind weltweit Teil eines gravierenden Wandels. Sie sind Teil der sich immer schneller verändernden Informationsgesellschaft und des technologischen Wandels. „Die neuen Medien sind mittlerweile fester Bestandteil unseres Alltags – und dass die fortschreitende Digitalisierung unser Leben rasant verändert, zeigt sich auch in den Bibliotheken. Wo noch vor wenigen Jahr das Buch das vorherrschende Medium war, finden sich heute CDs, DVDs, Internet-Zugänge und Online-Kataloge. Die Arbeitsplätze der Bibliothekare verändern sich rapide, die Besucher entdecken vielerorts neue Welten.“ (Bericht zur Lage der Bibliotheken 2011. Hrsg. DBV Bundesvorstand, S. 2)

Aus diesem Zusammenhang ergibt sich für die Thüringer Bibliotheken die Frage, in welchem Umfang sie bereits diesen Wandel durch digitale virtuelle Bestände und Serviceleistungen mitgestalten und diese ihren Nutzern anbieten können.

In den öffentlichen Bibliotheken ist die Bilanz ernüchternd. Bislang nur 14 Bibliotheken verfügen gegenwärtig über einen Onlinekatalog, eine wichtige Voraussetzung dafür, Onlinedienstleistungen für die Nutzer der Bibliotheken überhaupt anbieten zu können. Noch weniger Bibliotheken verfügen über eigene Websites mit aktuellen Angeboten und einem Informationsmehrwert für ihre Nutzer. Moderne IT-Lösungen fehlen vielerorts. Das Angebot und die Einbindung virtueller Medien zum Download ist bisher nur in11 Thüringer Öffentlichen Bibliotheken im Rahmen des Verbundes Thuebibnet möglich. Dieser Online-Verbund ist ein Modell, nach dem Öffentliche Bibliotheken zukünftig vernetzt arbeiten könnten. In den Thesen zum Entwurf eines Kulturkonzepts des Freistaates Thüringen fordert der DBV-Landesverband:
„Öffentliche Bibliotheken sind als Informationsdienstleister untereinander räumlich wie virtuell vernetzt und verfügen über ein effektiv arbeitendes flächendeckendes System von ortsfesten oder mobilen Einrichtungen. Dazu bilden sie im ländlichen Raum und in Zusammenarbeit mit den Mittelpunktbibliotheken Verbünde zur Versorgung der Einwohner mit Informationen, Wissen und bibliothekarischen Dienstleistungen. Durch die Bereitstellung von Zugängen zu weltweiten Datennetzen und deren Vermittlung schaffen sie die Grundlage für Medienkompetenz und Teilhabe. Unverzichtbare Voraussetzung hierfür ist eine zeitgemäße und ausgebaute technische Infrastruktur.“

Die Wissenschaftlichen Bibliotheken Thüringens sind mit der immer umfangreicheren Einbindung virtueller Quellen, der immer stärkeren digitalen Vernetzung der Einrichtungen, der Digitalisierung ihrer Bestände und dem Ausbau entsprechender Dienstleistungen auf einem guten Weg. In den zitierten Thesen des DBV-Landesverbandes wird dazu jedoch festgestellt:
„Neben der Bereitstellung der Literatur und anderer Informationsmedien sind im Hochschulgesetz die Bereitstel-lung einer Infrastruktur für das elektronische Publizieren sowie der Aufbau digitaler Bibliotheken ausdrücklich als Aufgabe der Hochschulbibliotheken benannt und unter anderem nach einer zentralen Finanzierung konsortionaler elektronischer Produkte wie auch der Sicherung der technischen Infrastruktur der Digitalisierung gefragt.“

Die Finanzsituation Thüringer Bibliotheken
In der Auswertung der Erhebung des DBV zur finanziellen Lage der Bibliotheken wird dazu generell festgestellt, dass Mittelkürzung in der Hälfte aller Bibliotheken steigenden Anforderungen gegenüber stehen.

Für Thüringen bedeutet das für die Öffentlichen Bibliotheken: In 32 % der Bibliotheken greifen Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung bereits bzw. waren zum Zeitpunkt der Befragung im Frühsommer geplant. Das spiegelt sich vor allem wider in globalen Haushaltssperren in 21 %, im Sinken des Gesamtbudgets in 31,6 %, in der Reduzierung der Personalstellen und des Budgets in 32 % und besonders dramatisch in der Re-duzierung des Medienetats um mehr als 10 % in 31,6 %, Angebotsreduzierungen in 24 % und Reduzierung der Öffnungszeiten in 17 % der befragten Bibliotheken.

Den Herausforderungen der Informationsgesellschaft und des demographischen Wandels werden die Öffentlichen Bibliotheken als Orte der Bildung, der Information und Kommunikation in Thüringen unter diesen Voraussetzungen nicht gerecht werden können. Gut ausgestattete Bibliotheken können heute auf steigende Nutzer- und Besucherzahlen verweisen. Problematisch ist für diese Sparte des Thüringer Bibliothekswesens aber vor allem die Kleinteiligkeit der Kommunen und der fortschreitende Bevölkerungsrückgang. Mehr als 500.000 Thüringer haben derzeit keinen unmittelbaren Zugang zu einer Öffentlichen Bibliothek. In 13 Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohner gibt es keine hauptamtlich geleitete Öffentliche Bibliothek. Im Entwurf eines Bibliotheksentwicklungsplans für die Öffentlichen Bibliotheken Thüringens schlägt der DBV-Landesverband Thüringen daher die Gründung von Zweckverbünden für die Versorgung der Einwohner im ländlichen Raum vor. Erfolgreiche Beispiele dafür könnten die Fusion der Stadtbibliothek Apolda mit der Fahr-bibliothek des Landkreises Weimarer Land und die bis um das Jahr 2000 existierenden 7 Fahrbibliotheken in verschiedenen Landkreisen und der Stadt Erfurt sein. Diese Form der Öffentlichen Bibliothek gibt es heute nur noch im Landkreis Weimarer Land und in der Stadt Erfurt.

Die finanzielle Situation der Thüringer wissenschaftlichen Bibliotheken ist sehr differenziert zu sehen. Nach Einführung des Globalhaushaltes für die Hochschulen des Freistaates 2003 entscheidet jede Hochschule, wie viele Mittel sie für die eigene Bibliothek zur Verfügung stellt. So schwankt die Mittelausstattung von Jahr zu Jahr und von Hochschule zu Hochschule. Damit ist keine Planungssicherheit gegeben. Darüber hinaus ist festzustellen, dass die Haushaltsmittel für die Hochschulbibliotheken generell geringer wer-den, die Kosten für gedruckte oder elektronische Literatur und Informationen aber stetig steigen.

Damit Bibliotheken auch in Zukunft vielfältigen Angebote zum lebenslangen Lernen machen können, verlässliche Bildungspartner und wichtige Bestandteile der Bildungsinfrastruktur von Städten und Gemeinden sein können, fordert der Landesverband Thüringen im Deutschen Bibliotheksverband Politiker und Träger der Bibliotheken zu einer kontinuierlichen, verlässlichen Förderung und der Unterstützung von Kooperationen und Vernetzungen mit anderen Bildungseinrichtungen auf, um die Bibliotheksangebote auf allen Ebenen zu stärken. Von einem erfolgreichen Wandel der Bibliotheken, gerade im digitalen Zeitalter, hängt nicht weniger als die Zukunftsfähigkeit der Institution selbst als auch die Lebensqualität, Chancengerechtigkeit für die hier lebenden Menschen und auch die Wettbewerbsfähigkeit wissenschaftlicher Institutionen und Gemeinwesen ab.

Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv)
Im Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv) sind ca. 2.000 Bibliotheken aller Sparten und Grössenklassen Deutschlands zusammengeschlossen. Der gemeinnützige Verein dient seit mehr als 60 Jahren der Förderung des Bibliothekswesens und der Kooperation aller Bibliotheken. Sein Anliegen ist es, die Wirkung der Bibliotheken in Kultur und Bildung sichtbar zu machen und ihre Rolle in der Gesellschaft zu stärken. Zu den Aufgaben des dbv gehört auch die Förderung des Buches und des Lesens als unentbehrliche Grundlage für Wissenschaft und Information, sowie die Förderung des Einsatzes zeitgemäßer Informationstechnologien.

Kontakt: Deutscher Bibliotheksverband e.V.
Barbara Schleihagen, Geschäftsführerin
Tel.: 0 30/644 98 99 12
E-Mail:
dbv@bibliotheksverband.de

http://www.bibliotheksverband.de

http://www.bibliotheksportal.de

Kontakt: Landesverband Thüringen im Deutschen Bibliotheksverband e.V.
Dr. Annette Kasper, Vorsitzende
Tel.: 03641/498150
E-Mail: annette.kasper@jena.de

http://www.bibliotheksverband.de/