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Freitag 09.12.16

Hessens Bibliotheken im ländlichen Raum: Vernetzung kann Qualität und Zukunft der Bibliotheksarbeit absichern

Pressemitteilung

Frankfurt am Main. In Hüttenberg im Lahn-Dill-Kreis feierte man am 26. November 2016 eine besondere Eröffnung: Die neue Schul- und Gemeinde-Mediothek in der Gesamtschule Schwingbach wurde eingeweiht. Sie ist Teil des Informations- und Mediennetzwerks für Schulen im Lahn-Dill-Kreis, kurz IMeNS - und damit ein Beispiel für die sinnvolle Vernetzung von Bibliotheken im ländlichen Raum. Denn gerade dort stehen öffentliche Bibliotheken oft unter besonders hohem Druck. Die Budgets sind begrenzt, kundiges Fachpersonal knapp - die zu stemmenden Aufgaben jedoch groß.

Denn in unserer Wissensgesellschaft spielen Bibliotheken eine immer wichtigere Rolle. Hier werden Qualifikationen wie Lese-, Medien- und Informationskompetenz vermittelt. Diese Fertigkeiten sind grundlegend für die Persönlichkeitsentwicklung und vor allem für das berufliche Fortkommen der Bürger. Schulbibliotheken sind quasi die Türöffner zu lebenslangem Lernen. Hier finden Kinder den Einstieg in die Welt der Bibliotheken. In Schulen sind Bibliotheken Lehr- und Lernort, aber auch Kommunikations- und Sozialisationsort. Und die Schulträger sind in der Pflicht, ein entsprechendes Angebot zu unterhalten. Anders in den Gemeinden: hier sind Bibliotheken eine freiwillige Leistung, für die nur selten ausreichende Mittel verfügbar sind.

Vor diesem Hintergrund entstand im Lahn-Dill-Kreis schon vor Jahren die Idee, die Bibliotheken im Kreis zu vernetzen. 2004 startete man das Projekt mit 8 teilnehmenden Schulbibliotheken und dem Medienzentrum Lahn-Dill. Heute gehören 66 Schulbibliotheken, eine rein ehrenamtlich geführte Stadtbibliothek, 5 kombinierte Schul- und Gemeinde-Bibliotheken und das Medienzentrum zum Netzwerk. Daher können 27.000 Schüler die Angebote von IMeNS, das 2010 mit dem Hessischen Bibliothekspreis ausgezeichnet wurde, nutzen. Doch was genau verbirgt sich dahinter?

Das Netzwerk stellt den teilnehmenden Bibliotheken eine hervorragende Infrastruktur bereit und unterstützt sie in bibliothekarischen und informationstechnologischen Belangen. Jeder IMeNS-Nutzer kann über das zentrale Online-Portal einsehen, welche Medien es in seiner Bibliothek gibt und welche er in anderen Bibliotheken des Netzwerks findet. Darüber hinaus hat man online Zugriff auf wichtige Nachschlagewerke wie zum Beispiel das Munzinger-Archiv, die Brockhaus Plattform und auf vielfältiges Lehr- und Lernmaterial zu den unterschiedlichsten Themen, aufbereitet für die unterschiedlichen Altersgruppen. Ein weiteres Plus für Schüler und Lehrer: mit einem IMeNS-Ausweis kann man innerhalb des Verbunds alle verfügbaren Medien ausleihen. Dazu zählen auch die Online-Medien, die der OnleiheVerbund Hessen bereit hält. Ein IMeNS-Ausweis begleitet die Schüler so durch ihre gesamte Schullaufbahn und macht sie vertraut mit den Strukturen einer modernen Bilbliothek. Sie lernen beispielsweise, wie man gezielt nach Medien sucht und Themen recherchiert. Das macht es später leichter, sich auch in jeder Stadt- und Unibibliothek zurechtzufinden.

Simone Vetter, Leiterin Schulabteilung und Fachdienst Medienservice beim Lahn-Dill-Kreis, hat IMeNS von Anfang an federführend aufgebaut und betreut. Sie weiß, dass neben bibliothekspezifischem Fachwissen sehr viel IT-Know-how nötig ist, um ein solches Netzwerk auf die Beine zu stellen. Und sie weiß, dass es bei den teilnehmenden Schulbibliotheken zunächst auch Vorbehalte gab. "Der Netzwerkgedanke musste sich erst durchsetzen. Einige Bibliotheken fürchteten zunächst die "Konkurrenz" der anderen. Doch es hat sich schnell herumgesprochen, dass alle Beteiligten von den gemeinsamen Strukturen profitieren", erzählt sie. Auch die kombinierten Schul- und Gemeindebibliotheken bringen beiden Seiten Vorteile. So erhalten beispielsweise Stadt- und Gemeindebibliotheken auf Antrag Mittel aus dem Länderfinanzausgleich. Der Einsatz dieser Mittel kommt in Kombibibliotheken dann auch den Schulbibliotheken zugute. Diese haben ihrerseits über den Schulträger Lahn-Dill-Kreis alle Zugriff auf das Medienzentrum und entsprechende IT-Fachkräfte. Hiervon wiederum kann die Gemeinde profitieren, die erhebliche Personalkosten einspart und auch die Räumlichkeiten der Schulbibliothek mit nutzt. Wie die jeweilige Zusammenarbeit zwischen Schul- und Gemeindebibliothek ausgestaltet wird, verhandeln die Akteure miteinander. Eine Win-Win-Situation wird in jedem Fall erreicht.

Ein Netzwerk wie IMeNS lässt sich nicht ohne weiteres 1:1 in anderen Landkreisen umsetzen. Und doch hat es Vorbildcharakter. "Man muss sich genau anschauen, welche Ressourcen vorhanden sind und damit arbeiten. Wie sieht die Bibliothekslandschaft in meinem Landkreis aus? Wo sehe ich Potenzial zur Zusammenarbeit? Habe ich das nötige Fachpersonal, gerade auch in der IT, um eine Vernetzung IT-seitig zu stemmen?", erklärt Simone Vetter die Fragen, die es zu beantworten gilt. Sie ist sich sicher: mit durchdachten Strukturen kann man in einem Netzwerk viel erreichen und eine qualitativ hochwertige Bibliotheksarbeit auch im ländlichen Raum etablieren. Doch das allein reicht nicht aus. "Wir sind dankbar für die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter im Bibliothekswesen, ohne die wir nicht auskämen. Doch man braucht natürlich auch genügend qualifiziertes Bibliothekspersonal, um die vielen freiwilligen Helfer gut zu führen und zu unterstützen. Hier sehe ich noch viel Spielraum nach oben", so Simone Vetter, die auch Vorstandsmitglied des Landesverbandes Hessen im Deutschen Bibliotheksverband ist.

Der Appell seitens des Landesverbandes an die Politik ist einfach und klar: Die Bibliotheken geben ihr Bestes, um hochwertige Bibliotheksarbeit sicherzustellen. Sie netzwerken und kooperieren, beispielsweise auch mit den Volkshochschulen. Und sie hoffen zugleich auf stärkere Unterstützung, um ihrem Auftrag langfristig gerecht zu werden und allen Bürgern Zugang zu Information, Bildung und Kultur in allen verfügbaren Medienformaten zu ermöglichen. In den Städten genauso wie in den ländlichen Gebieten. Und vor allem auch in den Schulbibliotheken, die ein wichtiger Baustein einer zukunftsfähigen Schulentwicklung sind. Bildungsförderung braucht leistungsfähige Schulbibliotheken. Und um diese zu gestalten, braucht man finanziell tragfähige Perspektiven.

Kontakt:
Landesverband Hessen im Deutschen Bibliotheksverband e.V.

Dr. Sabine Homilius, Geschäftsführerin, Tel.: 069 212-34482
E-Mail: sabine.homilius@stadt-frankfurt.de
http:/www.bibliotheksverband.de/landesverbände/hessen.html

Dateien:
09122016 PM Vernetzung in Hessens Bibliotheksarbeit (219 kB)