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Mittwoch 02.03.16

Willkommen! Bibliotheksangebote für Flüchtlinge in Baden-Württemberg

Kultusstaatssekretärin Marion v. Wartenberg kündigt Pilotprojekt zur Schaffung von digitalen Lernplätzen für die Nutzung des E-Learning-Angebots an

Im Jahr 2015 kamen ca. 185.000 Flüchtlinge in Baden-Württemberg an. Bibliotheken sind natürlich nicht die ersten Stationen für Menschen auf der Flucht. Für sie geht es zuallererst ums Überleben und die Befriedigung ihrer Basisbedürfnisse. Doch, wenn diese einmal gedeckt sind, braucht der Mensch mehr als Kleidung, Schuhe und ein Dach über dem Kopf. An erster Stelle steht der Wunsch nach dem Erwerb der deutschen Sprache und kultureller Teilhabe. Dazu sind Bibliotheken nötig.

"Bibliotheken leisten einen wichtigen Beitrag zu gelingender Integartion von Zuwanderern, geflüchteten Menschen und Asylbewerbern", so Marion v. Wartenberg, stellvertretende Vorsitzende des baden-württembergischen Bibliotheksverbandes bei einem Vor-Ort-Termin in der Stuttgarter Stadtbibliothek am Mailänder Platz. "Bibliotheken sind offene, frei zugängliche Orte, an denen Flüchtlinge Angebote der Bildung, Kommunikation und Kultur finden." Der Schlüssel gelingender Integration liege in der Beherrschung der deutschen Sprache. Speziell konzipierte Bibliotheksangebote für Flüchtlinge unterstützen den Spracherwerb und die kulturelle Teilhabe.
"Die Bibliotheken in Baden-Württemberg haben sich sehr schnell auf Flüchtlinge als neue Bibliotheksnutzer eingestellt und haben unkompliziert auf deren Bedürfnisse reagiert", so Monika Ziller, Geschäftsführerin des baden-württembergischen Bibliotheksverbandes und Leiterin der Heilbronner Stadtbibliothek. Aber sie sind mit neuen, zusätzlichen Anforderungen konfrontiert: Die Nachfrage nach ausgedehnteren Öffnungszeiten, mehr Computern, Arbeitsplätzen, WLAN oder Lehrwerken zum Erlernen der deutschen Sprache steigt ständig. Und das in einer Situation, wo sich Bibliotheken im Land über mangelende Nutzung nicht beklagen können: 24 Millionen Besuche waren 2014 zu verzeichnen.

Nadin Cicek, Vorsitzende der dbv-Kommission Interkulturelle Bibliotheksarbeit des dbv und Leiterin der Ortsbücherei Nordheim, verweis besonders auf die neuen Herausforderungen für kleinere Bibliotheken im ländlichen Raum. Häufig unterstützen diese ehrenamtlich Tätige in der Flüchtlingsbetreuung mit Büchern, Lernmaterialien oder stellen Räume für Sprachkurse zur Verfügung.

Christine Brunner, Leiterin der Stadtbibliothek Stuttgart, verweist auf die starke Nutzung der Bibliothek als ruhigen Arbeits- und Lernort für Flüchtlinge. Mit einem Bibliotheksausweis haben sie die Möglichkeit, Notebooks und das WLAN frei zu nutzen.

Wie bei vielen andere Einrichtungen sind mit der massiven Zuwanderung von Flüchtlingen auch bei den Bibliotheken zusätzliche Anforderungen entstanden. Dies muss von den Unterhaltsträgern aber auch auf politischer und administrativer Ebene wahrgenommen werden.

Monika Ziller verweist auf eine E-Learning Plattform in einigen Bibliotheken des Landes, auf der auch Deutschkurse für Bibliotheksnutzer angeboten werden. Dieses Projekt wurde mit finanzieller Unterstützung des Landes realisiert. Der Bibliotheksverband sieht die dringende Notwendigkeit, die Förderung auszuweiten, damit mehr Menschen an diesem Angebot partizipieren können.

Marion v. Wartenberg kann als Staatssekretärin im Kultusministerium gute Nachrichten überbringen: Da viele Flüchtlinge in ihren Unterkünften keine guten Bedingungen für häusliches Lernen vorfinden, bestehe dringender Bedarf an der Schaffung einer Lerninfrastruktur an öffentlichen, frei zugänglichen Orten. Kurzfristig werden dafür 50.000 Euro bereitgestellt, um in Bibliotheken spezielle Lernplätze für die Nutzung des E-Learning-Angebots zu schaffen. "Damit schaffen wir über den Digitalen Weiterbildungscampus des Landes eine neue Möglichkeit, Flüchtlinge besser an die deutsche Sprachprxis heranzuführen und damit deren Integration zu beschleunigen", so v. Wartenberg. Das Projekt soll der Auftakt von verschiedenen Pilotprojekten sein, mit denen Instrumente der Erwachsenenbildung in der Flüchtlingshilfe erprobt werden.