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Bibliotheken im Strafvollzug im Land Brandenburg

(Stand 1995)

Seit dem Jahre 1993 wird von der Fachstelle für öffentliche Bibliotheken in Brandenburg versucht, das Angebot in den JVA-Bibliotheken zu verbessern. Die Justizvollzugsanstalten befinden sich in Brandenburg, Cottbus, Frankfurt/O., Luckau, Neuruppin, Oranienburg, Potsdam, Prenzlau, Schwarze Pumpe, Wriezen und Königs Wusterhausen mit einer Kapazität für insgesamt 2100 Gefangenen. Von 8 dieser insgesamt 11 Justizvollzugsanstalten ist bekannt, dass deren Büchereien in eigenen Räumen untergebracht sind. Brandenburg, Schwarze Pumpe und Luckau verfügen über relativ gute Bibliotheksräume. Aber auch die Räume in den anderen Anstalten gewährleisten alle eine ausreichende Bibliotheksarbeit. Die JVA Brandenburg sollte mit ihrer größten und bedeutendsten Bibliothek des Landes einen gewissen Vorbildcharakter erfüllen. Deshalb wurde 1994 das gesamte Mobiliar erneuert, da die vorherige Ausstattung nicht den Anforderungen einer Freihandbibliothek entsprach. Auch in der JVA Schwarze Pumpe wurden 1995 neue Räume für die Bücherei geschaffen.

In den Justizvollzugsanstalten des Landes Brandenburg standen 1994 jedem Häftling durchschnittlich 12 Medien zur Verfügung. Da allerdings ein Großteil der Bestände sehr veraltet und auch nicht auf den Ausländeranteil von mindestens 30% der Gefangenen ausgelegt war, erarbeitete die Fachstelle eine Empfehlung für die Medienzusammensetzung für das Ministerium für Justiz. Es wurde auf die stärkere Berücksichtigung von Sachliteratur, Gesetzestexten sowie der Neuen Medien hingewiesen. Um den Justizvollzugsanstalten helfend unter die Arme zu greifen, übergibt die Fachstelle den Gefangenenbibliotheken nun jährlich die ekz-Fachstellenliste "Neue Bücher". Die Versorgung der fremdsprachigen Gefangenen wird gewährleistet, indem Kontakte zu unterschiedlichsten Institutionen geknüpft wurden, welche die Anstalten mit hauptsächlich osteuropäischer Literatur versorgen. Weiterhin wurden zur Verbesserung der Literaturversorgung Arbeitskontakte zwischen den Justizvollzugsanstalten und den örtlichen Öffentlichen Bibliotheken hergestellt.

1994 war es den Insassen in den meisten Gefängnissen nicht möglich, die Bibliotheken persönlich aufzusuchen. Nur in der JVA Brandenburg und Potsdam konnten sich die Gefangenen teilweise ihre Literatur direkt am Regal auswählen. Wenn der persönliche Besuch nicht möglich war, erhielten die Gefangenen Titellisten anhand derer sie sich die gewünschte Literatur aussuchen konnten. Da diese Listen allerdings weder nach Sachthemen oder einzelnen Wissensgebieten geordnet waren und keinerlei zusätzliche Informationen zum Titel lieferten, gab es auch diesbezüglich von der Fachstelle eine Empfehlung, in der sie sich neben Empfehlungen für die Titellisten generell für Freihandbibliotheken aussprach.

Die Gefangenenbüchereien stehen unter der Obhut des jeweiligen Leiters der Wirtschaftsabteilung. Entweder er selbst oder aber ein beauftragter Bediensteter übernimmt die Verantwortung für die Bibliothek. Die Leitungen der Bibliotheken, die z.B. in Brandenburg von einem Lehrer übernommen wurde (Stand: 1994), erhalten in fast allen Einrichtungen Unterstützung von Gefangenen. Auch für Personalfragen gab die Fachstelle folgende Empfehlungen: Der wöchentliche Abzug von der Dienstzeit eines Bediensteten für die Bibliotheksarbeit sollte 8-10 Stunden betragen; des weiteren sollte wenigstens ein Gefangener ausschließlich mit der Arbeit in der Gefangenenbibliothek beschäftigt sein. Auch auf die Bekräftigung der Bedeutung der Gefangenenbibliothek für die Insassen durch eine kontinuierliche fachliche Beratung wird eingegangen. Der Vorschlag, eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zur fachlichen Entwicklung und Unterstützung des Gefangenenbüchereiwesens im Land Brandenburg einzurichten, wurde aufgrund mangelnder Finanzen und von fehlendem Personal an anderen Stellen abgelehnt.


Vgl. Arlt, Jörg: Bibliotheken im Brandenburger Strafvollzug. In: Bibliothek für alle: Informationen über Soziale Bibliotheksarbeit, 12 (1995) 2, S. 9-13

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Bibliotheken im Strafvollzug in Bremen

Zum Bibliotheksangebot im Strafvollzug in Bremen finden sich in der Homepage der Stadtbibliothek Bremen www.stadtbibliothek-bremen.de unter den Standorten folgende Hinweise:

Die Bibliotheken im Strafvollzug versorgen mit insgesamt 14.000 Medieneinheiten die Inhaftierten in den Justizvollzugsanstalten Oslebshausen (Langstrafen und U-Haft), Blockland (Jugendliche und Frauen) und Bremerhaven (Kurzstrafen).

Jede/r Inhaftierte kann wöchentlich zu festen Zeiten selbstständig vor Ort aus dem Angebot eine Auswahl treffen. Die Bibliotheken bieten im reglementierten Haftalltag eine Möglichkeit der sinnvollen und eigenbestimmten Freizeitgestaltung und stellen für viele den ersten Kontakt zu einer Bibliothek her. Mit ihrem Engagement auf diesem Feld der sozialen Bibliotheksarbeit bedient die Stadtbibliothek Bremen eine gesellschaftliche Randgruppe, für die dieses Angebot einen hohen Stellenwert hat.

stbjva@edvserv.stabi.uni-bremen.de
Fon: 0421- 361 146 66, Fax: 0421- 361 152 11

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Justizanstaltsbüchereien in Hamburg

(Stand: September 2010)

Die Fachstelle der Bücherhallen Hamburg betreibt seit über 40 Jahren Büchereien in den Justizvollzugsanstalten des Hamburger Strafvollzugs.

Die Justizanstaltsbüchereien (JAB) sind ein Sachgebiet der Fachstelle der Bücherhallen Hamburg.

Das Sachgebiet betreut in Zusammenarbeit mit der Hamburger Justizbehörde aktuell 9 Büchereien in den 6 Hamburger Justizvollzugsanstalten.

Die Zusammenarbeit zwischen Justiz und einem großstädtischen Bibliothekssystem ist eine Besonderheit auf dem Gebiet der Gefängnisbibliotheken in Deutschland.

Neben dem Zugriff auf die Bestände der jeweiligen Anstaltsbücherei können die Insassen auf den Gesamtbestand der Bücherhallen Hamburg zugreifen und sich jedes Buch bestellen. Diese Möglichkeit ist, bezogen auf die Größe des Systems der Bücherhallen Hamburg, ein deutschlandweit einzigartiger Service.

Darüber hinaus bietet das Sachgebiet JAB den Gefangenen über den sogenannten Bürobestand den Zugriff auf knapp 600 Musik CDs.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gerne an:

Bücherhallen Hamburg
Fachstelle
Leitung Justizanstaltsbüchereien (JAB)
Ulrich Diebe
Hühnerposten 1
20097 Hamburg
Fon: 040 42 606-132
Fax: 040 42 606-144
Mail: ulrich.diebe@buecherhallen.de
www.buecherhallen.de

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Bibliotheksarbeit im Strafvollzug des Landes Nordrhein-Westfalen

In den 37 Justizvollzugsanstalten und 4 Jugendarrestanstalten des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) stehen den Inhaftierten 50 Büchereien mit einem derzeitigen Gesamtbestand von ca. 240.000 Medien zur Verfügung. Die Gefangenenbüchereien gehören zu den Sonderformen Öffentlicher Bibliotheken der Grundversorgung.

Die fachliche Betreuung erfolgt durch die Bibliothekare der Fachstellen Gefangenenbüchereiwesen bei den Justizvollzugsanstalten Köln und Münster:

Fachstelle Gefangenenbüchereiwesen bei der Justizvollzugsanstalt Münster
Gerhard Peschers, Gartenstr. 26, 48147 Münster
Tel.: 0251-2374-116, Fax:  0251-2374-201
gerhard.peschers@jva-muenster.nrw.de      

und

Fachstelle Gefangenenbüchereiwesen bei der Justizvollzugsanstalt Köln
Herr Skopp, Rochusstr. 350, 50827 Köln
Tel.: 0221-5973-113, Fax:  0221-5973-223
klausjosef.skopp@jva-koeln.nrw.de

In den einzelnen Anstalten nimmt ein Bediensteter als Büchereibetreuer die Belange der Gefangenenbücherei wahr. Die Verwaltung der Büchereien geschieht in Anlehnung an die Praxis der Öffentlichen Bibliotheken.

Die Fachstellen für Gefangenenbüchereiwesen sind Mitglieder im Landesverband der Bibliotheken in NRW (VBNW) sowie in der Sektion 8 des Deutschen Bibliotheksverbandes (DBV) und suchen die Zusammenarbeit mit dem Öffentlichen Bibliothekswesen (z.B. Stadtbüchereien, Fachstellen, Bezirksregierungen/Dezernaten Öffentliche Bibliotheken, EDBI). Seit dem Jahr 2000 ist eine einheitliche Bibliothekssoftware landesweit in den Gefangenenbüchereien eingeführt worden. Die Erarbeitung neuer Richtlinien für die Bibliotheksarbeit im Justizvollzug in NRW ist geplant.

Das Signet der Gefangenenbüchereien in NRW mag zum Ausdruck bringen, dass die Gefangenenbüchereien zu den Sonderformen der öffentlichen Büchereien gehören und für die Inhaftierten quasi ein Fenster nach draußen


Faltblatt über Gefangenenbüchereien in den Justizvollzugsanstalten des Landes Nordrhein-Westfalen
Datei-Format: pdf, Datei-Größe: 306 KB

Vorstellung von zwei neuen Gefangenenbüchereien in Nordrhein-Westfalen:

Gefangenenbücherei der JVA Gelsenkirchen

Im August 1998 wurde in Gelsenkirchen die neue Justizvollzugsanstalt eingeweiht. Sie ist nicht nur durch die Idee des Architekten, eine kleine Stadt innerhalb von fast sechs Meter hohen Mauern zu bauen, ein Besonderheit. Auch die eingerichtete Bücherei setzt neue Akzente. Schon während der Planung der gesamten JVA wurde die Fachstelle für Gefangenenbüchereien des Justizvollzugsamtes Westfalen-Lippe in Hamm in die Überlegungen mit einbezogen, um optimale Bedingungen für die Bücherei zu schaffen.

Die Gefangenenbücherei besteht in Gelsenkirchen aus einem dreigeteilten Büchereisystem. Somit gibt es jeweils ein selbständiges Büchereiangebot im geschlossenen Männervollzug, im geschlossenen Frauenvollzug und im offenen Frauenvollzug. Die Büchereien ergänzen sich durch Tauschvorgänge gegenseitig.

Der Bestand soll in den folgenden Jahren so aufgebaut werden, dass die Gefangenenbücherei 15 (Strafhaft) beziehungsweise 20 (U-Haft) Medien pro Häftling aufweisen kann. Im Ausleihbestand befinden sich zur Zeit (1999) ca. 5000 Bücher. Audio-CDs zur Ausleihe, CD-ROMs für den Präsenzbestand und ein Zeitschriftengrundbestand werden aufgebaut. Auch an die in der Haftanstalt mit ca. 30% vertretenen fremdsprachigen Gefangenen wird mit einem entsprechenden Angebot gedacht. Die Verwaltung des Bestandes erfolgt durch EDV.

Die Leitung der Bücherei wird durch eine ABM-Stelle ausgeführt; diese wurde später in eine Angestelltenstelle umgewandelt. Diese Person ist für alle Angelegenheiten der Gefangenenbücherei zuständig. Neben dieser Stelle wird die Einarbeitung neuer Titel von angelernten Hilfskräften aus den Reihen der Gefangenen übernommen. Zwischen der JVA und der Stadtbibliothek Gelsenkirchen wurde die schon von vornherein enge Zusammenarbeit zusätzlich vertraglich vereinbart.

Die Freihandausleihe zu festen Öffnungszeiten kann zur Zeit nur von einem kleinen Teil der Gefangenen genutzt werden. Die Gründe hierfür sind personell und organisatorisch begründet. Durch die Integration der Fachstelle in der Planungsphase und bei der Konzeption der Bücherei, für die Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek, den Bestandsaufbau verschiedener Medien, die attraktive Raum- und Inventargestaltung und für die Idee, eine Standardsoftware für ein datenbankbasiertes Ausleihsystem für Gefangenenbüchereien zu entwickeln hat die Gelsenkirchener Gefangenenbücherei durchaus Modellcharakter für weitere Planungen von Gefangenenbüchereien dieser Art.


Vgl. Gröning, Wilhelm: Gefangenenbücherei mit Modellcharakter : Die Bibliothek der JVA Gelsenkirchen / Wilhelm Gröning ; Gerhard Peschers. In: BuB 51 (1999) 3, S.196-197

Gefangenenbücherei der JVA Bielefeld-Brackwede II

Seit Anfang 2001 präsentiert sich die Gefangenenbücherei der JVA Brackwede II in neuem Glanze. Bisher musste sie sich mit ihren ca. 4000 Medieneinheiten mit nur 25 qm Platz zufrieden geben. Doch seit Anfang diesen Jahres ist sie in einem dreimal so großen Raum mit sehr viel Lichtquellen untergebracht, der sich in einem eigens neu gebauten Komplex im Zentrum der Anstalt befindet.

Auch die Literatur ist nun neuer und ausgewählter. So findet man neben juristischer Fachliteratur Fantasy-Romanen, Reiseliteratur, Psychologielehrbüchern und Gedichtbänden mit Werken vom Mittelalter bis zur Moderne noch vieles mehr. Wie auch in anderen Öffentlichen Bibliotheken wird die Anschaffung von gewaltverherrlichender, pornographischer sowie rechts- und linksradikaler Literatur vermieden. Der Bestand wird zielgruppenorientiert ausgewählt, wobei zu dieser Zielgruppe neben den Gefangenen auch die Bediensteten gezählt werden.

Die Einrichtung der Bibliothek konnte mit Hilfe von zahlreichen Sponsoren realisiert werden. So konnten beispielsweise die Regalsysteme, Medien sowie Bibliotheksmöbel und Teile der Innenausstattung von unterschiedlichen Firmen und Vereinen umsonst erworben werden.

Der enge Kontakt zur Stadtbibliothek Gütersloh, die beim internen Aufbau und bei der Präsentation der Medien mitgewirkt hat, sowie der Kontakt zur Stadtbibliothek Bielefeld soll auch in Zukunft bestehen bleiben. Besonders im Hinblick auf Fernleihen bei speziellen Leserwünschen. Auch an die Neuen Medien wie CDs und Internetzugänge wird für die Zukunft gedacht, obwohl das Medium Internet in einer JVA bisher aus Sicherheitsgründen kaum angeboten wird.


Vgl. Bürgel, Natalie: Ein Fenster nach draußen: Neue Bücherei in JVA Brackwede II mit Hilfe von Sponsoren eingerichtet. In: Neue Westfälische, 8. Februar 2001

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Ausgewählte Beispiele und Anregungen

In mehreren Justizvollzugsanstalten wurde ein Entwicklungskonzept für die Gefangenenbücherei in Abstimmung mit der Anstaltsleitung und den zuständigen Bediensteten formuliert, im dem das Selbstverständnis der Gefangenenbücherei sowie Ziele und Maßnahmen zu deren Entwicklung zum Ausdruck gebracht sind. Exemplarisch kann hier auf eine Formulierung aus dem Jugend- und Erwachsenenvollzug zurückgegriffen werden.

Im Rahmen des Workshops „Die Bibliotheken der Zukunft“ seitens des Landesverbandes der Bibliotheken in NRW wurden Kooperationsvereinbarungen zur Zusammenarbeit zwischen Justizvollzugsanstalten und Stadtbibliotheken erstellt und in mehreren Städten vereinbart. Eine Kooperationsvereinbarung wird hier als Anregung zur Verfügung gestellt.

Zur bibliothekarische Datenverarbeitung wurde aus der Praxis nach langjähriger Entwicklung seit dem Jahr 2000 eine einheitliche Büchereisoftware mit standardgemäßer Hardware zur eigenverantwortlichen Medienverwaltung durch die Büchereiarbeiter eingeführt wurde. Dem ging eine circa 10jährige Phase der Auseinandersetzung um die erforderlichen Sicherheitsmaßnahen, Finanzierungsmöglichkeiten und fachlichen Erfordernisse voran. 1997 konnten zunächst 20 gespendete alte Computer und Drucker eingeführt werden. Aus Sicherheitsgründen wird jeder Computer in einem Gittergehäuse aus Edelstahl verschlossen, bei dem nur der Schalter zum Ein-und-Ausschalten erreichbar ist; den Gefangenen wird nur die Büchereisoftware mit eingeschränkten Zugriffsrechten zugänglich gemacht. Nach fachlichen Vorgaben wurde aus der Praxis der Gefangenenbüchereiarbeit unter Aufsicht von Bediensteten und Beteiligung von Gefangenen eine eigene Büchereisoftware zur Medienverwaltung entwickelt. Diese wurde im Jahre 2000 vom Justizministerium genehmigt und mit Unterstützung der Justizvollzugsämter mit standardgemäßer Hardware inzwischen in allen Anstalten eingeführt. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Software sowohl bibliothekarischen Anforderungen genügt als auch für die Gefangenen einfach zu handhaben ist. Sie wurde 2001 beim 91. Deutschen Bibliothekartag in Bielefeld der Fachöffentlichkeit vorgestellt und hat sich bis heute gut bewährt.

Das Programm kann in Abstimmung mit dem Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen auf der Basis der Gegenseitigkeit zur Anwendung in anderen Bundesländern in eigener Programmpflege zur Verfügung gestellt werden.

Eine Programmbeschreibung soll in Kürze hier angeboten werden.

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