Kontakt | Impressum | Sitemap | RSS | English

Arbeitsdokumente

Gesetzesgrundlage

Gesetzliche Grundlage der Gefängnisbibliotheksarbeit in Deutschland

Rechtsgrundlage für den Vollzug der Freiheitsstrafe an Erwachsenen sind das Strafvollzugsgesetz (StVollzG) und die dazu ergangenen Verwaltungsvorschriften.

Ziel des Strafvollzuges (§ 2 StVollzG) ist es, den Verurteilten durch geeignete Behandlung zu befähigen, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen, und die Allgemeinheit vor weiteren Straftaten zu schützen. Innerhalb des Erwachsenenvollzuges gibt es den offenen und geschlossenen Vollzug je getrennt nach Frauen und Männern.

Zur sinnvollen Freizeitbeschäftigung ist in § 67 StVollzG verankert: "Der Gefangene erhält Gelegenheit, sich in seiner Freizeit zu beschäftigen. Er soll Gelegenheit erhalten, am Unterricht [...] teilzunehmen und eine Bücherei zu benutzen."

Dies entspricht auch den vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen gebilligten Mindestgrundsätze für die Behandlung Gefangener (1957; Regel 40, 79, 84ff):

"Jede Anstalt muß eine Bücherei haben, die allen Kategorien von Gefangenen zur Verfügung steht und in angemessener Weise sowohl mit Unterhaltungsliteratur als auch belehrenden Büchern ausgestattet ist. Die Gefangenen sind zu ermutigen, davon größtmöglichen Gebrauch zu machen."

Ähnliches gilt für die Untersuchungshaft, den Jugendvollzug und Jugendarrest; nähere Informationen dazu enthält der vom Deutschen Bibliotheksinstitut 1986 herausgegebene Projektbericht „Bibliotheksarbeit in Justizvollzugsanstalten“.


aus: Bibliotheksarbeit in Justizvollzugsanstalten, Deutsches Bibliotheksinstitut, Berlin 1986, (dbi-materialien 54)

Nach oben

Richtlinien


Internationale Richtlinien für Gefangenenbüchereien
(in deutscher Sprache)
Internationaler Verband der bibliothekarischen Vereine und Institutionen
IFLA-Fachberichte, Nr. 95
Datei-Format: pdf, Datei-Größe: 221 KB

Richtlinien des Deutschen Bibliotheksinstituts

Die Richtlinien des DBI-Gutachtens „Bibliotheksarbeit in Justizvollzugsanstalten“ (1986) bieten bis heute praktikable Orientierungshilfen zur Ausgestaltung bestehender oder neu entstehender Gefangenenbüchereien. Sie wurden in Nordrhein-Westfalen wiederholt mit zu Grunde gelegt und haben sich zur Zielorientierung bewährt.

Das DBI gibt u.a. folgende Richtwerte an:

  • Bestandsgröße: 15 Medieneinheiten (ME) je Haftplatz (HP) in der Strafhaft, 20 ME je HP in der U-Haft
  • Erneuerungsquote: Jährlich sollte 12 – 15 % des Bestandes erneuert werden
  • Quotierung: Belletristik : Sachliteratur / 60 : 40, in U-Haft 70 : 30
  • Raumbedarf: 13 qm je 1000 ME in der Magazinausleihe, 9 qm je Arbeitsplatz, 0,8 qm je Katalog

Zu weiteren Richtwerten etwa zur Personalbemessung wird auf das DBI-Gutachten verwiesen.


Internationale Richtlinien zur Bibliotheksversorgung von Häftlingen
Erarbeitet von der International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA)

Die IFLA-Richtlinien sollen als Hilfe beim Erreichen einer leistungsfähigen und effizienten Bibliotheksversorgung von Gefängnissen weltweit dienen. U.a. wird gesagt:

  • Jeder Bürger hat Anspruch auf Zugang zu Informationen. Für Gefängnisinsassen ist eine Bibliothek oft die einzige Möglichkeit, sich weiterzubilden oder sich über die Welt "draußen" auf dem Laufenden zu halten.
  • Die Bibliothek kann einen bedeutenden Beitrag zur Vorbereitung auf den erfolgreichen Wiedereintritt in die Gesellschaft leisten.
  • Alle Gefangenen sollen die Möglichkeit haben, die Bibliothek und ihre Leistungen zu nutzen.
  • Es ist die Aufgabe des Bibliothekspersonals, den Gefangenen einen ausgeglichenen und ihren Bedürfnissen angemessenen Bestand zu bieten. Dabei müssen auch ausländische Inhaftierte berücksichtigt werden.
  • Bei der Auswahl des Bestandes soll keinerlei Zensur geübt werden!
  • Über die Gefängnisbibliothek sollte es den Inhaftierten auch möglich sein, in Katalogen anderer Bibliotheken zu recherchieren und Bücher über Fernleihe zu bestellen.
  • Das Bibliothekspersonal sollte stets darum bemüht sein, die Dienstleistungen und Angebote der Bibliothek sowohl vor ihrem Benutzerkreis als auch vor der Öffentlichkeit entsprechend zu präsentieren.

Einige Richtwerte in Stichworten:

  • Bestandsgröße: 15 Medieneinheiten (ME) je Haftplatz (HP), mindestens 2000 ME auch in kleinen Anstalten 2 audiovisuelle ME je Insasse, mindestens 200 ME
  • Erneuerungsquote: Jährlich sollte 12 – 15 % des Bestandes erneuert werden
  • Quotierung: Belletristik : Sachliteratur 60 : 40, in U-Haft 70 : 30
  • Raumbedarf: 15 qm je 1000 ME in der Magazinausleihe, 9 qm je Arbeitsplatz, 3 qm je Stuhl im Lesebereich, 100 qm bei 100 HP, 120 qm bei 200 HP, 140 qm bei 300 HP, ..., 200 qm bei 600 HP, ...
  • Etatplanung: Kauf von 2 Büchern + 0,2 audiovisuellen Medien je HP jährlich


aus: Kaiser, Frances: An introduction to the international guidelines for library services to prisoners In: IFLA J. - München. - 19 (1993), S. 67 - 73
Material der 58. Generalversammlung der IFLA, Delhi 1992

Überblick über Empfehlungen von internationalen Institutionen wie den Vereinten Nationen, dem Europarat und der IFLA im Hinblick auf Richtlinien für die Einrichtung von Bibliotheksdiensten für Gefangene. Und aus: Richtlinien zur Bibliotheksversorgung von Häftlingen, hrsg. V. Frances E. Kaiser, IFLA Headquarters, The Hague, Netherlands, 1995

Nach oben