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Werkzeugkasten für Lobbyarbeit


Was leisten Bibliotheken in Deutschland

Kerndaten zu Angebot und Nutzung

Deutschlands Bibliotheken sind die am stärksten genutzten Kultur- und Bildungseinrichtungen in Deutschland. Sie sind zukunftsgerichtete Orte des freien Zugangs zu Wissen, Lernen und Forschen.

  • 9.371 Bibliotheken gibt es in Deutschland
  • 741.000 Veranstaltungen finden jährlich in Bibliotheken statt
  • 119.000.000 Menschen besuchen Öffentliche Bibliotheken jährlich 
  • 375.000.000 Medien stehen in den Bibliotheken bereit
  • 450.000.000 Medien werden jährlich entliehen

(Quelle: Deutsche Bibliotheksstatistik, Berichtsjahr 2015)

Bibliotheken haben nicht nur Bücher

Öffentliche Bibliotheken
Bibliotheken decken heute ein breites Spektrum an Medienarten ab - mehr als ein Drittel der Medien in Öffentlichen Bibliotheken sind virtuelle Medien wie E-Books, elektronische Zeitschriften oder lizenzierte Datenbanken. Die klassischen gedruckten Medien - Bücher und Zeitschriften - sowie Spiele, Noten, Karten oder Bilder machen weniger als zwei Drittel des Bestandes aus.

  • DVDs
  • CDs und Hörbücher sowie Restbestände ihrer analogen Vorläufer (Schallplatten, Audio- und Videokassetten)
  • Software, Computerspiele
  • Konsolenspiele
  • Medienkombinationen (z.B. Buch und CD)
  • E-Books und sonstige "virtuelle" Medien

Zusätzlich verleihen Bibliotheken sonstige Non-Book-Medien:

  • E-Book-Reader
  • Tablets
  • Noten
  • Spiele
  • Karten
  • Kunstwerke (Bilder, Graphiken, Skulpturen)
  • Handschriften, Autographen

und vieles mehr.

Außerdem haben Öffentliche Bibliotheken 133.328 gedruckte Zeitschriften und 80.462 elektronische Zeitschriften abonniert und bieten Zugang zu 5.614 Datenbanken (DBS 2015).

Wissenschaftliche Bibliotheken
Der Bestand setzt sich wie folgt zusammen:

  • Printmedien, darunter Bücher, Dissertationen, Lehrbücher, Inkunabeln und seltene Bestände
  • Elektronische Medien, z.B. E-Books, digitale AV-Materialien und Datenbanken
  • Sonstige nicht-elektronische Materialien, z.B.: analoge AV-Materialien - Tonbänder, Schallplatten, Videokassetten usw., Mikromaterialien (Mikrofiche, Mikrofilm), Fotographien.
  • Sonstige Druckwerke, z.B.: Karten und Pläne, Noten, Einblattmaterialien (Flugblätter etc.), Patente, Normen
  • Handschriften und Autographen, darunter abendländische Handschriften, Fragmente und Urkunden, Musikhandschriften, orientalische Handschriften, Autographen

Bibliotheken leihen nicht nur aus

Bibliotheken führen eine Vielzahl von Veranstaltungen und Programmen durch. Eine Bibliotheksveranstaltung kann sein: eine Bücherrallye, Quiz, Computerführerschein, Hausaufgabenbetreuung, Konzert, Lesung, Interneteinführung für Senioren, Beratung zu Bildungsangeboten, Vortrag zu einem Gesundheitsthema, uvm.

Veranstaltungen in Öffentlichen Bibliotheken 2014:
In Öffentlichen Bibliotheken fanden 2014 ca. 348.272 Veranstaltungen statt: rund 102.000 Einführungen in die Bibliotheksnutzung und 20.500 Ausstellungen wurden durchgeführt (DBS 2014).

Veranstaltungen in wissenschaftlichen Bibliotheken 2014:
In wissenschaftlichen Bibliotheken fanden 2014 rund 967 Ausstellungen und 2.216 sonstige kulturelle Veranstaltungen statt - Lesungen, Vorträge, Konzerte, Filmvorführungen u.v.m. - wurden angeboten.
Der Schwerpunkt der Veranstaltungsarbeit liegt in wissenschaftlichen Bibliotheken im Bereich der Vermittlung von Informationskompetenz. 
2014 wurden mindestens 52.365 Stunden Benutzerschulungen mit 544.822 Teilnehmern durchgeführt (DBS 2014).

Vergleich Bibliotheken - andere Kultureinrichtungen

Hier ein Beispiel aus Bremen. Besuche in Bremen 2014 gesamt: 

  • Öffentliche Bibliothek: 2 Mio.
  • Museen (10 Einrichtungen): 630.000
  • Theater: 170.000

Quelle: Statistisches Landesamt Bremen: Bremen in Zahlen 2015
http://www.statistik.bremen.de/sixcms/detail.php?gsid=bremen65.c.2056.de


Welchen Return on Investment (ROI) haben Bibliotheken?

Mit Hilfe von umfangreichen Forschungsstudien lässt sich der Return-on-Investment einer Bibliothek schätzen, d.h. der Mehrwert, den eine Bibliothek pro investiertem Euro erbringt. Diese Studien beruhen i.d.R. auf Fragestellungen der folgenden Art:

  • wie viel Geld wären die Benutzer/innen bereit, für die Bibliotheksnutzung zu bezahlen? Oder umgekehrt: was müsste man ihnen bezahlen, damit sie auf die Bibliotheksnutzung verzichten?
  • wie viel Zeit investieren die Benutzer/innen in die Bibliotheksnutzung? Oder umgekehrt: wie viel Zeit sparen Sie durch die Bibliotheksnutzung? Dieser Zeitaufwand wird dann mit Hilfe eines fiktiven Durchschnittslohns in Geld umgerechnet

Drei exemplarische Studien gibt es mittlerweile in Deutschland:

  • Stadtbibliothek Berlin-Mitte (2006)

Blanck, Sandra: Wert- und Wirkungsmessung in Bibliotheken
in: Neues für Bibliotheken, Neues in Bibliotheken. - Wiesbaden : Dinges & Frick, 2006. - 178 S. : III.
(B.I.T.online - Innovativ ; 12)
Ergebnis: Die Stadtbibliothek Mitte erzielt für jeden investierten Euro einen Wert von 3,2 Euro (ROI: 1 : 3,2)

  • Stadtbibliothek Melle (2009)

Ulrike Koop: Wirkungsmessung für Bibliotheken unter besonderer Berücksichtigung des Return on Investment . - FH Osnabrück, Masterarbeit 2009
https://www.hs-osnabrueck.de/fileadmin/HSOS/Studium/Studienangebot/Studiengaenge/Masterstudiengaenge/WiSo/Hochschul-_und_Wissenschaftsmanagement/pdf/AP_18_Wirkungsmessung_fuer_Bibliotheken_Koop.pdf

Ergebnis: Allein für den Bereich der Medienausleihe (ohne Veranstaltungen, Vor-Ort-Nutzung, Leseförderung usw.) entsteht ein theoretischer ökonomischer Gewinn von 7,60 Euro für jeden Euro, der in die Stadtbibliothek investiert wird.

Die Stadtbibliothek Melle ist ihren Kunden viel wert / Theoretischer Jahresgewinn von drei Millionen Euro errechnet. - in: BuB 2009, Heft 10, S. 675

  • Technische Informationsbibliothek / Universitätsbibliothek Hannover (2010)

Die TIB - Zukunft mit MehrWert : Eine Studie zu Wert und Nutzen der Technischen Informationsbibliothek durchgeführt von tns infratest. - Hannover: TIB, 2010
http://www.tib-hannover.de/fileadmin/presse/tib-studie-2010.pdf

Ergebnis
: "Aus jedem Euro öffentlicher Finanzierung generiert die TIB 3,80 Euro Mehrwert. Damit schafft sie für ihre Kunden einen 3,8 Mal höheren Nutzen als sie kostet. Aus 23 Millionen Euro jährlicher Förderung erwirtschaftet die TIB 87 Millionen Euro für die deutsche Wissenschaftsgesellschaft."
(Quelle: TIB-Pressemeldung zur Studie, http://www.tib.uni-hannover.de/de/aktuelles/aktuell/newsdetail/article/der-volkswirtschaftliche-nutzen-der-tib-beeindruckt/62.html )

Vor allem aus Kanada und Nordamerika gibt es weitere Studien:

  • Toronto Public Library (2013)

Martin Prosperity Institute (Hrsg.): So much more: The Economic Impact of the Toronto Public Library on the City of Toronto, December 2013
http://www.torontopubliclibrary.ca/content/about-the-library/pdfs/board/meetings/2013/dec09/10_1.pdf

Ergebnis: Die Einwohner der größten kanadischen Stadt erhalten für jeden in diese Einrichtung investierten Dollar einen Gegenwert von 5.63 Dollar. Die gesamte wirtschaftliche Wertschöpfung der Bibliothek beläuft sich für die Stadt Toronto auf 1 Mrd. Dollar.

  • Texas Public Libraries (2011)

Texas Public Libraries: Economic Benefits and Return on Investment, prepared for Texas State Library and Archives Commission by University of Texas at Austin, December 2012
https://repositories.lib.utexas.edu/bitstream/handle/2152/19093/bbr-2012-texas-public-libraries.pdf?sequence=2&isAllowed=y

Ergebnis: Die Texas Public Libraries erzielten für jeden investierten US-Dollar einen Wert von 4,42 US-Dollar. Die gesamte wirtschaftliche Wertschöpfung der Bibliotheken beläuft sich für Texas auf 2,4 Mrd. US-Dollar.

Hintergründe und weitere Informationen

Zusammenfassung der Ansätze:
Witzler, Gudrun: Wert und Wirkung von Bibliotheken.
http://www.opus-bayern.de/bib-info/volltexte/2008/485/

Analyse und Zusammenfassung der bisher durchgeführten Studien:
Cornelia Vonhof: Chasing a Ghost? Wirkungsmessung für Öffentliche Bibliotheken - Internationale Ansätze http://www.opus-bayern.de/bib-info/volltexte/2009/693/

"Worth their Weight - An Assessment of the Evolving Field of Library Valuation" (Americans for Libraries Council, 2007)


Bibliotheks-Rechner

Der gesellschaftliche Wert von Bibliotheken ist nur sehr schwer zu quantifizieren. Auf einer sehr abstrakten Ebene versuchen dies die "Return-on-Investment-Studien".

Auch der individuelle Wert der Bibliothek für jede/n einzelne/n Bibliotheksnutzer/in  - als Lernort, Treffpunkt, Informationszentrum, Raum für Konzentration, Fenster zur Welt, und vieles mehr - ist nicht monetär zu beziffern.

Recht einfach lässt sich jedoch berechnen, wie viel die Medien und Dienstleistungen kosten, die bei einem normalen Bibliotheksbesuch genutzt wurden. Dies kann als Instrument der Öffentlichkeitsarbeit, aber auch in einzelnen Gesprächen für Aha-Effekte sorgen.

Der Bibliotheksrechner ist ein einfaches Tool für diesen Zweck. Er steht auf dem Bibliotheksportal zur Verfügung und kann von jeder Öffentlichen Bibliothek auf ihrer Website eingebunden werden.
http://www.bibliotheksportal.de/service/kalkulator.html

  • Mit dieser "Rechenmaschine" kann der Wert von genutzten Medien und Diensten leicht berechnet werden
  • Links in die Tabelle wird eingegeben, wie viele Medien oder Angebote genutzt wurden
  • Rechts wird der geschätzte Wert der Dienstleistungen angezeigt. Der Gesamtwert erscheint am Ende der Tabelle.

Für wissenschaftliche Bibliotheken lässt sich der Rechner aufgrund von sehr breit gestreuten Durchschnittspreisen, die je nach Fach und Dienstleistungsprofil stark variieren, leider nicht einsetzen.