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Bibliothekskunden in die Lobbyarbeit einbeziehen

An manchen Punkten kann es sinnvoll sein, mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen die Besucher und Leser der Bibliothek in die Lobbyarbeit einzubinden und ihr damit Nachdruck und Gewicht zu verleihen.

Dabei sind nicht nur Fragen nach der Botschaft, den Zielgruppen und dem richtigen Vorgehen zu bedenken: für viele der Instrumente gibt es auch rechtliche und organisatorische Vorgaben, die berücksichtigt werden müssen. Aktivitäten in sozialen Netzwerken (z.B. eine Facebook-Gruppe) sind in dieser Hinsicht am einfachsten umzusetzen.

Folgende Fragen spielen bei der Entscheidung, ob und wie eine Aktion mit Bibliothekskunden durchgeführt werden soll, eine Rolle:

  • Was ist die Kernbotschaft (vgl. Abschnitt Kommunikation)
  • Wen soll die Aktion erreichen? Entscheidungsträger, die Presse, andere Bürger?
  • Wer organisiert die Aktion? Richtet sich eine Aktion gezielt an einen Bibliotheksträger, ist die Bibliotheksleitung aufgrund ihres Arbeitsverhältnisses mit dem Träger nur sehr bedingt einzubeziehen. Die Organisation muss also außerhalb der Bibliothek erfolgen, z.B. durch einen Freundeskreis, eine Elterninitiative, usw.
  • Welches ist die richtige Aktionsform für die Unterstützer? Wie viel Einsatzbereitschaft ist zu erwarten? Reicht die Aktivität für eine Demonstration, oder wäre eine Postkartenaktion angemessener?
  • Wie viele  Menschen werden bereit sein, das Anliegen zu unterstützen? (Beispiel: 100 Teilnehmer an einer Demonstration sind eindrucksvoll, 100 Unterschriften bei einer Unterschriftensammlung eher nicht) 
  • Wird die Botschaft der Aktion an der richtigen Stelle gehört werden? (z.B.: geht die Demo am Rathaus / am Bibliotheksgebäude vorbei? Welche Adresse soll für die Postkartenaktion verwendet werden?)

Hier einige Beispiele und Hinweise für Aktionen, die die Bibliothekskunden einbeziehen.


Unterschriftenaktion

1. Vorbereitung einer Petition

  • Vor der Durchführung einer Petition müssen Sie sich entscheiden in welcher Form Sie die Aktion durchführen möchten. Sie können dies auf die klassische Weise tun, indem Sie Unterschriften auf Papier sammeln oder online eine Petition starten. Auch eine Kombination aus beiden Kanälen ist möglich, so kann man eine noch breitere Öffentlichkeit ansprechen.
  • Ihre Petition sollte einen klar erkennbaren Titel haben (z.B.: „Abgeordneter XY: Helfen Sie bei der Umsetzung von …“ oder „Bibliotheken brauchen …“), der ihre Forderung verdeutlicht. Stellen sie in einem kurzen Text zu Beginn ihre Interessensgruppe kurz vor und benennen Sie unbedingt die Person, bzw. Behörde, an die Sie ihre Petition richten wollen. Sie können sich auch direkt an die Petitionsausschüsse der Landtage oder des Deutschen Bundestags richten.
  • Im Folgenden werden dann die Gründe für ihre Forderung genannt, genauso wie Vorteile und Chancen, die sich daraus ergeben. Bleiben Sie dabei stets sachlich. Am Ende sollten Sie noch einmal ihre Forderung stellen (z.B.: „Die Unterzeichneten fordern …“)
  • Sollten Sie sich für die klassische Variante entscheiden, sollten Sie zu ihrer Forderung und Begründung auch eine nummerierte Tabelle vorbereiten, in der sich die Unterstützer mit Name, Anschrift, Datum und Unterschrift eintragen können.

2. Durchführung

  • Überlegen Sie sich vor dem Start, an welchen Orten Sie viele Unterschriften sammeln können. In ihrer Bibliothek, in der Stadt oder auch in Schulen können Sie direkt auf Menschen zugehen und Sie auf die Unterschriftenaktion aufmerksam machen. Sie können auch Listen für einen begrenzten Zeitraum in verschiedenen Ämtern und Institutionen auslegen und anschließend wieder einsammeln. Dies sollte allerdings vorher abgesprochen werden. Sollte ihre Petition einen größeren Umfang haben, können Sie sich auch überlegen in der Stadt einen kleinen Stand aufzubauen, an dem Sie über ihre Forderungen informieren und Vorbeilaufende zum Mitmachen ermuntern, aber auch hier ist es wichtig, zuvor eine Erlaubnis einzuholen.
  • Mit einer Online-Petition ist allgemein weniger Aufwand verbunden. Hierbei lohnt es sich über E-Mail auf die Aktion aufmerksam zu machen. Webseiten, Blogs und Social Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter eignen sich hervorragend um Aufmerksamkeit zu erregen, den Aufruf unter Nutzern zu verbreiten und eine öffentliche Diskussion anzuregen. Hier können Sie auch auf weiteres Infomaterial aufmerksam machen und Links oder Banner zum Teilen zur Verfügung stellen.
  • Online können Sie ihre Petition z.B. über die Petitionsausschüsse ihres Landtages einreichen. Dort gibt es oft schon Formulare und weitere hilfreiche Tipps. Auch der Deutsche Bundestag hat einen Petitionsausschuss: (http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse18/a02/). Hier kann man öffentliche Petitionen einreichen, die vier Wochen lang über ein Diskussionsforum auf der Homepage des deutschen Bundestages diskutiert und unterzeichnet werden können. Allerdings müssen hierbei die Richtlinien genau beachtet werden: http://www.bundestag.de/blob/381294/f6a28223ca8129e1fcc2556ba00dc0ba/richtlinie-fuer-die-behandlung-von-oeffentlichen-petitionen--oep--data.pdf
  • Weitere Möglichkeiten bieten u.a. auch die Plattformen Open Petition Deutschland (https://www.openpetition.de) oder Change.org (https://www.change.org).
  • Es ist wichtig in der Petition darauf aufmerksam zu machen, warum ein Handeln notwendig ist. Gerne können Sie Fakten nennen, um ihre Argumentation zu unterstützen. Motivieren Sie die Menschen zu unterzeichnen. Schaffen Sie einen Anreiz, der deutlich macht, wie man mit einer Unterschrift eine Lösung herbeiführen könnte.

3. Auswertung und Übergabe

  • Nachdem ihre Unterschriftenaktion abgeschlossen ist, sollten Sie zur Archivierung unbedingt eine Kopie anfertigen. Im Anschluss sollten die Ergebnisse an eine einflussreiche Person (im besten Fall die Person, an die Sie die Petition gerichtet haben) überreicht werden. Bitten Sie diese Person um eine Stellungnahme.
  • Die größte Wirkung erzielt eine persönliche Übergabe. Laden Sie Pressevertreter und Unterstützer ihrer Aktion ein, um die Aktion medienwirksam festzuhalten.

4. In Kontakt bleiben

  • Verfolgen Sie die Ergebnisse und die Auswirkungen ihrer Petition weiter. Wenn Sie mit den Entscheidungsträgern in Kontakt bleiben, ist es wahrscheinlich, dass ihr Anliegen nicht unbearbeitet bleibt. Informieren Sie auch ihre Unterstützer über mögliche Fortschritte oder weitere Aktionen zum Thema.

Gute Beispiele aus der Praxis

Right to E-Read
http://eread.bvoe.at

Eine Petition an die Europäische Kommission und die Österreichische Bundesregierung (initiiert von EBLIDA (www.eblida.org).
Right to E-Read fordert eine Änderung des Urheberrechts, um E-Books zu fairen Konditionen in Bibliotheken anbieten zu können, eine angemessene Vergütung für Autoren gewährleisten zu können und einen ungehinderten Zugang zu digitalen Werken zu schaffen.

Die Petition konnte schon viele Unterstützer finden. Dazu beigetragen hat eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit und die Kooperation mit anderen Vereinen und Institutionen. Auch der Deutsche Bibliotheksverband hat sich in diesem Zusammenhang engagiert (Weitere Infos dazu hier: http://www.bibliotheksverband.de/dbv/kampagnen/e-medien-in-der-bibliothek.html)


Postkartenaktion

Im Bibliotheksbereich gibt es einige Beispiele für Postkartenaktionen:

Postkartenaktion des dbv-Landesverbands Bayern gegen Kürzung der Landeszuschüsse für Bibliotheken 2005
http://www.bibliotheksverband.de/landesverbaende/bayern/aktivitaeten.html
http://www.bibliotheksverband.de/fileadmin/user_upload/Landesverbaende/Bayern/LV-Bayern_Jahresbericht2005.pdf

Postkartenaktion "Bücher in Not" der Bibliothek der Brüder Grimm
https://idw-online.de/en/news1923

Zur Organisation gehören u.a. folgende Aufgaben:

  • Adressat und Zeitplan bestimmen: An wen richtet sich die Aktion genau? Welche Adresse steht auf der Karte? Bis wann müssen die Karten dort eingehen? Gibt es eine Deadline?.
  • Karte gestalten (Die Kernbotschaft in Text und Bild, am besten vom Grafiker), ViSdP-Hinweis nicht vergessen.
  • Karten drucken lassen, Druck- und Vertriebskosten planen.
  • Ein Informationsblatt gestalten, das Hintergründe erklärt und weitere Informationen enthält.
  • Vertriebswege: wie soll die Karte an potentielle Absender verteilt werden? (Auslegen in der Bibliothek, Verteilen auf Veranstaltungen, Versand über verfügbare Adresslisten 
  • Downloadmöglichkeit von Website erzeugen, Texte zur Verfügung stellen
  • Wie sollen die Teilnehmer die Karte absenden (Sammlung in der Bibliothek / auf einer Veranstaltung / selbstständig per Post?).
  • Wie kommen gesammelte Karten zum Adressaten (Übergabe =  eigenständige Aktion?

Demonstration

Beim Organisieren einer Demonstration sind sowohl inhaltliche als auch organisatorische Aspekte zu beachten. Eine Einführung gibt der "AK Vorrat", ein Bündnis gegen die Vorratsdatenspeicherung:

http://wiki.vorratsdatenspeicherung.de/Organisation_einer_Demonstration

Einige Hinweise zur Durchführung einer Demonstration:

  • Jede Demonstration muss rechtzeitig angemeldet werden  und darf nur nach erteilter Genehmigung durchgeführt werden. In größeren Städten erfolgt die Anmeldung beim Ordnungsamt (In Berlin: beim Polizeipräsidenten in Berlin, LKA), in kleineren weiß das Bürgeramt, an wen man sich zu wenden hat. 
  • Es gelten die Bestimmungen des Versammlungsgesetzes.
  • Es ist zu unterscheiden zwischen einer a) öffentlichen Veranstaltung und einer b)politischen Demonstration:

Zu a) hier sind Genehmigungsgebühren zu zahlen und eine Versicherung für die Veranstaltung ist abzuschließen (wie Sportveranstaltungen in der Stadt); genaue Voraussetzungen für eine Genehmigung erteilt die Stadtverwaltung.

Zu b) eine politische Demonstration steht unter dem Schutz der Polizei, muss ein Motto oder Slogan als ‚politische Aussage‘ angeben (zB.: Mehr Bildung durch Bibliotheken) und bedarf keines eigenen Versicherungsabschlusses. Der Veranstalter muss kenntlich sein.

  • Voraussetzung für die Beantragung ist, dass ein Leiter gemeldet wird, der für die ordnungsgerechte Durchführung der Demonstration verantwortlich ist. Der Leiter ist der Ansprechpartner für die Polizei.
  • Der Leiter bestellt eine der erwarteten Anzahl der Demonstranten entsprechende Anzahl von Ordnern. Diese müssen als solche erkennbar sein (Armbinde, T-Shirt oder ähnliches) und fungieren auch als Ansprechpartner. Sie müssen vom Organisator der Demonstration eingewiesen werden.
  • Bei einem politischen Demonstrationszug, also einer Demonstration, die nicht an einem festen Ort bleibt, sondern sich bewegt (durch die Stadt beispielsweise), muss die Route ebenfalls im Antrag festgelegt und genehmigt sein; spontane Abweichungen sind nicht erlaubt. Eventuelle ‚Bannmeilen‘ sind bei der Routenplanung zu berücksichtigen. Die Route sollte natürlich so erfolgen, dass auch Publikum erreicht und Aufmerksamkeit erregt werden. Handzettel, die an die Passanten mit dem Slogan und weiteren Informationen über den Hintergrund der Gründe für die Demonstration verteilt werden, sind vorteilhaft.
  • Bei genehmigten Demonstrationszügen, sogenannten ‚Aufzügen‘, gilt das Versammlungsrecht, nicht die Straßenverkehrsordnung. Die Polizei begleitet den Aufzug und garantiert bei Straßenkreuzungen ungehindertes Vorankommen durch Sperrung etc. Der Polizeischutz kann, falls erforderlich, auf Umleitungen ausweichen. Die Ordner achten darauf, dass der Zug geschlossen bleibt, also keine zu großen Lücken aufweist
  • Bei Aufzügen mit dem Fahrrad gilt das gleiche, Fahrradwege sollen in diesem Fall nicht benutzt werden.
  • Es ist ratsam, den wartenden Autofahrern, wenn sie von der Polizei wegen des Demonstrationszugs gestoppt werden, erläuternde Handzettel zu reichen.
  • Die Tonlage kann zwar variieren, die Aussage sollte auf jeden Fall jedoch bleiben (nicht zu viel, nicht verwässern)
  • Treffpunkt: der Ausgangspunkt der Demonstration muss verkehrsgünstig liegen und muss groß genug sein, dass die sich allmählich versammelnden Demonstranten den Verkehr oder das Umfeld nicht behindern.
  • Zu planen ist das Erreichen des Ziels: wo soll der Zug enden, soll es eine Abschlussrede, eine Pressekonferenz oder andere Aktion zum Ende geben? Soll sich der Zug einfach auflösen?
  • Mit neuen Medien, wie „ live streaming“, kann man die Demonstration noch ‚erweitern‘ und später als Lobbymaterial weiternutzen

Bürgerbegehren

Die Regularien für Bürgerbegehren sind in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. Einen Überblick über das Verfahren und den Ablauf gibt der "Wegweiser Bürgergesellschaft":

http://www.buergergesellschaft.de/praxishilfen/buergerbegehren-und-buergerentscheid/103460/ 


Unterstützungsgruppe in sozialen Netzwerken

Soziale Netzwerke sind mittlerweile für wissenschaftliche und Öffentliche Bibliotheken gleichermaßen von großem Interesse. Die vielfältigen Möglichkeiten bieten größere Plattformen, um seine Nutzer und Besucher zu informieren und in die Arbeit Ihrer Bibliothek mit einzubeziehen. Um sich einen Unterstützerkreis im Internet aufzubauen, sollten Sie folgende Punkte beachten:

• Suchen Sie sich eine geeignete Online-Plattform zur Kommunikation aus, z.B. Facebook, Twitter oder einen Blog
• Erarbeiten Sie eine Social Media-Strategie: Wen wollen Sie ansprechen? Was wollen Sie mit Besuchern der Seite teilen? In welchem Format soll das Ganze bereitgestellt werden (z.B. regelmäßige Kurzartikel zu bestimmten Themen, Fotos …)?
Beispiel: Die Social Media-Strategie der Staatsbibliothek zu Berlin
http://staatsbibliothek-berlin.de/die-staatsbibliothek/portraet/social-media-strategie/
• Verfassen Sie regelmäßig Beiträge, um die Nutzer auf dem Laufenden zu halten oder auch mal zu überraschen
• Treten Sie mit Besuchern ihrer Plattform in einen Dialog. Auch online lassen sich relevante Themen erörtern und diskutieren. Sie können ihren Standpunkt darlegen und nach dem Meinungen anderer fragen und so ihr Netzwerk vergrößern. Bleiben Sie bei Kritik ruhig und überlegen Sie sich zusammen mit Ihrem Social Media Team, wie Sie reagieren möchten.
• Für viele Social Media-Kanäle gibt es hilfreiche Tools, mit denen man z.B. Besucherzahlen und Kommentare auswerten kann

Weiterführende Links:

„Veränderungsmanagement bei der Implementation einer Social-Media-Strategie“ (das bibliothekswissen, Markus Trapp, 10.03.2015, Quelle: Verlag Dashöfer GmbH)

„Die Bibliothek ist immer und überall – Internetangebote der Stadtbibliothek Erlangen“ (Marlene Neumann in: Forum Digitale Bibliothek – Bibliotheksforum Bayern 07/2013)

„Social Media Kommunikation und wissenschaftliche Bibliotheken – Ein Angelausflug  mit der ETH-Bibliothek“ (Maximiliane Okonnek in: b.i.t. online 16 (2013) Nr.4)