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Der Werkzeugkasten in der Praxis - Ein Fallbeispiel zum Einstieg

Durch die Insolvenz eines ansässigen Großbetriebs leidet die Stadt A unter massiven Steuerausfällen. Es kommt zu negative Auswirkungen auf alle städtischen Einrichtungen. Im Falle der Bibliothek wird über die Schließung einer Zweigstelle diskutiert. Die Leitung der Bibliothek will mit geeigneten Maßnahmen versuchen, dies zu verhindern.

1.    Die Leitung der Bibliothek legt zunächst das Kernziel, ihre wichtigsten Botschaften und Zielgruppen fest, an die sie sich wenden will. Dabei hilft ihr das Kapitel "Kommunikation".

2.    Die Zweigstellenschließung muss vom Stadtrat beschlossen werden. Die Bibliotheksleiterin Frau B. ermittelt zunächst, wie der Entscheidungsweg verläuft, welche Gremien das Anliegen beraten und welche Termine zu beachten sind. Dafür muss sie die lokalen Strukturen, Entscheidungswege und aktuelle Diskussionen kennen.

3.    Die Bibliothek ist für diese Krisensituation bereits gut aufgestellt: sie hat langfristig daran gearbeitet, dass sie in der Gemeinde einen starken Rückhalt hat. Es ist Frau B. bereits früher gelungen, Lokalpolitiker in die Bibliothek einzuladen, die Bibliothek hat einen aktiven Freundeskreis, und sie verfügt über zahlreiche Kooperationen mit anderen Einrichtungen. An anderen Stellen zeigen sich jetzt aber Lücken, z.B. existiert kein ausformuliertes Bibliothekskonzept. Das Kapitel "Strategien zur Zukunftssicherung" benennt einige Maßnahmen, die langfristig die Stellung der Bibliothek stärken können.

4.    Wichtige Ansprechpartner für das Anliegen der Bibliothek sind die Mitglieder des Stadtrats und der örtlichen Parteien. Für die Kommunikation mit Politikern gibt es Tipps im Kapitel "Mit Politikern sprechen".

5.    Die Bibliotheksleitung, ihre Unterstützer und die Mitglieder des Freundeskreises bemühen sich um eine breite und positive Unterstützung ihres Anliegens durch die Medien. Sie nutzen dafür die Hinweise im Kapitel "Mit Medien arbeiten".

6.    Viele Besucher der Bibliothek bekunden ihre Solidarität mit dem Anliegen der Bibliothek. Der Freundeskreis organisiert eine Postkartenaktion und eine kleine Demonstration. Dabei helfen ihm die Hinweise in Kapitel "Nutzerinnen und Nutzer einbeziehen".

7.    Die Kampagne kommt in die heiße Phase. Die Bibliotheksleitung und die Unterstützer der Bibliothek setzen sich nun oft  in Interviews, in zahlreichen Gesprächen bei offiziellen und inoffziellen Anlässen gegen die Zweigstellenschließung ein. Auf die typischen Fragen und Haltungen, die ihnen dabei  häufig begegnen, haben sie sich mit wirksamen Botschaften vorbereitet.

8.    Die Bibliotheksleiterin präsentiert ihr Anliegen im Kulturausschuss. Sie greift dabei zwei Themen auf, die die Stadt sich besonders zu Eigen gemacht hat: das Thema Integration von Migranten und das Thema Bildungspartnerschaften mit Schulen. Zu diesen und sieben weiteren bibliothekspolitischen Kernthemen finden Sie im Kapitel "Themen" Informationsblätter mit wenigen Kernaussagen, aktuellen Zahlen und anschaulichen Beispielen.

9.    Frau B. verwendet für ihre Präsentation aus dem Kapitel Statistiken und Zahlenmaterial, das die Notwendigkeit einer Zweigstelle in einer Stadt ihrer Größenordnung stützt.

10.    Um ihren Argumenten mehr Rückhalt zu geben, bezieht sich Frau B. auch auf überregionale Positionspapiere und fachliche Standards. Sie kann sich außerdem auf das Bibliotheksgesetz des  benachbarten Bundeslandes und auf weitere politische Papiere berufen.

Mit knapper Mehrheit spricht sich der Stadtrat gegen die Schließung der Zweigstelle aus.