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NS-Raubgut

Bibliotheken haben im Dritten Reich auf verschiedene Weise von den Beutezügen und Unterdrückungsmaßnahmen des NS-Regimes profitiert: Sie dienten als Sammelstellen für verbotene Literatur, waren Nutznießer von der Enteignung der aus rassischen und politischen Gründen verfolgten Personen und Körperschaften und erhielten Zuweisungen aus den während des Krieges als Beutegut verschleppten Büchern und Bibliotheken.

In einer gemeinsamen Erklärung "zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes" haben Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände im Dezember 1999 ihre Bereitschaft erklärt, das noch im Besitz öffentlicher Einrichtungen befindliche NS-Raubgut zu ermitteln und an die rechtmäßigen Besitzer zurückzuerstatten. Die erstmals im Februar 2001 vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien dazu veröffentlichte Handreichung fordert auch die Bibliotheken auf, in ihren Beständen nach NS-Raubgut zu suchen.

Wichtige Adressen und Online-Ressourcen

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste (DZK)
Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste ist der zentrale Ansprechpartner zu Fragen unrechtmäßiger Entziehungen von Kulturgut in Deutschland. Es fördert Provenienzforschung über finanzielle Zuwendungen und dokumentiert Kulturgutverluste als Such- und Fundmeldungen in der Datenbank "Lost Art". Der Bund, alle Länder und die drei kommunalen Spitzenverbände haben das Zentrum zum 1. Januar 2015 als rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Magdeburg gegründet.

Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen
Das Bundesamt verwaltet  Archivalien aus der NS-Zeit, die im Zusammenhang mit Vermögensentziehungen entstanden sind, und Zweitakten zu nahezu allen in der Bundesrepublik durchgeführten Rückerstattungs- und Entschädigungsverfahren. Es verfügt damit über einen eminent wichtigen Quellenfundus und muss in Restitutionsverfahren einbezogen werden, um den Abgleich mit eventuell bereits erfolgten Wiedergutmachungsleistungen zu gewährleisten.

DZK-Portal
Nicht öffentliches, vom deutschen Zentrum für Kulturgutverluste betriebenes Kommunikationsportal, das auch dem "Arbeitskreis Provenienzforschung und Restitution - Bibliotheken" als Forum für Informationen und Diskussionen dient. Unterteilt in verschiedene "Räume" mit jeweils begrenztem Zugriff. Anmeldung nur für MitarbeiterInnen öffentlicher Einrichtungen möglich.

Lost-Art-Datenbank
Die Lost Art-Internet-Datenbank dient der Erfassung von Kulturgütern, die infolge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der Ereignisse des Zweiten Weltkriegs verbracht, verlagert oder verfolgungsbedingt entzogen wurden. Sie wird vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg betrieben.

Commission for Looted Art in Europe
Die Commission for Looted Art in Europe ist ein wichtiger Ansprechpartner für die Recherche nach den Erben von NS-Raubgut aus jüdischem Besitz. Sie unterhält die Datenbank "Central Registry of Information on Looted Cultural Property 1933-1945", die länderübergreifend Suchmeldungen nach in der NS-Zeit enteignetem Besitz verzeichnet und umgekehrt auch für die Suche nach Vorbesitzern und deren Erben genutzt werden kann.

Grundlagen und Materialien

>Neu erschienen<
Stefan Alker, Bruno Bauer und Markus Stumpf: NS-Provenienzforschung und Restitution an Bibliotheken, Berlin u.a. 2017.
Verlagsinfo

Handreichung zur Umsetzung der „Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz", vom Dezember 1999, vom Februar 2001, überarbeitet im November 2007

Leitfaden für die Ermittlung von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut in Bibliotheken, 2005.

Offener Brief des IV. Hannoverschen Symposiums, 2011.

Theresienstädter Erklärung, 2009 (deutsche Übersetzung).

Hannoverscher Appell des Symposiums Jüdischer Buchbesitz als Beutegut, 2002.

Stellungnahme des dbv zu im Nationalsozialismus enteigneten Kulturgütern , 15. Dezember 1999
Der Deutsche Bibliotheksverband unterstützt nachdrücklich die Initiativen zur Auffindung der durch NS-Unrecht entzogenen Kulturgüter (vgl. auch Beiratssitzung vom 29./30.9.1999). Der dbv schließt sich der im Folgenden abgedruckten gemeinsamen politischen Grundsatzerklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände, die von der KMK am 9.12.1999 beschlossen worden ist, an. Alle Mitgliedsbibliotheken sind aufgefordert, die bereits begonnenen Bemühungen fortzusetzen und die Umsetzung der nachfolgenden Grundsätze zu fördern.

Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz, 9. Dezember 1999

Grundsätze der Washingtoner Konferenz in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden (Washington Principles), 3. Dezember 1998