LeseZeichen: Kinderliteratur mit den Augen hören - Freude am Lesen vermitteln
Projektbeschreibung
Die Kinder- und Jugendbibliothek der ZLB, der Gehörlosenverband Berlin e.V. und der Berliner Elternverein Hörgeschädigter e.V. stellten im Rahmen der Leseförderung in der Familie ein einzigartiges Projekt auf die Beine.
Während der Projektlaufzeit wurde einmal im Monat in der Bibliothek für hörgeschädigte Kinder und deren gehörlose oder hörende Eltern vorgelesen. In entspanntem Kreis wurde aus unterhaltsamen Bilderbüchern verschiedener Thematiken in Gebärdensprache durch Eltern, Großeltern und Kinder vorgelesen und parallel für Hörende übersetzt.
In alle Bücher führte eine Lektorin ein, die ebenfalls durch eine Gebärdensprachdolmetscherin übersetzt wurde.
Im Anschluss an die Lesung gab es die Möglichkeit für die Kinder sich über ein Bastelangebot zu dem Buch kreativ mit dem Medium zu beschäftigen. Zeitgleich bekamen die Eltern Tipps zum Lesen und Informationen zu aktuellen Entwicklungen auf dem Literaturmarkt, übersetzt von der Gebärdensprachdolmetscherin.
Nach der Veranstaltung konnten die Familien schmökern und Medien ausleihen. Neben den aufgeführten Zielen des Projekts sollte auch der Literaturbetrieb (Hersteller und Vermittler) für die Gebärdensprache als Form der Kommunikation sensibilisiert werden.
In Anlehnung an den Ansatz des generationsübergreifenden Lernens sollten einerseits die Kompetenzen der hörenden oder gehörlosen Eltern und ihren hörenden oder gehörlosen bzw. schwerhörigen Kindern im Bereich der Gebärdensprache gestärkt, andererseits den Kindern ein freudvoller Zugang zu Literatur, zum Lesen und zur Nutzung der Bibliothek ermöglicht werden. An Gehörlosenschulen wird viel Zeit darauf verwendet, den Kindern die deutsche Sprache, auch in der gesprochenen Form, beizubringen. Darunter leidet die Vermittlung von Inhalten. Gebärdensprache gibt die Möglichkeit, zu Inhalten vorzudringen, Bücher zu lesen, lautsprachliche Fähigkeiten zu verbessern.
Der Einsatz der Gebärdensprache sollte in der frühkindlichen Erziehung beginnen. Gehörlosen Menschen könnte es so gelingen, einen höheren Schulabschluss zu erlangen. Heute verlassen viele Gehörlose nach 10 Schuljahren die Gehörlosenschule mit den Lesefähigkeiten eines hörenden Viertklässlers.
Die Veranstaltung wurde kontinuierlich gut besucht (i.d.R.40-60 TeilnehmerInnen). Und etablierte sich zum festen Bestandteil in der Kulturlandschaft der Gehörlosen in Berlin. Die mit dem Projekt angesprochenen Familien nutzten zunehmend die Bibliotheks-angebote und ihre Kinder sind mittlerweile zum Teil aus dem Bilderbuchalter entwachsen.
Seit Januar 2010 gibt es in der Kinder- und Jugendbibliothek wieder ein vom Lionsclub unterstütztes Nachfolgeprojekt, wobei der Fokus nun auf der Zielgruppe der Bezugspersonen auch außerhalb der Familie wie Lehrer, Erzieher und Einzelfallhelfer mit gehörlosen Kindern/Jugendlichen liegt. Eingeplant sind auch spezielle Veranstaltungen für Schulklassen der E.A. Eschke Schule. Familien kommen weiterhin und so findet hier ein interessanter und fruchtbarer Austausch zwischen allen Bezugspersonen gehörloser Kinder im Hinblick auf Leseförderung statt. Thematisch hat sich das Spektrum der vorgelesenen Bücher entsprechend auf Sachliteratur erweitert. Geplant sind in diesem Zusammenhang Weiterbildungen in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Rehabilitationswissenschaft der Humboldt-Universität Berlin.
