Buchcasting - und die Jury seid ihr!
Projektbeschreibung
Ein bibliothekspädagogisches Angebot für bildungsferne Jugendliche, so unaufwändig und interaktiv wie möglich, dabei flexibel genug, um individuell auf die unterschiedlichen Klassen eingehen zu können - die Wunschliste war lang, als die "AG Jugend" in der Stadtbibliothek Bremen Anfang 2008 ihre Arbeit aufnahm. Es wurde geplant und wieder verworfen, es wurden Ideen gesammelt und mit Testklassen erprobt.
Seit September 2008 steht das Konzept - und es wird selbst von buchfernen Teenagern angenommen: In Anlehnung an die derzeit sehr beliebten Castingshows wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Topmodel" entstand das Konzept "Buchcasting".
Die "Kandidaten" sind dabei fünf aktuelle Jugendbücher, die sich der Jugend-Jury stellen. Wie bei einem richtigen Casting, müssen verschiedene Runden gemeistert werden:
In der ersten Runde geht es nur um den Buchtitel - der uninteressanteste Titel wird von der Jury raus gewählt.
In der nächsten Runde werfen die Jugendlichen einen kritischen Blick auf das Cover und auch hier muss - nach lebhaften Diskussionen - ein Buch die Runde verlassen.
Die beiden Bücher, die durch einen spannenden Klapptext Neugier wecken konnten, landen schließlich im spannenden Finale:
Hier entscheidet eine kurze Leseprobe darüber, welches Buch in der Gunst der Jury vorn liegt und die Auszeichnung "Superbuch der Klasse XY" erhält.
Das Ganze wird in mehreren Staffeln gespielt, wobei in jeder Staffel ein neues Jugendbuch-Genre kennenlernen - Fantasy- Thriller - Liebesroman.
Der Erfolg dieses Konzeptes liegt darin begründet, dass sich die Jugendlichen als Experten für "Jugendthemen" ernst genommen fühlen, ihr Urteil zählt. Die sehr einfache erste und zweite Runde ermöglichen es auch wenig wortgewandten Jugendlichen in das Casting-Geschehen einzugreifen. Im Lauf des Buchcastings lernen sie, ihr Votum vor den Mitschülern argumentativ zu stützen, lernen Kriterien für die Beurteilung von äußerem Erscheinungsbild, Klappentext und Inhalt eines aktuellen Jugendbuches zu entwickeln. Dies geschieht in einem moderierten Prozess spielerisch und selbstbestimmt, in Anlehnung an das den Jugendlichen bekannte und beliebte Konzept einer Casting-Show aus dem Fernsehen. Dadurch schwindet die oftmals zu beobachtende Scheu vor dem "guten", aber schwer zugänglichen Jugendbuch.
Auch eine geschlechtsspezifische Differenzierung ist mit diesem Konzept gut umsetzbar: In zwei getrennten Räumen wird das Buchcasting parallel nur mit den Jungen der Klasse bzw. nur mit den Mädchen der Klasse durchgeführt. Für die Jugendlichen eine ungewohnte, positive Situation, in der sie sich erfahrungsgemäß mehr öffnen und noch intensiver dikskutieren als in der gemischten Gruppe.
Die Stadtbibliothek Bremen hat sich bewusst für ein unkompliziertes Konzept entschieden, das problemlos von allen KollegInnen durchgeführt und beliebig oft in immer neuen Varianten wiederholt werden kann. Und am Schluss haben alle gewonnen:
Im Jahr 2009 setzten sich in den Buchcastings etwa 500 Bremer Jugendliche mit aktueller Jugendliteratur auseinander, liehen sich im Anschluss die Bücher aus, während die Jugendbibliothekkare durch die Castings einen kleinen Eindruck davon bekamen, welche Kriterien Jugendlichen bei der Beurteilung von Jugendbüchern besonders wichtig sind - um diese Erkenntnisse dann wiederum beim Buchkauf zu berücksichtigen.
