besten Casino

online casino Deutschland

Online Casinos fur Germanium

Bürgerschaftliches Engagement in Bibliotheken
Ein Handbuch für das Ehrenamts-Management. Stand: Mai 2011

2. Die Entscheidung zum ehrenamtlichen Einsatz


2.1. Chancen und Risiken

Was spricht für einen Einsatz in Bibliotheken?

Neben dem offensichtlichen Vorteil/Nutzen, dass durch das ehrenamtliche Engagement Angebote der Bibliothek eingeführt oder weitergeführt werden können, sind weitere positive Effekte zu benennen.

  • Frischer Wind: Ehrenamtlich Tätige verfügen meistens über einen anderen beruflichen Hintergrund als die Hauptamtlichen. Aus diesem Grund haben sie eine andere Sicht auf die Bibliothek und ihre Aufgaben, ihnen fehlt die "Bibliothekarsbrille". Ehrenamtlich Tätige können so wertvolle Anregungen und Ideen einbringen, die für die ausgebildete Bibliothekarin entweder zu nahe liegend ist, um sie zu entdecken, oder zu fremd.

  • Multiplikatorenfunktion: Ehrenamtlich Tätige reden über ihre Tätigkeit; mit Freunden, Familie, Bekannten, Nachbarn, dem Kollegium und wen sie sonst noch treffen. Sie laden andere in die Bibliothek ein und werben für sie und für die ehrenamtliche Tätigkeit.
  • Partizipation der Bürgerinnen: Durch die aktive Verbundenheit mit der Bibliothek verändert sich die Sichtweise auf dieselbe. Bürgerinnen, die sich für die Bibliothek engagieren, empfinden schnell auch eine emotionale Verbundenheit und ein Verantwortungsgefühl. Als Resultat kann eine verbesserte Verankerung der Bibliothek in der kommunalen Gemeinschaft erzielt werden.

Exkurs: Der Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements
Um wirklich eine verbesserte Verankerung in der kommunalen Gemeinschaft zu erreichen, sollte der ehrenamtliche Einsatz allerdings nicht das einzige Instrument der Bibliothek auf diesem Feld bleiben, sondern von weiteren Initiativen zur Ausweitung des bürgerschaftlichen Engagements umrahmt werden wie:

  • der Bereitstellung von Räumlichkeiten für Gruppen, die kommunale Interessen vertreten (z.B. Initiativen zur Nachbarschaftshilfe, Umweltschutzgruppen…)
  • der Kooperation mit anderen Einrichtungen des bürgerschaftlichen Engagements
  • der Einbeziehung von Bürgern in Entscheidungsprozesse
  • der Teilnahme der Bibliothek an lokalen Initiativen zur Verbesserung des Miteinanders in der Gemeinde/Stadt (auch wenn die Thematik nicht unmittelbar bibliotheksrelevante Interessen bedient. , denn die Teilnahme der Bibliothek soll signalisieren, dass sie in der lokalen Gemeinschaft verwurzelt ist).

Die englische Regierungsorganisation „Museums, Libraries and Archives Council“ (MLA) hat sich umfassend mit der Thematik befasst, weiterführende Informationen, Tipps und Umsetzungsbeispiele finden Sie auf deren Website unter: http://www.mla.gov.uk/.

Ein Vorbild für den deutschen Bibliothekssektor kann die Stadtbücherei Augsburg sein (siehe Erfahrungsberichte im Download-Bereich).

Welche Risiken sind mit dem Einsatz verbunden?
Bibliotheken wie auch andere kulturelle Einrichtungen nennen bei der Bewertung ihres ehrenamtlichen Einsatzes mehrere zentrale Problemfelder.

  • Entprofessionalisierung: die meisten ehrenamtlich Tätigen verfügen über keine bibliothekarische Ausbildung und damit nicht über bibliothekarisches Grundwissen und können daher bibliothekarisch ausgebildetes Personal nicht ersetzen. Dies muss bei der Auswahl von Arbeitsfeldern ebenso wie bei der Planung der Einarbeitungsphase bedacht werden. Der Betreuungsaufwand ist hoch. Im personalpolitischen Kontext ist zu beachten, dass die Besetzung von bibliothekarischen Stellen mit nicht ausgebildeten Kräften einer Entwertung der Ausbildung gleichkommt.
  • zusätzliche Arbeitsbelastung: Häufig wird der zeitliche Aufwand, den der ehrenamtliche Einsatz bei den Hauptamtlichen verursacht, unterschätzt. Gesa Birnkraut zitiert die Beraterin Susan Ellis folgendermaßen: "Um einen fest angestellten Mitarbeiter zu ersetzen, braucht man im Schnitt 26 Ehrenamtliche, deren Einsatzplan einem gigantischen Flickenteppich ähneln würde. Um diese Ehrenamtliche zu koordinieren, können Sie gleich noch einen Hauptamtlichen einstellen."[6] Ein ehrenamtlicher Einsatz, rein als Spar- oder Konsolidierungsmaßnahme gedacht, lohnt der weiteren Planung daher auch finanziell schon nicht.
  • fehlende Verbindlichkeit: Anders als das hauptamtliche Personal müssen ehrenamtlich Tätige keine Kündigungsfristen einhalten. Sie brauchen die ehrenamtliche Tätigkeit nicht zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts. Ein dauerhafter Einsatz ist zwar erstrebenswert, kann aber nicht vorausgesetzt werden. Vor allem bei der Übertragung von Aufgabenbereichen, die die Wahrung der Öffnungszeiten einschließen, muss dem Rechnung getragen werden, z. B. durch Doppelbesetzungen. Daneben ist zu beachten, dass sich die Auswahl an Sanktionsmaßnahmen recht eingeschränkt gestaltet. Die Führung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfordert viel Fingerspitzengefühl.

Nach oben

2.2. Kommt der ehrenamtlichen Einsatz für unsere Bibliothek in Frage?

Damit der Einsatz von ehrenamtlich Tätigen eine Bereicherung für eine Bibliothek wird, sind vorab bestimmte Fragen zu klären:

  • Kann die Bibliothek die Kosten tragen? Auch wenn die ehrenamtlich Tätigen unentgeltlich arbeiten, ist ihr Einsatz nicht umsonst zu haben. Es entstehen personelle Kosten für die Planung und Verwaltung des Einsatzes und die Schulung der ehrenamtlich Tätigen. Daneben können finanzielle Kosten für Aufwands­entschädigungen oder für die verschiedene Formen der Anerkennung anfallen. Letztendlich muss dem ehrenamtlich Tätigen auch ein der Aufgabe entsprechender Arbeitsplatz zur Verfügung stehen. (siehe Kapitel „Kostenrechnung“)
  • Gibt es Aufgaben, die sich für den ehrenamtlichen Einsatz eignen? Die Aufgaben, mit denen ehrenamtlich Tätige betraut sind, sollten sich von denen der Hauptamtlichen unterscheiden, eine Überlappung der Aufgabenbereiche ist, soweit möglich, zu vermeiden. Die deutliche Unterscheidung zwischen den beiden Gruppen fördert den gegenseitigen Respekt. Dieser Schritt wirkt auch der Angst vor der Substitution Festangestellter durch ehrenamtlich Tätige entgegen. Gleichzeitig wird den ehrenamtlich Tätigen durch einen eigenen Tätigkeitsbereich die Möglichkeit gegeben, Expertinnen zu werden. Daneben ist bei der Auswahl der Aufgabenbereiche zu bedenken, dass die Arbeit Spaß machen oder den Interessen der ehrenamtlich Tätigen entsprechen muss, ansonsten werden sie sich nicht (lange) engagieren. Die ehrenamtliche Tätigkeit steht in Konkurrenz zu anderen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten. Da ehrenamtlich Tätigen das Gehalt als Anreiz für die Arbeit fehlt, müssen die Aufgaben die individuellen Motive der ehrenamtlich Tätigen ansprechen. Argumentieren Sie emotional. Es ist einfacher, ehrenamtlich Tätige zu gewinnen, wenn diese sich durch die Thematik emotional angesprochen fühlen. Als Aufhänger eignet sich z. B. die Aufwertung des Stadtteils oder die Verbesserung des Angebots für Kinder.
  • Ist die Schaffung eines "ehrenamt-freundlichen" Klimas im Bibliothekskollegium möglich? Der Einsatz von ehrenamtlich Tätigen kann nur gut funktionieren, wenn ein offenes Vertrauensverhältnis zwischen den hauptamtlich und den ehrenamtlich Tätigen besteht. Abhängig von den bibliotheks­spezifischen Voraussetzungen kann es viel Überzeugungsarbeit und Aufklärung bedürfen, dieses zu schaffen. Deshalb sollte im Vorfeld geklärt werden, ob und wenn ja, welche Vorbehalte unter den Mitarbeiterinnen bestehen und ob diese beseitigt werden können. Weitere Erläuterungen zu dem Thema finden Sie im Kapitel „Die Zusammenarbeit von hauptamtlich und ehrenamtlich Tätigen“.

Nach oben

2.3. Erste Schritte...

Bibliotheken agieren - gerade bei Themen wie dem Bürgerschaftlichen Engagement - nicht im luftleeren Raum. In jeder Kommune gibt es Personen und Einrichtungen, die sich bereits mit der Thematik beschäftigen und Institutionen, die schon lange ehrenamtlich Tätige in ihre Organisation integriert haben. Vor allem Sozialverbände wie die Arbeiterwohlfahrt oder das Deutsche Rote Kreuz sind in diesem Bereich sehr aktiv. Verschaffen Sie sich zu Beginn einen Überblick über aktuelle Angebote zum Bürgerschaftlichen Engagement und Ehrenamt in Ihrer Stadt oder Gemeinde und nehmen Sie Kontakt zu den Verantwortlichen auf. Ein zusätzliches Angebot für Freiwillige kann die Arbeit anderer Einrichtungen tangieren, eine frühzeitige Abstimmung mit anderen Aktiven verhindert den Eindruck, dass Sie in fremden Gefilden wildern.
Gleichzeitig lassen sich Möglichkeiten der Kooperation ausloten. Profitieren Sie von den Erfahrungen, vernetzten Sie sich! So können Sie einen zusätzlichen Nutzen für Stadt oder Gemeinde schaffen. Die Bibliothek profitiert durch Profilierung und Verwurzelung in der kommunalen Gemeinschaft.
In einigen Bundesländern finden in regelmäßigem Abstand Messen statt, auf denen Kooperationen und Netzwerke gegründet, Ideen zum ehrenamtlichen Engagement beraten und getauscht werden. In Mecklenburg-Vorpommern werden sie Ehrenamt-Messen (http://www.ehrenamtmessen-mv.de/) genannt, in Thüringen heißen sie Marktplätze der „Guten Geschäfte“ (http://www.thueringer-ehrenamtsstiftung.de/Marktplaetze.157.0.html), in Berlin Freiwilligenbörse (http://www.berliner-freiwilligenboerse.de/).

Für die Planung eines ehrenamtlichen Einsatzes ist es außerdem wichtig zu wissen, mit welcher Unterstützung Sie von Seiten der Kommune rechnen können. Informieren Sie sich deshalb über die Bedeutung, die Bürgerschaftlichem Engagement seitens der lokalen Politik und Verwaltung zugemessen wird. Die Praxis zeigt, dass die Unterstützung einer überzeugten Verwaltung vieles möglich macht. Inwieweit der Einsatz ehrenamtlich Tätiger Rückhalt aus der Politik genießt, sollten Sie ebenfalls vor dem Start des Projektes eruieren. In jedem Fall sollte behördenintern die Personalverwaltung in den Prozess eingebunden und über die Prozesse informiert sein, um Befürchtungen hinsichtlich des ehrenamtlichen Einsatzes klären und ausräumen zu können.

Wenn es eine positive Entscheidung für den Einsatz ehrenamtlich Tätiger gibt, steht zumeist auch ein Einsatzgebiet fest. Es ist ratsam, vor der Gewinnung ehrenamtlich Tätiger das Aufgabenspektrum näher zu bestimmen und einzugrenzen. Hilfreich ist dazu die Erstellung einer oder mehrerer Einsatzbeschreibung(en).

Als Hilfestellung folgt eine Checkliste „Vor dem Einsatz“ mit einer Übersicht der Punkte, die im Vorfeld bedacht werden sollten. Unter Checkliste „Gesamt" finden Sie im Anhang eine Auflistung für den gesamten Einsatz.

Nach oben

2.4. Checkliste "Vor dem Einsatz"

Checkliste "Vor dem Einsatz"
Datei-Format: pdf, Datei-Größe: 59 KB

Weitere Checklisten im Download-Bereich

Nach oben


[6] Birnkraut, Gesa: Management von Ehrenamtlichen. Ein Leitfaden für Kulturinstitutionen. Hamburg 2004. S. 13.