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Bürgerschaftliches Engagement in Bibliotheken
Ein Handbuch für das Ehrenamts-Management. Stand: Mai 2011

10. Die Praxis in Deutschland: Ergebnisse einer repräsentativenBibliotheksumfrage 2010


(Dr. Rainer Sprengel)
Bibliotheken sind ein zentraler Pfeiler von Kultur, Bildung und Lebensgestaltung in Deutschland: Über 200 Millionen Besuche und 11 Millionen aktive Benutzer haben 2009 in ca. 11.000 öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken über 360 Millionen Medien nutzen können (Deutsche Bibliotheksstatistik 2009). Mehr als 20.000 hauptamtlich Beschäftigte und das Bürgerschaftliche Engagement von zehntausenden Ehrenamtlichen, die ihre Zeit spenden, machen dies möglich. Bürgerschaftliches Engagement, also die gemeinwohlorientierte Spende von Zeit, Geld, Kontakten und Ideen hat in der Praxis des Bibliothekswesens eine sehr unterschiedliche Relevanz für das Funktionieren und die Aufgabenerfüllung der jeweiligen Bibliothek. Schaut man nur auf das Ehrenamt, also die Spende von Zeit, ist es sinnvoll, vier Bedeutungsformen des BE für eine Bibliothek zu unterscheiden:

Die ehrenamtlich Tätigen haben eine ergänzende Funktion: Ihr Einsatz bringt zusätzliche Angebote in die Bibliothek, die aber für eine Erfüllung der Kernaufgaben nicht zwingend sind.
Die ehrenamtlich Tätigen haben eine unterstützende Funktion: Ihr Einsatz verbessert das originäre Dienstleistungsangebot der Bibliothek. Die ehrenamtlich Tätigen haben eine tragende Funktion: Ihr Einsatz macht das originäre Dienstleistungsangebot der Bibliothek überhaupt erst möglich.
Die ehrenamtlich Tätigen haben keine Funktion: Bürgerschaftliches Engagement kommt gar nicht oder ausschließlich in anderen Formen wie z.B. der Geld- oder Sachspende vor.

Die genannten Formen des Ehrenamts kommen in allen Bibliothekstypen vor, aber ihr Vorkommen und ihre Reichweite unterscheiden sich je nach Bibliotheksart deutlich voneinander (siehe Grafik).

Quelle: Repräsentative Ehrenamtsbefragung 2010 des Deutschen Bibliotheksverbandes, n=504

Das Ehrenamt in Bibliotheken ist in Deutschland zurzeit stark von einem Entweder-oder geprägt: Entweder tragen Ehrenamtliche allein oder mit Hauptamtlichen zusammen die Bibliothek oder sie sind gar nicht da. Dabei geht das tragende Ehrenamt in über 90% der Fälle damit einher, dass es dort keine Hauptamtlichen gibt. Die rein ehrenamtlichen Bibliotheken kommen ausschließlich im kommunalen und im kirchlichen Bereich vor, wobei sie dort in der Regel von Fachstellen oder anderen hauptamtlichen Strukturen unterstützt werden. Die besonders im kommunalen Bereich beobachtbare Ersetzung hauptamtlicher durch ehrenamtliche Bibliotheken verstärkt nicht nur diese Zweiteilung, sondern droht die Entwicklungspotenziale bürgerschaftlichen Engagements im Bibliothekswesen zu beschädigen.
Die zentralen Entwicklungspotenziale für bürgerschaftliches Engagement in Bibliotheken liegen vor allem im unterstützenden und im ergänzenden Ehrenamt, wie die jeweils noch geringen Anteile für diese beiden Formen zeigen (siehe die beiden Mittelbalken in der obigen Grafik).

10.1. Funktionen und Wertschätzung

Die generelle Wertschätzung kann entsprechend unterschiedlicher Aufgaben und Trägerstrukturen unterschieden werden. In kirchlichen Bibliotheken erhält das Ehrenamt im Schnitt ein „sehr gut“, in kommunalen Bibliotheken ein „gut“ und in wissenschaftlichen Bibliotheken ein „befriedigend“.
Da die Präsenz von Ehrenamtlichen in Bibliotheken sehr unterschiedlich und teilweise auch gar nicht vorhanden ist, kommt es zu unterschiedlichen Einschätzungen der Wirkungen des Ehrenamts für die Bibliothek und den Bibliotheksträger. Bibliotheken, in denen Ehrenamt präsent ist, heben als positive Wirkungen hervor, dass Brücken zur Zivilgesellschaft gebaut werden (über 80%), das Image der Bibliothek verbessert wird (über 85%), die Zufriedenheit der Kunden steigt (über 75%), die Qualität der Bibliotheksarbeit verbessert wird (über 66%) und auch der Einfluss auf Entscheider gestärkt wird (über 40%). In Bibliotheken ohne Ehrenamt wird dies oft anders gesehen, die Werte fallen bis auf ein Drittel. Dass mit Ehrenamtlichen der Einfluss auf Entscheider steigen würde, glauben dort kaum 13%. Auch bei der Einschätzung, ob Ehrenamt dem Unterhaltsträger Geld spart und zu Lasten von Beschäftigung geht, gehen die Auffassungen auseinander. Da, wo Ehrenamt präsent ist, ist man zu fast 100% davon überzeugt, dass der Unterhaltsträger Geld spart, wobei nur knapp 12,7% die Kosten des Ehrenamts ermitteln. Zugleich gehen nur 13% davon aus, dass Ehrenamt zu Lasten von Beschäftigung geht. In Bibliotheken ohne Ehrenamt wird von kaum 2/3 davon ausgegangen, dass mit Ehrenamt Geld gespart werden kann, aber über 40% vermuten negative Folgen für Beschäftigung.

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10.2. Rechtssicherheit

Schriftliche Vereinbarungen oder Verträge mit Ehrenamtlichen gibt es lediglich in knapp 20% der Bibliotheken. Damit einher geht, dass nur 6% dieser Bibliotheken das Ehrenamt in rechtlicher Hinsicht als aufwändig ansehen. Dieser generelle Befund gilt aber nicht für den Bereich der wissenschaftlichen Bibliotheken: Dort wird von fast 50% der rechtliche Aufwand als sehr hoch angesehen und in über 60% der wissenschaftlichen Bibliotheken mit Ehrenamtlichen gibt es schriftliche Vereinbarungen. Hier scheint ein besonderer Klärungsbedarf zu bestehen.

10.3. Gewinnung und Einbettung des Ehrenamts in Bibliotheken

In 49% der Bibliotheken mit Ehrenamtlichen gibt es für sie einen ehrenamtlichen, in 28% einen hauptamtlichen Koordinator. Die Gewinnung von Ehrenamtlichen wird durch Leitungen (67,6%) und Ehrenamtliche (68,4%) betrieben. Im Vergleich zu anderen Engagementfeldern spielen Aushänge, Flyer und Veranstaltungen (31,6%), Presse und Medien (17,2%) und Ehrenamtsagenturen (13,5%) eine ungewöhnlich große Rolle. In einem Teil des Bibliothekswesens wird also systematisch und professionell nach Ehrenamtlichen gesucht und deren Mitarbeit in und für die Bibliothek organisiert. Gering ausgeprägt ist hingegen die Rolle, die hauptamtliche Mitarbeiter bei der Gewinnung von Ehrenamtlichen im Bekanntenkreis spielen (12,3%) oder auch die Nutzung des Webauftritts der Bibliothek (9,0%).

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10.4. Schulungen, Qualifikation und Anerkennung des Ehrenamts

Ehrenamtliche werden vor Beginn ihrer Tätigkeit in 90% der Einrichtungen geschult. Eine hohe Bedeutung hat dabei die Qualifizierung Ehrenamtlicher durch Ehrenamtliche. Aber auch die Ausbildung durch eine hauptamtliche Fachstelle (39,1%), externe Fortbildungen (26,5%), die Einarbeitung durch Hauptamtliche (25,2%) bzw. die schulende Begleitung durch Hauptamtliche (16,0%) zeigen die starken Bemühungen um eine laufende Anbindung ehrenamtlicher Bibliotheksarbeit an die Standards und Entwicklungen im hauptberuflichen Bibliothekswesen. Allerdings können die vorliegenden Zahlen nicht befriedigen. Die kontinuierliche Qualifizierung kann deutlich verbessert werden.

Quelle: Repräsentative Ehrenamtsbefragung 2010 des Deutschen Bibliotheksverbandes, n=238

Neben Schulungen und Ausbildungen durch Fachstellen gibt es auch weitere Formen der Anerkennung des Ehrenamts in Bibliotheken. Nicht monetäre Leistungen in Form kostenloser Leseausweise oder Fortbildungen stellen mit 67,6% die wichtigste Form dar, gefolgt von symbolischen Anerkennungen mit 41,6% (Ehrungen, Zertifikate). Eine geringere Rolle spielen pauschale Aufwandsentschädigungen (23,9%) und die konkrete Erstattung von Fahrtkosten oder Kosten für Kinderbetreuung (17,5%).

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10.5. Aufgaben

Bürgerschaftliches Engagement in Bibliotheken ist zurzeit von einer sehr langen Bindung der Ehrenamtlichen an ihre Bibliothek geprägt: 93% der Ehrenamtlichen sind dort länger als ein Jahr tätig. Leitungsaufgaben, Medienauswahl, Ausleihe und ähnliche Tätigkeiten wären ohne solch ein langfristiges Engagement kaum möglich.

Quelle: Repräsentative Ehrenamtsbefragung 2010 des Deutschen Bibliotheksverbandes, n=241

Was im Hinblick auf die Bibliothek als Daueraufgabe in kirchlichen oder kommunalen Bibliotheken vorteilhaft erscheint, ist allerdings zugleich Ausdruck davon, dass kurzfristiges, projektorientiertes Engagement noch wenige Anknüpfungspunkte in Bibliotheken findet. Projekte in Bereichen wie Fund- und Friendraising, Veranstaltungen oder experimentelle Dienstleistungen erfordern solche langfristigen Bindungen nicht. Die Potenziale projektorientierter Engagementformen sind der Ehrenamtsforschung seit langem bekannt und nicht nur für viele jüngere Engagierte interessant.

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10.6. Resümee

Bürgerschaftliches Engagement hat in vielen Bibliotheken einen anerkannten Platz. Das künftige Entwicklungspotenzial des bürgerschaftlichen Engagements lässt sich gerade auch in Form von ergänzendem oder unterstützendem Bürgerschaftlichen Engagement entwickeln, um Dienstleistungen zu erweitern oder zu erproben. Erfreulich ist es deshalb, dass Bibliotheken, die einen Einsatz von Ehrenamtlichen planen, dies vor allem in den Bereichen Mobiler Bücherdienst (7,6%), Fund-/Friendraising (6,0%) und Internetdienste (5,3%) tun. Auf diesem Pfad können mit Ehrenamtlichen Brücken zur Zivilgesellschaft ausgebaut und neue Partner gewonnen werden, damit Bibliotheken als unverzichtbare Träger von Kultur und Bildung auf der Tagesordnung von Öffentlichkeit und Politik sind und bleiben.

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