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Die 2030 Agenda für weltweite Entwicklung

Vereinbarung von Millenniumsentwicklungszielen

Im September 2000 kamen Staats- und Regierungschefs aus 189 Ländern zu einem Gipfeltreffen der Vereinten Nationen in New York zusammen und verabschiedeten die sogenannte Millenniumserklärung, aus der im Jahr 2001 ein Katalog mit globalen Millenniumsentwicklungszielen (Millennium Development Goals – MDGs) erarbeitet wurde. Hierzu zählten u.a. die Bekämpfung von Armut und Hunger, die Sicherstellung von Schulbildung, die Gleichstellung der Geschlechter, eine medizinische Grundversorgung und ökologische Nachhaltigkeit. Um diese Ziele zu erreichen, sollte außerdem eine globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung geschaffen werden, an der alle staatlichen, privatwirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure beteiligt sein sollten. Die Ziele sollten in 2015 erreicht werden. Viele globale Herausforderungen bestehen jedoch weiterhin oder haben sich gar verschärft.

Neue Ziele für nachhaltige Entwicklung für die Zeit nach 2015

Im Jahr 2010 wurde auf dem MDG-Gipfel beschlossen, für die Zeit nach dem Ablaufen der Millenniumsentwicklungsziele eine Agenda für nachhaltige Entwicklung für die Zeit nach 2015 zu erarbeiten. Um möglichst viele Staaten und Menschen in die Beratungen über diese neue Agenda einzubeziehen, leiteten die Vereinten Nationen im September 2012 einen breit angelegten Konsultationsprozess auf nationaler, regionaler und globaler Ebene ein.
Neben den Millenniumsentwicklungszielen sollten der zwischenzeitlich sogenannten „Post-2015-Agenda“ auch die Ergebnisse der UN-Konferenz zu nachhaltiger Entwicklung von 2012 zugrundeliegen. Das neue Zielsystem sollte für Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländer gleichermaßen gelten sowie die ökologische, ökonomische und soziale Dimension nachhaltiger Entwicklung umfassen. 

„Lyoner Erklärung“ des Weltverbandes IFLA:  Recht auf Informationszugang und Entwicklung

Der Weltverband IFLA hat sich als einer der zivilgesellschaftlichen Akteure sehr engagiert in den Prozess der Entstehung einer „Post-2015-Agenda“ eingebracht und dabei die Rolle der Bibliotheken für eine nachhaltige Entwicklung sichtbar gemacht. Die auf dem IFLA-Weltkongress 2014 veröffentlichte „Lyoner Erklärung“ forderte die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen auf, in der Post-2015-Entwicklungsagenda anzuerkennen, dass der Zugang zu Informationen und Wissen notwendig für eine nachhaltige Entwicklung von Gesellschaften ist. Die Erklärung wurde von mehr als 500 Verbänden, Institutionen und Organisationen unterzeichnet; der Deutsche Bibliotheksverband gehört zu den Erstunterzeichnern. Auch der dbv hatte sich bei der Bundesregierung dafür eingesetzt, dass der Zugang zu Informationen und Daten, als auch das Recht auf Privatsphäre in den endgültigen Zielen der UN aufgenommen werden.

Einigung auf die 2030 Agenda

Im August 2015 konnten sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen nach über dreijährigen Verhandlungen auf eine neue Agenda einigen – die "2030 Agenda"! Diese soll beim UNO-Nachhaltigkeitsgipfel der Staats- und Regierungschefs im September 2015 verabschiedet werden. Die “2030 Agenda” ist ein Katalog mit 17 übergeordneten nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals – SDGs), die im Ganzen 179 Einzelziele umfassen, welche die ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung betreffen. Mit Hilfe dieser Zielvorgaben können sich nun alle Staaten der Weltgemeinschaft aktiv daran beteiligen, die Situation für Mensch und Umwelt bis 2030 in vielen wichtigen Bereichen zu verbessern.

Agenda 2030 nimmt Zugang zu Informationen als wichtiges Ziel auf

Wie in der “Lyoner Erklärung” durch die IFLA gefordert, wurde der freie Zugang zu Informationen in die neue Agenda aufgenommen und in Ziel 16.10 sogar deutlich hervorgehoben: “Ensure public access to information and protect fundamental freedoms, in accordance with national legislation and international agreements“. Ein Erfolg für die IFLA ist auch, dass die Sicherstellung von Bildungsmöglichkeiten, der Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien sowie die Bewahrung des Kulturerbes ihren Weg in den Zielkatalog gefunden haben.

Die Rolle der Bibliotheken bei der Umsetzung der 2030 Agenda

Als öffentliche Schlüsselinstitutionen für den Zugang zu Informationen und Bildung können auch Bibliotheken eine wichtigen Beitrag für das Gelingen der 2030 Agenda leisten. Insbesondere bei der Umsetzung von nationalen Entwicklungsplänen können Bibliotheken zur nachhaltigen Entwicklung ihrer Gesellschaft beitragen. Unterstützung werden die Bibliotheken dabei durch die IFLA erfahren. Der Weltverband wird die Entwicklungsziele der 2030 Agenda detailliert analysieren und alle notwendigen Informationen für Bibliotheken bereitstellen. Er überwacht die Fortschritte, die für einen freien Zugang zu Informationen gemacht werden, beobachtet die Erfolge bei anderen wichtigen Zielen und wird ein Bericht (Development and Access to Information – DA2I) hierzu veröffentlichen. Der internationale Bibliotheksverband IFLA hat unter dem in deutscher Übersetzung lautenden Titel "Das Recht auf Zugang zu Information und Chancen für Alle“ eine Broschüre zum Beitrag der Bibliotheken bei der Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen veröffentlicht.

dbv macht Bundesregierung auf Beitrag der Bibliotheken aufmerksam

Die Bundesregierung setzt die Agenda 2030 im Rahmen ihrer seit 2002 bestehenden Nachhaltigkeitsstrategie um. Dazu hatte der Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung der Veröffentlichung des  Aktualisierungsentwurfs zur Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2016 zu Konsultationszwecken zugestimmt. Diese Neuauflage orientiert sich an der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Mit der Aktualisierung der Nachhaltigkeitsstrategie werden die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen, um die Ziele der Agenda 2030 in Deutschland umzusetzen. Durch die Veröffentlichung des Entwurfs können sich Interessierte informieren und auch aktiv an der Erstellung der Strategie beteiligen. In seiner Stellungnahme zu diesem Neuauflagenentwurf der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie hat der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) die Bundesregierung auf den Beitrag, den Bibliotheken hierbei leisten können, aufmerksam gemacht.