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Freitag 19.10.12

Zurück in die Zukunft – Die Uhren dürfen bei E-Books nicht 50 Jahre zurückgedreht werden. Deutscher Bibliotheksverband fordert Gleichstellung von E-Books und gedruckten Büchern

Pressemitteilung des dbv

19.10.2012
Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv) begrüßt die zunehmende Verbreitung von E-Books in Öffentlichen Bibliotheken als sinnvolle Erweiterung zu klassisch gedruckten Büchern. Mehr als 500 Bibliotheken – das entspricht 25 % der hauptamtlich geleiteten Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland – verleihen E-Books an Ihre Kunden.  Mit zunehmender Sorge beobachtet der Bibliotheksverband jedoch, dass Verlage verstärkt versuchen, Bibliotheken aus dem Markt der elektronischen Bücher auszuschließen, indem sie entweder gar keine Angebote an Bibliotheken machen oder Preise verlangen, die jene für das gedruckte Buch um ein Vielfaches übersteigen.

Bibliotheken waren schon immer Vorreiter, wenn es darum ging, neue Medien zu nutzen und sie einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen,“ erklärte Monika Ziller, Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. (dbv) anlässlich der Vorstellung des „Berichts zur Lage der Bibliotheken 2012“ am heutigen Tag. „Menschen mit ganz unterschiedlichen Lesegewohnheiten kommen in Bibliotheken. Manche lesen lieber in gedruckten Büchern, andere bevorzugen die elektronische Version. Hier gibt es keine Konkurrenz. Die unterschiedlichen Medienformen ergänzen sich vielmehr.“

Einige Verlage sehen jedoch ihren Absatz beim Verkauf von E-Books an Endkunden als dramatisch gefährdet, wenn Bibliotheken durch Verleih dem regulären Vertrieb weiterhin Konkurrenz machten. Diese These von Bibliotheken als den Totengräbern der Verlage ist so alt wie die Bibliotheksausleihe und die damaligen Volksbüchereien. Bereits als die Bibliotheken im 19. Jahrhundert ihre traditionelle Rolle als Exklusivinstitution von Fürsten oder Wissenschaftlern aufgegeben haben, um in Form von Volksbüchereien auch andere Bevölkerungsgruppen zu versorgen, gab es Proteste des Buchhandels. Schon damals gab es die Auffassung, der Absatz im Buchhandel sei dramatisch gefährdet, wenn Bibliotheken den Zugang zu Büchern allen Menschen „gratis“ anbieten würden. 1965 fand der Gesetzgeber in diesem Streit eine salomonische Lösung, die bei gedruckten Büchern unverändert bis zum heutigen Tag Bestand hat: Bibliotheken dürfen jedes beliebige gedruckte Buch zum regulären Ladenpreis kaufen und an alle Bürgerinnen und Bürger ausleihen. Der angenommene geringere Umsatz durch die „bibliothekarische Konkurrenz“ wird  als „Bibliothekstantieme“ pauschal über eine Verwertungsgesellschaft vom Bund und  den Bundesländern entschädigt. Damit kann bei gedruckten Büchern kein Verlag mehr verhindern, dass seine Publikationen allen Bevölkerungsschichten zur Information zur Verfügung stehen. 1965 war man sich der demokratiesichernden Funktion eines offenen, unabhängigen und leicht zugänglichen Informationssystems für die Bevölkerung qua Bibliotheken vielleicht bewusster als heute.

Der dbv setzt sich dafür ein, dieses beiderseitige Erfolgsmodell auch auf  E-Books zu übertragen und somit zu verhindern, dass bei E-Books die Uhren um 50 Jahre zurückgedreht werden. Wie bei gedruckten Büchern sollten Bibliotheken jedes E-Book zu Endkundenpreisen im regulären Handel erwerben können und es dann auch verleihen dürfen. Selbstverständlich müssen Bibliotheken dabei sicherstellen, dass nie mehr digitale Exemplare gleichzeitig genutzt werden, als Einzellizenzen erworben wurden. Die Bindung der legalen Kopien an erworbene Lizenzen ist im Softwarebereich ja längst gängige Praxis. Um den Bedenken der Verleger entgegenzukommen, kann sich der dbv eine E-Buch-Tantieme vorstellen, durch welche vermutete Umsatzeinbrüche bei Verlagen ausgeglichen werden könnten. 

Leider sieht sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels im Moment außerstande, Vorschläge wie diesen zu diskutieren. Es spricht daher einiges dafür, dass die fraktionsübergreifende Forderung der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Internet und digitale Gesellschaft“, Bibliotheken müssten jedes elektronisch erscheinende Buch „analog dem gedruckten Buch“ erwerben und anbieten können, doch wieder erst gesetzgeberisch durchgesetzt werden muss. 

Wir erwarten vom Gesetzgeber die Gleichstellung von E-Books mit gedruckten Büchern in allen Bereichen“, so Ziller weiter. „Es kann nicht angehen, dass Verlage beim unabhängigen Bestandsaufbau einer Bibliothek indirekt mitbestimmen. In den USA werden unsere Befürchtungen gerade wahr: Dort verkaufen drei große Verlage keine Lizenzen mehr an Bibliotheken. Die 169 Millionen Nutzer haben folglich keinen öffentlichen Zugang mehr zu diesen Publikationen.“

Dr. Frank Simon-Ritz, Direktor der Universitätsbibliothek der Bauhausuniversität Weimar und Vorstandsmitglied im dbv, ergänzt: „Buchhandel, Verlage und Bibliotheken haben – bei allen Differenzen im Detail – seit vielen Jahrzehnten kooperiert, damit Bücher allen Menschen zugänglich sind . Es ist sehr bedauerlich, wenn die Verlage nun bei elektronischen Büchern diesen Konsens einseitig aufkündigen. Der Bibliotheksverband wird sich weiterhin dafür einzusetzen, dass die Position der Bibliotheken in der digitalen Welt gestärkt wird. Sie brauchen Zugang zu elektronischen Medien, um ihren Bildungsauftrag erfüllen zu können und dürfen deshalb nicht von diesem neuen Marktsegment abgeschnitten werden.“

Bibliotheken sind Orte, an denen breiter Zugang zu publizierter Information für Alle eröffnet wird. Viel umfassender als im Handel mit aktuellen Titeln dienen Bibliotheken der Gesellschaft als strukturiertes Gedächtnis, denn sie verfügen auch über Bestände, die sonst gar nicht oder nur antiquarisch zu kaufen sind. Daher fordert der Deutsche Bibliotheksverband e.V. Bund und Länder auf, eindeutige und einschlägige Regelungen für faire Lizenzvergabemodelle und eine entsprechende Aktualisierung des Urheberrechts vorzunehmen und so für Rechtssicherheit zu sorgen.

Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv)
Im Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv) sind ca. 2.100 Bibliotheken aller Sparten und Größenklassen Deutschlands zusammengeschlossen. Der gemeinnützige Verein dient seit mehr als 60 Jahren der Förderung des Bibliothekswesens und der Kooperation aller Bibliotheken. Sein Anliegen ist es, die Wirkung der Bibliotheken in Kultur und Bildung sichtbar zu machen und ihre Rolle in der Gesellschaft zu stärken. Zu den Aufgaben des dbv gehören auch die Förderung des Buches und des Lesens als unentbehrliche Grundlage für Wissenschaft und Information sowie die Förderung des Einsatzes zeitgemäßer Informationstechnologien.

Kontakt: Deutscher Bibliotheksverband e.V.
Barbara Schleihagen, Geschäftsführerin, Tel.: 030/644 98 99 12
E-Mail: dbv@bibliotheksverband.de, http://www.bibliotheksverband.de, http://www.bibliotheksportal.de 

Dateien:
2012 10 19 PM e-books (237 kB)