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Donnerstag 20.10.11

Neuer "Bericht zur Lage der Bibliotheken": Mittelkürzungen in der Hälfte aller Bibliotheken stehen steigenden Anforderungen gegenüber

Pressemitteilung des Deutschen Bibliotheksverbands e.V.

Die Hälfte aller Hochschulbibliotheken müssen jetzt oder in den nächsten Monaten Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung hinnehmen; das trifft auch auf die öffentlichen Bibliotheken zu. Dies ergab eine Umfrage des Deutschen Bibliotheksverbands e.V. von Mai bis Juli 2011 unter seinen 1.304 hauptamtlich geführten öffentlichen Bibliotheken und 251 wissenschaftlichen Bibliotheken. Am 20. Oktober stellt der dbv diese und weitere Ergebnisse des neuen „Berichts zur Lage der Bibliotheken“ in der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen vor.  

Besonders stark treffen die Kürzungen die kommunalen Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen mit 53% (Vorjahr: 45%), Sachsen-Anhalt mit 45% (Vorjahr: 27%) und Baden-Württemberg mit 44% (Vorjahr 50%). Es gibt keine Entwarnung: Die aktuelle Situation der kommunalen Bibliotheken hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verbessert, der allgemeine positive Trend schlägt sich nicht ausreichend nieder. Ausgesprochen ernst ist die Lage in Städten mit über 100.000 Einwohnern, in denen nach wie vor mehr als zwei Drittel der Bibliotheken Sparmaßnahmen hinnehmen müssen. Der Bibliotheksverband beobachtet mit goßer Sorge, dass die Spirale sich immer weiter nach unten bewegt.  

Was bedeuten die Kürzungen? Ein Viertel aller befragten öffentlichen Bibliotheken verfügt nur über einen reduzierten Medienetat (Vorjahr: 37%), ebenfalls ein Viertel muß das Angebot im Veranstaltungsbereich reduzieren und 8% die Öffnungszeiten kürzen. Ebenso viele verzichten auf bereits geplante Projekte, wie Baumaßnahmen oder technische Erneuerungen (Vorjahr: 13%). 20 Bibliotheken müssen womöglich Zweigstellen oder Abteilungen schließen, in 15 Systemen wird die Umwandlung in ehrenamtliche Zweigstellen geplant. Ca. 10% aller Bibliotheken haben bereits eine dauerhafte Stellenstreichung oder eine Reduktion des Personaletats hinnehmen müssen; ebenso vielen steht dies bevor. In Städten über 100.000 EW mussten in diesem Jahr bereits 37% der Bibliotheken Stellen streichen, in weiteren 21% steht dies an (Vorjahr zusammen 62,6%).  

Was geschieht bei den wissenschaftlichen Bibliotheken? Während die Hochschulen über alle Erwartungen hinaus von mehr als 500.000 Studienanfängern (Vorjahr: 445.000) überrannt werden, berichten 41% aller befragten Einrichtungen über bereits erfolgte oder fest geplante Kürzungen der Zuweisungen. 13% haben dauerhafte Stellenstreichungen hinnehmen müssen, bei ebenso vielen steht dies bevor. Fast ein Drittel (29%) muss mit einem verminderten Erwerbungsetat auskommen. Bei 27 Bibliotheken (15%) sinkt er sogar um mehr als 10%. Die Kürzungen betreffen - neben dem verringerten Medienetat - in erster Linie die Weiterentwicklung von Dienstleistungen und Angeboten: 16% der Bibliotheken verzichten auf bereits geplante Projekte wie Baumaßnahmen oder EDV-Entwicklungen, 10% müssen spezielle Angebote wie Schulungen oder Veranstaltungen reduzieren und 5% der befragten Bibliotheken reduzieren ihre Öffnungsstunden.  

Der „Bericht zur Lage der Bibliotheken“ klärt aber aber nicht nur über die erschreckende Situation an Hochschulbibliotheken und die unbefriedigende finanzielle Entwicklung bei den kommunalen Bibliotheken seit der ersten bundesweiten Erhebung im letzten Jahr auf. Erstmals fokussiert eine Landkarte die Gemeinden Deutschlands mit über 5.000 Einwohnern, die keine hauptamtlich geleitete Bibliothek besitzen. Besonders die reicheren Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen schneiden dabei nicht gut ab.  

Die Zahl der bisher digitalisierten Bestände in den wissenschaftlichen Bibliotheken verdeutlicht die dringend notwendige Aufstockung der Finanzmittel für die Digitalisierung. Von den 600.000 Buchtiteln des 18. Jahrhunderts sind erst 40.000 Buchtitel in digitaler Form zugänglich. Der dbv fordert, dass in den Jahren 2012 bis 2016 ein zusätzlicher Betrag von 10 Mio. Euro aus Bundesmitteln zur Verfügung gestellt wird, um jährlich weitere 200.000 Titel zu digitalisieren. Diese Forderung unterstützen mittlerweile die meisten Parteien im Bundestag. Daneben müssen weiterhin die regionalen Förderprogramme und die Koordinierungsaktivitäten der Länder durchgeführt werden.  

Die wachsende Bedeutung der öffentlichen Bibliothek als Treffpunkt zeigt sich besonders augenfällig bei der Akzeptanz von Bibliotheksneubauten: So kletterte die Besucherzahl der Stadtbibliothek Chemnitz in den sechs Jahren nach dem Umzug in ein attraktives Gebäude von 400.000 auf 727.000 Besucher. Aber auch von zuhause aus möchten die Bibliothekskunden Zugriff haben: Die neuen 24/7 Angebote von e-books und anderen Download-Medien in ca. 300 besonders innovativen öffentlichen Bibliotheken zeigen, dass auch hier eine flächendeckende digitale Perspektive benötigt wird, damit das System des freien Zugangs zu Informationen in allen Medienformaten nicht in Frage gestellt wird. Bibliotheken müssen finanziell in die Lage versetzt werden, die dafür nötigen Investitionen zu tätigen.  

Die Zahl der funktionalen Analphabeten mit 7,5 Millionen Menschen (LEO Studie 2011), das schlechte Abschneiden bei der Lesekompetenz (PISA Studie 2010 und OECD Bericht 2011) und die mangelnde flächendeckende Ausstattung mit guten öffentlichen Bibliotheken sind Signale, die in die gleiche Richtung weisen: Der Ausbau von speziellen Bibliotheksangeboten für bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche und die Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz gewinnen im Kontext der notwendigen Förderung von Lesefähigkeit besondere Bedeutung.  

Bibliotheken sind mit ihren vielfältigen Angeboten zum lebenslangen Lernen wichtiger Bestandteil der Bildungsinfrastruktur von Städten und Gemeinden. Angesichts der im Koalitionsvertrag postulierten „Bildungsrepublik Deutschland“ fordert der Deutsche Bibliotheksverband alle Politiker auf, sich weiteren Kürzungen im Bibliotheksbereich entschieden zu verweigern. Stattdessen soll durch Bibliotheksgesetze in den Bundesländern, durch Bibliotheksentwicklungspläne und durch die konsequente Förderung von Kooperationen mit anderen Bildungseinrichtungen das Bibliotheksangebot in den Städten und Gemeinden gemeinsam von Bund, Ländern und Kommunen mit Nachdruck gestärkt werden.

„Eine Bildungsrepublik ohne ein gut ausgebautes und finanziell gesichertes Bibliothekswesen bleibt eine leere Hülse“, so Monika Ziller, Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbands. „Als für jedermann zugängliche Einrichtungen können Bibliotheken bei der Integration von Bildungsbenachteiligten genauso viel leisten wie bei der Unterstützung von Exzellenzhochschulen, vorausgesetzt, sie sind in der Fläche gut vertreten und adäquat ausgestattet. Hier gibt es noch viel zu tun.“  

Link:
Bericht zur Lage der Bibliotheken 2011
http://www.bibliotheksverband.de/dbv/themen/bericht-zur-lage-der-bibliotheken.html


Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv)
Im Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv) sind mehr als 2.000 Bibliotheken mit ca. 25.000 Beschäftigten aller Sparten und Grössenklassen Deutschlands zusammengeschlossen. Der gemeinnützige Verein dient seit mehr als 60 Jahren der Förderung des Bibliothekswesens und der Kooperation aller Bibliotheken. Sein Anliegen ist es, die Wirkung der Bibliotheken in Kultur und Bildung sichtbar zu machen und ihre Rolle in der Gesellschaft zu stärken. Zu den Aufgaben des dbv gehört auch die Förderung des Lesens als unentbehrliche Grundlage für Wissenschaft und Information sowie die Förderung des Einsatzes zeitgemäßer Informationstechnologien.  

Kontakt: Deutscher Bibliotheksverband e.V.
Barbara Schleihagen, Geschäftsführerin, Tel.: 0 30/644 98 99 12
E-Mail: schleihagen@bibliotheksverband.de
www.bibliotheksverband.de,  www.bibliotheksportal.dewww.treffpunkt-bibliothek.de