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Dienstag 15.07.14

Stellungnahme des dbv-Landesverbands Schleswig-Holstein zum Konzept "Kulturperspektiven für Schleswig-Holstein"

Pressemitteilung des LV Schleswig-Holstein

Der Landesverband Schleswig-Holstein im Deutschen Bibliotheksverband begrüßt die erstmalige Erstellung eines Kulturkonzepts für Schleswig-Holstein. Für eine produktive, zukunftsfähige Zusammenarbeit verschiedener Kultur- und Bildungseinrichtungen sind die „Kulturperspektiven für Schleswig-Holstein‟ ein wertvoller Wegweiser. Die Lage und Bedeutung der Öffentlichen Bibliotheken Schleswig-Holsteins sind darin allerdings trotz mehrmaligen Hinweises nicht genügend berücksichtigt.

Ausdrücklich zu befürworten an den „Kulturperspektiven‟ ist, dass die Bibliotheken im Konzept wiederholt als wichtige Bildungseinrichtung aufgezählt werden. Ihre Bedeutung wird also grundlegend anerkannt. Doch werden im Papier keine Aussagen dazu getroffen, wie die Arbeit der Büchereien auf Dauer gesichert und weiterentwickelt werden kann. Im Abschlussbericht der Enquete-Kommission des deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland‟ wurde darauf hingewiesen, dass das Betreiben von Bibliotheken zu einer „Pflichtaufgabe‟ für Kommunen werden muss, die in einem Bibliotheksgesetz festzuhalten sei. Im Koalitionsvertrag hat sich diese Landesregierung dazu verpflichtet, in der ersten Hälfte der Legislaturperiode einen Entwurf eines Bibliotheksgesetzes einzubringen, mit dem die Förderung der Büchereien und wissenschaftlichen Bibliotheken im Land und deren Arbeit erstmals auf eine eigenständige, solide Grundlage gestellt werden. Dies findet sich im Kulturkonzept für Schleswig-Holstein nicht wieder.

Auf dieses gravierende Defizit weist der Bibliothekenverband in Schleswig-Holstein nachdrücklich hin. Solange das Vorhalten von Bibliotheken als freiwillige Aufgabe aufgefasst wird, müssen diese wichtigen Kultur- und Bildungseinrichtungen um ihre Existenz bangen. An eine zeitgemäße Entwicklung oder gar langfristige Planung ist nicht zu denken. Um ihrer gesellschaftlichen Rolle mit vielfältigen Funktionen in den Bereichen Bildung, Kultur und soziale Aufgaben gerecht zu werden, sind aber eine Perspektive und Planungssicherheit unerlässlich. Deshalb hoffen wir sehr, dass der Koalitionsvertrag eingehalten wird und ein erster Gesetzesentwurf, wie darin versprochen, bis Ende des Jahres vorliegen wird.

Auch möchten wir betonen, dass die Büchereien bei den Knotenpunkten eine entscheidende Rolle einnehmen könnten und sollten. Die Struktur des Büchereiwesens prädestiniert die Öffentlichen Bibliotheken im Land dazu. Oberstes Ziel des Konzeptpapiers ist es – absolut zu Recht! –, die Teilhabe der gesamten Bevölkerung auch an Kultur und kultureller Bildung zu ermöglichen. Büchereien tun dies bereits in vielfältiger Weise. Sie sind niedrigschwellige Einrichtungen – sowohl was die geographische als auch die finanzielle Zugänglichkeit anbelangt. Bibliotheken finden sich zumeist zentral in Städten und als mobile Einrichtung in vielen Dörfern. Sie bieten nicht allein Medien, sondern auch Internetplätze, Veranstaltungen und Programme für spezifische Zielgruppen. Dabei kooperieren die Büchereien intensiv mit verschiedenen Partnerinstitutionen. Um etwa die Lesefähigkeit zu fördern, arbeiten sie nicht allein eng mit Schulen und Kindergärten zusammen, sondern mit Blick auf die Alphabetisierung Erwachsener auch mit den Volkshochschulen im Land.

Büchereien bieten Medien, Informationen, Räume und Beratung. Sie zählen etwa sieben Millionen Besuche pro Jahr in Schleswig-Holstein – und das auch von Menschen mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernen Familien. Die Büchereien sind im ganzen Land vor Ort, sie sind bekannt und sie sind vernetzt. In gewisser Weise sind sie bereits kulturelle Knotenpunkte. Warum nutzen wir diese Strukturen nicht für die Umsetzung der „Kulturperspektiven für Schleswig-Holstein‟ und erweitern Bibliotheken zu lokalen Kulturvernetzungszentren, wie es im Ausland schon so beispielhaft geschieht?

Die Büchereien stehen den kulturpolitischen Herausforderungen aufgeschlossen gegenüber. Zunächst gilt es allerdings, die vorhandenen Büchereien zu schützen und durch ein Bibliotheksgesetz zu verhindern, dass Büchereien gerade im ländlichen Raum, wo Angebote der kulturellen Bildung viel zu selten sind, aufgrund von Etatkürzungen handlungs-, betriebs- und zukunftsunfähig werden.

Im dbv-Landesverband sind rund 120 Öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken in Schleswig-Holstein organisiert. Er vertritt die Interessen dieser Bibliotheken und gibt dazu regelmäßig Bibliotheksentwicklungspläne heraus. Gemeinsam mit den bibliothekarischen Berufsverbänden gibt der dbv-Landesverband Wahlprüfsteine für die Landespolitik heraus und fragt vor und nach den Wahlen die Vorstellungen und die Umsetzung der Versprechungen ab.

Landesverband Schleswig-Holstein im Deutschen Bibliotheksverband e.V.
Vorsitzender: Rolf Teucher
Stellvertretende Vorsitzende: Dr. Else Maria Wischermann
Geschäftsführung: Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen,
Tel.: 04331/125-526 und 0461/8606-151, E-Mail: lorenzen@bz-sh.de

Dateien:
PM Kulturperspektiven fuer SH Stellungnahme des dbv-Landesverbands SH (142 kB)