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Montag 11.03.13

Die Wissenschaft in Deutschland braucht ein Zweitveröffentlichungsrecht - Referentenentwurf aus dem Bundesjustizministerium nicht ausreichend

Pressemitteilung des dbv

Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv) begrüßt ausdrücklich, dass das Bundesjustizministerium eine Regelung für das Zweitverwertungsrecht in das Urheberrecht einführen will. „Damit befinden wir uns“, so Vorstandsmitglied Frank Simon-Ritz (Weimar), „in der im vergangenen Jahr angeschobenen Debatte über ein 'Wissenschaftsurheberrecht' auf dem richtigen Weg.“

Durch das Zweitverwertungsrecht soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit gegeben werden, Aufsatzpublikationen aus Fachzeitschriften oder Tagungsdokumentationen nach einer bestimmten Frist auf einem entsprechenden Server ihrer Hochschule zum entgeltfreien Abruf (Open Access) zur Verfügung zu stellen.

Kritisiert wird vom dbv, wie diese Regelung in dem jetzt vorliegenden Referentenentwurf aus dem BMJ beschnitten wird. Als problematisch erscheint u.a., dass der Gesetzentwurf von einer „Embargofrist“ von einem ganzen Jahr ausgeht; der dbv plädiert stattdessen für ein halbes Jahr.
Als starke Einschränkung wird vom dbv gesehen, dass das Zweitverwertungsrecht  auf Aufsätze in „periodisch erscheinenden Sammlungen“ eingeschränkt werden soll. „Dadurch“, so Simon-Ritz, „sind Veröffentlichungen in Kongress- und Tagungspublikationen von dieser Regelung ausgenommen. Das macht für die Wissenschaft wenig Sinn.
Und schließlich soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern lediglich das Recht eingeräumt werden, die „akzeptierte Manuskriptversion“ ihres Aufsatzes auf dem Hochschulserver einzustellen. Demgegenüber fordert der dbv das Recht, den Aufsatz in der veröffentlichten Form elektronisch zur Verfügung zu stellen. Nur so sei die für die Wissenschaft unabdingbare Zitierbarkeit des Aufsatzes gewährleistet. „Ein solchermaßen ‚kastriertes‘ Zweitverwertungsrecht“, so Simon-Ritz zusammenfassend, „hilft uns nicht weiter.“

Mit großer Zustimmung hat der dbv die vorgeschlagenen Regelungen zur Digitalisierung der sog. verwaisten und vergriffenen Werke aufgenommen. Hierdurch werden die gesetzlichen Grundlagen geschaffen, um endlich auch zumindest Teile der veröffentlichten Werke des 20. Jahrhunderts durch Digitalisierung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv)
Im Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv) sind ca. 2.000 Bibliotheken aller Sparten und Größenklassen Deutschlands zusammengeschlossen. Der gemeinnützige Verein dient seit mehr als 60 Jahren der Förderung des Bibliothekswesens und der Kooperation aller Bibliotheken. Sein Anliegen ist es, die Wirkung der Bibliotheken in Kultur und Bildung sichtbar zu machen und ihre Rolle in der Gesellschaft zu stärken. Zu den Aufgaben des dbv gehört auch die Förderung des Lesens als unentbehrliche Grundlage für Wissenschaft und Information, sowie die Förderung des Einsatzes zeitgemäßer Informationstechnologien.

Kontakt:
Deutscher Bibliotheksverband e.V.
Barbara Schleihagen, Geschäftsführerin, Tel.: 030/644 98 99-10, E-Mail: schleihagen@bibliotheksverband.de

Dateien:
2013 03 11 PM Urheberrecht (173 kB)