dbv-Newsletter International Ausgabe Nr. 62
2010 / 04
Editorial
Bevor der ‚Wonnemonat‘ beginnt, hier eine weitere Ausgabe des dbv-Newsletters International. Vergangene Woche, am 23. April 2010, wurde auch in vielen Bibliotheken in Deutschland der UNESCO-Welttag des Buches und Urheberrechts gefeiert. Auf dem ‚Deutschen Bildungsserver‘, einem Gemeinschaftsservice von Bund und Ländern unter Koordination des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), ist zu dem Gedenktag ein Dossier erstellt worden:
http://www.bildungsserver.de/db/mlesen.html?Id=44960
Des Weiteren gibt es in dieser Aprilausgabe wieder eine Fülle von aktuellen Informationen aus Gremien und Ländern – auch Personalien … Sie können den Newsletter gern an Interessierte weiterleiten. Wir freuen uns über Ihre Anregungen oder Kommentare: klauser@bibliotheksverband.de
Inhalt
1. IFLA: Stellungnahme zu ACTA
Die IFLA hat ihre Mitglieder darüber informiert, dass ihr die derzeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindenden Verhandlungen über das Abkommen zur Bekämpfung von Fälschungen (Anti-Counterfeiting Trade Agreement – ACTA) Sorge bereiten. In einer Stellungnahme weist sie darauf hin, dass sie generell internationale Maßnahmen gegen kommerzielle Fälschungen begrüßt. Berichte hingegen von gegenwärtigen Verhandlungen im Zusammenhang mit ACTA, aus denen hervorgeht, dass die Ziele und Methoden der ACTA das Gleichgewicht des Urheberrechts gefährden und im starken Konflikt mit der Verantwortung der Bibliotheksgemeinschaft gegenüber dem gleichberechtigten Zugang zu Information und kulturellen Ausdruck stehen, sieht IFLA mit Sorge. Völlig im Verborgenen stattfindende ACTA-Verhandlungen sind keine Vorgehensweise, die demokratischen Staaten entspricht. IFLA empfiehlt daher, die Auseinandersetzung mit ACTA offen und transparent zu halten und die Verhandlungen öffentlich und innerhalb der WIPO (World Intellectual Property Organization) zu führen.
Stellungnahme: http://www.ifla.org/en/news/ifla-issues-position-statement-on-the-anti-counterfeiting-trade-agreement-acta
2. IFLA: Anmeldefrist für Frühbucher für Weltkongress in Göteborg 2010
Die Anmeldefrist für die Teilnahme am IFLA Weltkongress Bibliothek und Information in Göteborg 2010 zur reduzierten Registrierungsgebühr endet am 07. Mai 2010. Teilnehmer, die Mitglied eines deutschen Fachverbandes sind, können ebenfalls die reduzierte Gebühr als IFLA-Mitglied nutzen. Auch das Programm des Kongresses, der vom 10.-15. August 2010 zum Thema ‚Open access to knowledge – promoting sustainable progress‘ stattfindet, ist nun online. Die Emerald Group Publishing Limited, weltweit bekannt als Herausgeber von Fachliteratur zu Bibliotheksmanagement und -wissenschaft, und IFLA haben eine besonders enge Partnerschaft vereinbart.
Anmeldung und Programm des Kongresses 2010: http://www.ifla.org/en/ifla76
Mitglieder in deutschen Fachverbänden: http://www.ifla-deutschland.de/de/ifla_konferenzen/
Emerald und IFLA: http://www.ifla.org/en/news/emerald-and-ifla-begin-a-special-partnership
3. WSIS: WSIS Forum 2010
Seit dem letzten Weltgipfel zur Informationsgesellschaft 2005 sind nun fünf Jahre vergangen – Zeit, um den Fortschritt in der Erreichung der gemeinsamen Ziele zu evaluieren und die weitere Strategie ihrer Umsetzung bis zum Jahr 2015 festzulegen. Dies soll auf dem WSIS Forum geschehen, das vom 10.-14. Mai 2010 in Genf stattfinden wird. Wie in den Vorjahren werden auch diesmal Veranstaltungen und Diskussionen zum Austausch, Networking und Projektvorstellungen angeboten. Thematische Workshops, interaktive Veranstaltungen und Expertentreffen sollen den Wissensaustausch unter den Interessenvertretern erleichtern und den Fortgang der Aktivitäten innerhalb der verschiedenen ‚Action lines‘, die aus den Gipfeltreffen hervorgegangen sind, fördern. Das Forum wird u.a. von der UNESCO mitgetragen. IFLA hat eine neue strategische Partnerschaft mit der ICT4D community (Information and Communication Technology for Development) begonnen und einen entsprechenden Blog eingerichtet.
http://www.itu.int/wsis/implementation/2010/forum/geneva/
http://www.ifla.org/en/wsis
http://blogs.ifla.org/ict4d/
4. EBLIDA: Europäische Bibliothekspolitik und Communia Public Domain Manifesto
Gemeinsam mit NAPLE (National Authorities for Public Libraries in Europe) wird EBLIDA im Rahmen einer Konferenz am 07. Mai 2010 die Idee einer europäischen Bibliothekspolitik, wie sie in der ‚Wiener Erklärung‘ 2009 verabschiedet wurde, in Helsinki weiter diskutieren und die Rolle der Bibliotheken im europäischen Kontext definieren: ‚Abolish Barriers: the role of libraries in an evolving Europe‘ lautet der Titel der Konferenz.
Als Mitglied des Communia-Netzwerks hat EBLIDA ein Manifest unterzeichnet, in dem gefordert wird, das Urheberrecht und den breiten Zugang zur Information in Einklang zu bringen. Es liegt auch in deutscher Fassung vor.
http://indico.eblida.org/conferenceDisplay.py?confId=4
Manifesto: http://www.publicdomainmanifesto.org/node/9
5. EU: Reflexionsgruppe zur Digitalisierung
Der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, kündigte an, dass die Europäische Kommission eine Reflexionsgruppe damit beauftragen wird, Empfehlungen vorzulegen, wie sich Digitalisierung, virtuelle Verfügbarkeit und Erhaltung kultureller Werke in ganz Europa möglichst noch schneller bewerkstelligen lassen. Die Reflexionsgruppe, bestehend aus Elisabeth Niggemann (Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek), Maurice Lévy (CEO von Publicis) und Jacques De Decker (Schriftsteller), soll die bereits laufenden Initiativen überprüfen, an denen sich sowohl öffentliche als auch private Partner (insbesondere das Google-Bücher-Projekt) beteiligen. Sie soll sich auch mit urheberrechtlichen Fragen befassen, um Wege aufzuzeigen, wie sich die Digitalisierung kompletter Sammlungen von Bibliotheken, Museen und Archiven in Europa noch beschleunigen ließe. Die Empfehlungen werden letztendlich dazu beitragen, dass Europeana, die digitale Bibliothek Europas, eine neue Dimension erreicht: Bereits heute bietet das Europeana-Portal Zugang zu über 7 Millionen digitalisierten Büchern, Landkarten, Fotografien, Filmausschnitten, Gemälden und Musikstücken, was jedoch nur einen kleinen Teil der Werke ausmacht, die sich im Besitz kultureller Einrichtungen in Europa befinden. Die Einsetzung der Reflexionsgruppe ist Teil der umfassenden Strategie der Kommission, den kulturellen Sektor beim Übergang zum digitalen Zeitalter zu unterstützen. Die Gruppe, die der für die Digitale Agenda zuständigen Vizepräsidentin der Kommission, Neelie Kroes, und der Kommissarin für Bildung, Kultur, Multilingualismus und Jugend, Androulla Vassiliou, Bericht erstatten wird, wurde gebeten, ihre Schlussfolgerungen vor Ende des Jahres vorzulegen.
http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/10/456&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en
http://europeana.eu/portal/
6. EU: Konsultation: Grünbuch - Erschließung des Potenzials der Kultur- und Kreativindustrien
Die Europäische Kommission hat eine öffentliche Online-Konsultation lanciert. Sie zielt darauf ab, Stellungnahmen zu verschiedenen Fragen zu sammeln, die eine Auswirkung auf die Kultur- und Kreativindustrien in Europa haben, sei es das Umfeld von Unternehmen und der Bedarf zur Schaffung eines gemeinsamen europäischen Raums für Kultur, die Stärkung der Kapazitäten in den betroffenen Bereichen, die Entwicklung von beruflichen Kompetenzen oder die Förderung europäischer Kulturschaffender auf der Weltbühne. Die eingehenden Antworten werden der Kommission dabei helfen sicher zu stellen, dass die EU-Programme und EU-Politiken den Bedürfnissen der Kultur- und Kreativindustrien angepasst sind. Beiträge können von Bürgerinnen und Bürgern, Organisationen und Behörden eingereicht werden. Der Konsultationszeitraum läuft bis zum 30. Juli 2010. Das Grünbuch, auf dem die Konsultation beruht, und der Fragebogen – auch in deutscher Sprachversion – sind online zu finden.
http://ec.europa.eu/culture/our-policy-development/doc2577_de.htm
7. Deutsche UNESCO-Kommission: Vielfalt in der digitalen Medienwelt: 8. Arbeitskonsultation
Auf der 8. Arbeitskonsultation der Bundesweiten Koalition für Kulturelle Vielfalt werden im Mai schwerpunktmäßig medienpolitische Aspekte des UNESCO-Übereinkommens diskutiert. Zur Vorbereitung werden Rückmeldungen erbeten, wie das im Dezember 2009 herausgegebene Weißbuch mit Handlungsempfehlungen aus der Zivilgesellschaft zur Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens aktiv umgesetzt wird. Der Bibliotheksbereich wird ebenfalls rückmelden und auf die bereits 2007 erarbeitete Stellungnahme mit Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungsträger verweisen. Die UNESCO-Konvention zur Vielfalt kultureller Ausdrucksformen wird im Oktober 2010 fünf Jahre alt. Aus diesem Anlass wird es während der Konsultation die Möglichkeit geben, anhand eines Posters Aktivitäten und Planungen unter dem Motto ‚Kulturelle Vielfalt sehen‘ vorzustellen. Auch hier wird sich der Bibliotheksbereich beteiligen.
http://www.unesco.de/kulturelle-vielfalt.html?&L=0
http://www.bideutschland.de/deutsch/organisation/arbeitsgruppen/kulturelle_vielfalt/
8. BI-International: Neuer Sprecher im Gremium für den internationalen Fachaustausch
Neuer Sprecher der ständigen Kommission des Dachverbandes Bibliothek & Information Deutschland (BID) für den internationalen Fachaustausch ist seit dem 1. April 2010 Benjamin Blinten. Der Leiter der Bibliothek des John-F.-Kennedy-Instituts der Freien Universität Berlin wird für die kommenden drei Jahre den internationalen Fachaustausch im Bibliotheks- und Informationsbereich in Form von Fachaufenthalten, internationalen Konferenzteilnahmen und Studienreisen durch Stipendienvergabe koordinieren. „Es ist mir eine große Ehre und Freude, mich Ihnen als neuer Sprecher einer Kommission vorstellen zu dürfen, die für das deutsche Bibliotheks- und Informationswesen lebensnotwendig ist! Lebensnotwendig, weil sie Neugier weckt und dabei hilft, die geweckte Neugier produktiv werden zu lassen“, so Blinten. Die ständige Kommission setzt sich aus Vertretern der Mitglieder des Dachverbandes BID zusammen. Kommission und Gremium stellen sich auf der Website von BI-International vor. Dort sind neben den verschiedenen Förderprogrammen auch die Voraussetzungen für eine Förderung und die Online-Bewerbungsformulare zu finden:
http://www.bi-international.de/
9. Niederlande: Neue Gremienstrukturen für Öffentliche Bibliotheken
Die Strukturen und Aufgabenverteilung des niederländischen Bibliotheksverbandes für Öffentliche Bibliotheken (Verenigung Openbare Bibliotheken) haben sich seit dem 1. Januar 2010 verändert: Der frühere VOB hat sich in das vom Bildungsministerium beauftragte ‚Netherlands Institute for Public Libraries‘, die Einrichtung ’Biblioteek.nl und die ‚Neue Verenigung Openbare Bibliotheken‘ aufgeteilt. Das ‚Netherlands Institute for Public Libraries (siob) soll die Entwicklung und den Stellenwert von Öffentlichen Bibliotheken in der Gesellschaft insgesamt stärken, Innovation im Bibliotheksbereich fördern und gezielt Bibliotheksangebote für Sehbehinderte entwickeln und anbieten. Zum 1. Juni wird das Institut von Leo Voogt, derzeitiger Direktor des Meermanno Museums in Den Hague, geleitet werden. Der Arbeitsbereich der internationalen Kooperation wird national und für alle Bibliotheken in den Niederlanden durch FOBID Netherlands Library Forum betreut. Leiterin der internationalen Abteilung wird Dr. Marian Koren.
http://www.siob.nl/, http://www.stichtingbibliotheek.nl/
http://www.debibliotheken.nl/, http://sitegenerator.bibliotheek.nl/fobid/home/
10. Dänemark: Öffentliche Bibliotheken in der Wissensgesellschaft: Bericht
Das dänische Kultusministerium hat 2009 einen Bericht über die Rolle der Öffentlichen Bibliotheken in der Wissensgesellschaft in Auftrag gegeben. Das Gremium, bestehend aus elf Vertretern aus Bibliotheksverbänden und Bibliotheken, hat diesen im März 2010 vorgelegt und mit einer Anzahl von Empfehlungen verbunden. Diese betreffen fünf Aktionsfelder: 1. Open Libraries (u.a. Entwicklung neuer Konzepte für die Bibliotheken und flexibler Bibliotheksangebote, Entwurf von Alternativen zu den traditionellen Bibliotheksräumen) 2. Inspiration and Learning (systematischer Ausbau und Entwicklung von Lern- und Kreativangeboten entsprechend den Nutzerbedürfnissen) 3. Danish Digital Library (Die DDL als gemeinsame digitale Plattform, die die Bibliotheken neben den physischen Beständen und für weitere Erkundungen anbieten) 4. Partnerships (Vernetzung der Bibliotheken mit neuen Partnern im öffentlichen Sektor, im Wirtschaftsleben und in der Zivilgesellschaft) 5. Professional Development (Stärkung der Kompetenzen, organisatorischer und strategischer Fähigkeiten der Bibliotheksmitarbeiter sowie stärkere Nutzerorientierung)
Der Bericht wird demnächst auf der Website veröffentlicht, eine englische Zusammenfassung kann angefordert werden bei klauser@bibliotheksverband.de
http://www.bibliotekogmedier.dk/
11. USA: OCLC Global Council
Berndt Dugall, Direktor der Universitätsbibliothek Frankfurt/ Main und Leiter des HeBIS-Verbundes, ist neuer Vizepräsident des OCLC Global Council, des höchsten Gremiums, in dem die Interessen der OCLC-Mitgliedsbibliotheken vertreten werden. Die Wahl fand im Rahmen des jährlichen Meetings des Global Council vom 19. bis 22. April 2010 in Dublin, Ohio, statt. Mit der Wahl zum Vizepräsidenten ist Dugall gleichzeitig "President Elect" und wird in der nächsten Amtsperiode die Präsidentschaft übernehmen.
Das Global Council wurde 2009 im Rahmen einer Organisationsreform aus dem "Members Council" gebildet. Es hat 48 Mitglieder, die von drei Regional Councils gewählt und dorthin entsandt werden. Mit Berndt Dugall übernimmt erstmals ein Mitglied aus einem nicht-englischsprachigen Land eine herausragende Position bei OCLC und stärkt so weiter den in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsenen Einfluss neuer OCLC-Mitglieder in Europa.
http://www.oclc.org/us/en/councils/global/default.htm
http://www.hebis.de/de/news/sonderthemen/dugall_oclc.php?PHPSESSID=602afb0a0b143b558eb5a87aabcbabb8
12. USA: Library of Congress archiviert Twitter-Nachrichten
Laut Aussage von Twitter werden täglich rund 55 Mio. ‚Tweets‘ gesendet; das sind mehrere Milliarden seit dem Start von Twitter 2006. Die Library of Congress in den USA hat nun beschlossen, alle Tweets, die je öffentlich gesendet wurden, zu archivieren. Wie historische Dokumente in Papierform gehören auch die Tweets bedeutender Politiker wie beispielsweise Barack Obama’s Tweet nach seinem Wahlsieg 2008 zu dem kulturellen Erbe, so die Begründung. Die LoC archiviert seit 2000 systematisch Internetinhalte, beispielsweise Websites des Kongresses oder von Wahlkampagnen. Mehr als 167 Terabyte Webinhalte sind bereits im Archivbestand.
http://news.bbc.co.uk/2/hi/technology/8621297.stm
13. Haiti: Bericht über Erdbebenschäden
‚Bibliothèques sans frontiers‘ (Bibliotheken ohne Grenzen) hat einen Bericht über die Schäden erstellt, die das verheerende Erdbeben in Haiti in Archiven und Bibliotheken verursachte. Es werden ebenfalls die für einen Wiederaufbau und Schadensersatz notwendigen Maßnahmen aufgeführt. Der Bericht ist zwar in französischer Sprache verfaßt, seine reiche Bebilderung vermittelt jedoch einen Eindruck von der Situation in Haiti
http://www.bibliosansfrontieres.org/images/urgence/rapport-mission.pdf
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